Atommüll in Deutschland
Endlagersuche könnte noch 150 Jahre dauern

Wird der hochradioaktive Atommüll jemals in Deutschland endgelagert? Neue Zeitprognosen zeigen, dass ein Abschluss des Kapitels noch über 150 Jahre dauern kann – die Frage ist: Wer soll das nur bezahlen?
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BerlinDie bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll und dessen Bau könnte sich um Jahrzehnte verzögern und deshalb deutlich teurer werden. Eine Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission kommt in einem Analysepapier zu dem Schluss, dass „der Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks zwischen 2095 bis 2170“ denkbar ist.

Zwischen den Jahren 2075 bis 2130 könnte nach jetzigem Stand die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle aus den deutschen Atomkraftwerken beendet sein, bevor die komplizierten Arbeiten zur sicheren, radioaktive Strahlung abschirmenden Schließung beginnen würden. Die 33-köpfige, beim Bundestag angesiedelte Kommission soll bis Mitte 2016 die Grundlagen der Suche erarbeiten.

Zunächst hatte die „Frankfurter Rundschau“ über die Zeitannahmen berichtet. Der Kommissionsvorsitzende Michael Müller (SPD) sagte der Zeitung, die Kosten für die Suche und die Endlagerung könnten deshalb in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro ansteigen. Bisher ist unklar, in welchem Umfang die Atomkonzerne für die Kosten am Ende aufkommen werden. Nach dem bisherigen Fahrplan könnte ab 2018 die Suche mit dem Vergleich geeigneter Endlagerstandorte beginnen.

Biblis
(Hessen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.12.1999
Antragsteller: RWE Power AG
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1400 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 135


Inbetriebnahme: 18.05.2006
Aktuelle Behälterzahl: 51

Brokdorf
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2021
Beginn Stilllegung: 2025
Ende Stilllegung: 2040


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 28.11.2003
Masse Schwermetall: 1000 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 100


Inbetriebnahme: 05.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 26

Brunsbüttel
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 30.11.1999
Antragsteller: Kernkraftwerk Brunsbüttel
Aufbewahrung genehmigt: 28.11.2003
Masse Schwermetall: 450 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 05.02.2006
Aktuelle Behälterzahl: 9

Grafenrheinfeld
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2015
Beginn Stilllegung: 2019
Ende Stilllegung: 2034


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.02.2000
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 12.02.2003
Masse Schwermetall: 800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 88


Inbetriebnahme: 27.02.2006
Aktuelle Behälterzahl: 21

Grohnde (Niedersachsen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2021
Beginn Stilllegung: 2025
Ende Stilllegung: 2040


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 20.12.2002
Masse Schwermetall: 1000 Tonnen
Behälterstellplätze: 100
Genehmigte Inbetriebnahme: 27.04.2006


Inbetriebnahme: 27.04.2006
Aktuelle Behälterzahl: 22

Gundremmingen
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2017/21
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2021/25
Ende Stilllegung: 2036/40


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 25.02.2000
Antragsteller: RWE Power AG
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 1850 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 192


Inbetriebnahme: 25.08.2006
Aktuelle Behälterzahl: 42

Isar
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/22
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/26
Ende Stilllegung: 2030/41


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.02.2000
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1500 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 152


Inbetriebnahme: 12.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 34

Krümmel
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 30.11.1999
Antragsteller: Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co.
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 775 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 14.11.2006
Aktuelle Behälterzahl: 19

Lingen
(Emsland)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2022
Beginn Stilllegung: 2026
Ende Stilllegung: 2041


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 22.12.1998
Antragsteller: Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 06.11.2002
Masse Schwermetall: 1250 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 125


Inbetriebnahme: 10.12.2002
Aktuelle Behälterzahl: 32

Neckarwestheim
(Baden-Württemberg)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/22
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/26
Ende Stilllegung: 2030/41


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1600 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 151


Inbetriebnahme: 06.12.2006
Aktuelle Behälterzahl: 44

Philippsburg
(Baden-Württemberg)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/19
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/23
Ende Stilllegung: 2030/38


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: EnBW Kraftwerke AG
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 1600 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 152


Inbetriebnahme: 19.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 36

Unterweser
(Niedersachsen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 18.06.2007
Aktuelle Behälterzahl: 16

Ahaus
(Nordrhein-Westfalen)

Aufbewahrung genehmigt: 10.04.1987
Maximale Masse Schwermetall: 3960 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 420


Inbetriebnahme: Juni 1992
Aktuelle Behälterzahl: 319

Gorleben
(Niedersachsen)

Aufbewahrung genehmigt: 05.09.1983
Maximale Masse Schwermetall: 3800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 420


Inbetriebnahme: April 1995
Aktuelle Behälterzahl: 113

Zwischenlager Nord in Rubenow
(Mecklenburg-Vorpommern)

Aufbewahrung genehmigt: 05.11.1999
Maximale Masse Schwermetall: 585 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: Ende 1999
Aktuelle Behälterzahl: 74

Jülich
(Nordrhein-Westfalen)

Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 10.03.1987
Antragsteller: Forschungszentrum Jülich GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 17.06.1993
Maximale Masse Schwermetall: 0,225 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 158


Inbetriebnahme: 23.08.1993
Aktuelle Behälterzahl: 152

Auch der seit 1977 als einzige Option im Fokus stehende Salzstock Gorleben bleibt im Rennen. Bis 2031 soll der Endlagerort gefunden sein, dann muss es noch gebaut und der in Zwischenlagern lagernde Atommüll umgepackt werden in endlagerfähige Behälter. Eigentlich sind die Zwischenlager und die Castor-Behälter nur auf 40 Jahre ausgelegt, aber diese Fristen könnten deutlich überschritten werden.

Angesichts der Probleme prüfte die Arbeitsgruppe auch ganz andere Endlageroptionen, etwa im Weltall oder in der Antarktis. Aber das Einsinkenlassen von wärmeerzeugenden Behältern in das mehrere Kilometer dicke Eis sei keine Option - zudem sieht das Gesetz eine Einlagerung der deutschen Atomabfälle im Inland vor. Zudem verbiete der Antarktisvertrag eine solche Atomabfalleinlagerung im Eis.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Atommüll in Deutschland: Endlagersuche könnte noch 150 Jahre dauern"

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  • Es gibt einen Typ von Atomkraftwerk, der nukleare Brennstoffe weiterverarbeiten kann. Danach ist das sogenannte abgereicherte Uran so ausgelutscht, dass es eine Halbwertszeit von ca. 300 Jahren hat. wir sollten diese Option in die öffentliche Diskussion mit einbringen. Diese restlichen Abfallstoffe strahlen derart schwach, dass sie in fast jedem Salzstock gelagert werden könnten. Auch eine oberirdische Lösung ist dann möglich. Aber offenbar ist auch nur der Gedanke eines neuen Atomkraftwerkes eine Todsünde und ein Verstoß gegen die political korrektness. diese Lösung hätte auch den Vorteil, dass die Energiekonzerne ihre Schadensersatzansprüche reduzieren könnten und unsere Atomindustrie könnte quasi einen ökologischen Mailer weltweit anbieten. Win Win nennt man das

  • Die Endlagersuche muss so lange dauern, bis kein Versorger noch zu Rechenschaft gezogen werden kann.
    Glaubt denn jemand, dass unsere 100 jährige Stromversorgung noch 150 Jahre überleben kann? Was soll aus den Versorgern werden, wenn Strom nach dem EEG in 10 Jahren mehr als 50 Prozent des Stroms und der Wärme erzeugt werden und davon wieder über 80 Prozent zur Selbstversorgung? Müssen die großen vier dann D verlassen? Die Frage: "Wer soll das nur bezahlen?" ist schon entschieden. Die Nichtsteuerzahler oder Steuerflüchtlinge werden es nicht sein.. Sollte es schon 2100 ein solches Endlager geben, werden das auch keine heute in D lebenden Bürger bezahlen müssen. Die Enkel fechtens besser aus!

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