Atommüll
Stop-and-go für den Castor-Transport

Je näher der Castor-Transport seinem Ziel in Lubmin bei Greifswald kam, desto größer wurden die Behinderungen durch Atomkraftgegner. Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel bremsten Demonstranten den Transport zum Zwischenlager Nord dann doch noch aus.
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HB Rund 1 500 Kilometer kam der Castor-Transport aus Frankreich ins Zwischenlager Lubmin mehr oder weniger zügig voran, auf den 20 letzten Kilometern ging am Donnerstag zunächst nichts mehr. Stundenlang stand die strahlende Fracht wenige Kilometer vor ihrem Ziel, weil sich zwei Aktivisten im Gleisbett mit einer Betonkonstruktion angekettet hatten. Am Abend um 18.00 Uhr war der Zug bereits 46 Stunden lang unterwegs, deutlich länger als geplant.

Die beiden Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood hatten sogenannte Armröhren zum Festketten benutzt. Zuvor waren bereits mehrere Aktionen der Atomkraftgegner durch die Polizei beendet worden. Dazu gehörte eine Sitzblockade von mehr als 250 Demonstranten nahe Lubmin, eine Kletteraktion auf Bäumen nahe der Bahnstrecke sowie von einer Brücke, die über die Castor-Strecke verläuft.

Auf seiner Fahrt durch Deutschland wurde der mit rund 2 500 Brennstäben beladene Atommüllzug aus Südfrankreich durch Protestaktionen auf und an den Gleisen jeweils nur für kurze Zeit gestoppt. Zur Geduldsprobe wurden erst die letzten 22, eingleisigen Kilometer vor dem Zwischenlager.

Der Zug war am Dienstagabend im französischen Aix-en-Provence gestartet. Nach 18 Stunden zügiger Fahrt passierte der Transport am Mittwoch um 14.00 Uhr bei Saarbrücken die französisch-deutsche Grenze. Kurz vor der Grenze musste der Zug stoppen, weil auf dem Saarbrücker Güterbahnhof eine Bombe gefunden worden war. Im saarländischen Neunkirchen stoppte der Zug für einen Lokwechsel.

Weitgehend störungsfrei fuhr der Zug auch durch Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen. Im hessischen Hünfeld wurde Begleitpersonal gewechselt, der Zug stand daher kurze Zeit planmäßig.

Ins Stocken kam der Castor-Transport erst in den ostdeutschen Bundesländern. In Ingersleben bei Erfurt stoppte der Zug für wenige Minuten, weil sich rund 20 Demonstranten in Gleisnähe befanden.

Achteinhalb Stunden dauerte dann die Fahrt durch Sachsen-Anhalt. Menschen auf Gleisen und eine defekte Weiche sorgten für ungeplante Verzögerungen. In Magdeburg stand der Zug fast zweieinhalb Stunden.

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