Deutschland

_

Atommüllendlager-Suche: Altmaier warnt Opposition vor weiteren Verzögerungen

„Ein richtiges Foulspiel“ wirft Umweltminister Altmaier der Opposition vor. SPD und Grüne hatten einen Gesprächstermin abgesagt, sind sauer auf den Minister. Jetzt wackelt die Entscheidung bis zur Bundestagswahl 2013.

Bundesumweltminister Peter Altmaier greift die Opposition an. Quelle: dapd
Bundesumweltminister Peter Altmaier greift die Opposition an. Quelle: dapd

BerlinBundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) warnt SPD und Grüne nach der Absage eines Gesprächs zur Atommüllendlager-Suche vor weiteren Verzögerungen. „Alle Beteiligten können bei einer Fortdauer des Konflikts nur verlieren“, sagte er am Samstag dem Sender NDR Info. Er setze darauf, dass sich bei der Opposition „die Vernunft wieder durchsetzt“ und doch noch ein parteiübergreifender Konsens für die Endlagersuche erreicht werde.

Anzeige

Altmaier reagierte damit auf die Ankündigung von Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin vom Freitag: Demnach wollen SPD, Grüne und mehrere Ministerpräsidenten der für nächste Woche geplanten Verhandlungsrunde fernbleiben.

Energiepolitik

Trittin habe „ein richtiges Foulspiel begangen“, sagte Altmaier am Rande einer Energiepolitik-Veranstaltung in Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa. Er hoffe dennoch auf eine Entscheidung über das geplante Endlagersuchgesetz vor der Bundestagswahl, die wohl im September 2013 stattfindet. „Aber ich kann es nicht garantieren.“ Im NDR bedauerte Altmaier, dass sein im Juni vorgelegter Gesetzentwurf von SPD und Grünen abgelehnt worden sei. Den Vorwurf von SPD-Chef Sigmar Gabriel, er wolle das Thema Endlagersuche in den beginnenden niedersächsischen Landtagswahlkampf bringen, wies Altmaier zurück.

Grünen-Chefin Claudia Roth untermauerte in der „Süddeutschen Zeitung“ die Kritik ihres Parteikollegen Trittin. Dieser hatte dem Umweltminister vorgeworfen, einen akzeptablen Gesetzentwurf zur Endlagersuche schuldig geblieben zu sein und damit den angestrebten parteiübergreifenden Konsens schwer zu gefährden. „Es ist unmöglich, wie Herr Altmaier versucht, uns an der Nase herumzuführen“, monierte Roth. Der Sommer sei ohne ernsthafte Verhandlungen verstrichen, und nun habe Altmaier kurzfristig einen Showtermin anberaumt, ohne zu sagen, was er vorlegen wolle. „So geht man nicht mit Verhandlungspartnern um - zumindest nicht, wenn man es ernst meint mit einer Einigung“, begründete Roth die Absage.

Medienbericht Endlager-Gespräche vor dem Scheitern

SPD und Grüne machen Bundeumweltminister Peter Altmaier massive Vorwürfe.

Medienbericht: Endlager-Gespräche vor dem Scheitern

Trotz der neuerlichen Kontroverse hält aber auch SPD-Chef Gabriel ein Gesetz über die Endlagersuche noch bis zur Bundestagswahl für möglich. Das hänge jedoch vom weiteren Agieren Altmaiers und der Rückkehr zu einem „geordneten Gesprächsverfahren“ ab. „Zu vernünftig vorbereiteten Gespräche gehe ich immer“, betonte Gabriel. Wahlkampfspielchen der Union hingegen seien hinderlich, sagte er der „Braunschweiger Zeitung“.

Einer der Konfliktpunkte ist, ob beim Neubeginn der Endlagersuche der Salzstock im niedersächsischen Gorleben einbezogen wird. 35 Jahre lang war der Ort im Wendland die einzige Option für die dauerhafte Deponie abgebrannter Brennstäbe. Da es dagegen massiven Widerstand gibt, wird eine neue, bundesweite Endlagersuche angestrebt, die ergebnisoffen ist. Die Regularien sollen in einem Gesetz verankert werden. Altmaier wollte den Entwurf noch im Herbst in den Bundestag einbringen.

Ein Jahr Energiewende Wer für den Atomausstieg zahlen muss

  • Ein Jahr Energiewende: Wer für den Atomausstieg zahlen muss
  • Ein Jahr Energiewende: Wer für den Atomausstieg zahlen muss
  • Ein Jahr Energiewende: Wer für den Atomausstieg zahlen muss
  • Ein Jahr Energiewende: Wer für den Atomausstieg zahlen muss

  • 07.10.2012, 23:50 UhrEuroautritt-Deutschland

    Hallo @Atomknall,
    auf Zeit spielen offensichtlich alle Parteien in Deutschland, wenn es um die Ordnung des Atommülls geht.

    Wenn ich nur zurückdenke, wie lange Herr Trittin als Umweltminister (1998-2005) Verantwortung für die Atomabfälle getragen hat. Er hatte in seinen damaligen Amtszeiten viele Jahre Gelegenheit, ein tragfähiges Fundament zum Thema Atommüll aufzubauen. Da hätten sich Trittin und die Grünen ein Denkmal bauen können. Aber leider hat er, wie alle bisherigen Umweltminister, dieses Thema ausgesessen.

    Jetzt versucht ein neuer Umweltminister – unter Einbeziehung aller Parteien – Struktur und Ordnung in das Atommüllendlager hineinzubringen. Was passiert, aus wahltaktischen Gründen verabschieden sich die Grünen und die SPD von diesem heiklen Thema. Wir Bürger haben sehr gut verstanden, man könnte sich eventuell vor der Wahl am Atommüllendlager die Finger verbrennen.

    Sollten SPD u. Grüne erneut Regierungsverantwortung übernehmen, kann ich mir gut vorstellen, dass diese beiden Parteien, wie in der Vergangenheit geschehen, dieses heikle Thema erneut aussitzen werden.

    Ich vermute, die Grünen wollen mit ihrer Verweigerungshaltung das Thema Endlager so lange hinausschieben, bis es vollkommen unmöglich geworden ist, den bereits versenkten Atommüll (Asse) zu bergen.

    Ich empfinde Mitleid mit den vielen Atom-Demonstranten, weil sie auch von den Grünen an der Nase herumgeführt wurden.

    Von Herrn Steinbrück kein Wort zu diesem Thema. Der derzeitige Umweltminister Altmeier ist zu bedauern.

  • 06.10.2012, 14:43 UhrAtomknall

    Altmaiers Schonzeit sollte langsam abgelaufen sein.

    Er hat bisher nichts geboten. In Niedersachsen in der Asse strahlen die Atomfässer. Gorleben scheint ungeeignet und in Sachsen-Anhalt in Morsleben sieht es auch nicht viel besser aus.

    Niemand will den Atomdreck und Altmaier ist mit dem Thema sichtlich überfordert. Neben Altmaier hat auch sein Parteifreund Mc Allister ein Problem. Zwei nicht geeignete Standorte und noch immer keine Lösung!

    Die CDU spielt auf Zeit zu Gunsten großer Lobbyverbände.

  • 06.10.2012, 12:49 UhrCharly

    der kerl ist ein lobbyist der grossindustrie.

  • Die aktuellen Top-Themen
Steueroasen: Konzerne sehen sich zu Unrecht am Steuer-Pranger

Konzerne sehen sich zu Unrecht am Steuer-Pranger

Deutschlands große Unternehmen wehren sich gegen die Unterstellung, den Fiskus zu betrügen. Es seien ja gerade die Regierungen gewesen, die gezielt steuerliche Anreize geschaffen hatten - mit Billigung der EU.

HSBC-Index: Chinas Industrie im Mai geschrumpft

Chinas Industrie im Mai geschrumpft

Es gehen bei der chinesischen Industrie weniger Aufträge ein, der Binnenmarkt kann die fehlende Auslandsnachfrage nicht auffangen. Die chinesische Industrie ist im Mai geschrumpft.

Während eines Verhörs: FBI tötet Mann mit Kontakt zu Boston-Bombern

FBI tötet Mann mit Kontakt zu Boston-Bombern

Der Mann war eigentlich nur zu einem Verhör geladen worden. Er wurde nicht verdächtigt, in das Attentat von Boston verwickelt zu sein. Doch bei der Befragung wurde der Freund des Attentäters gewalttätig.

Handelsblog Pekings gefälschtes Ikea-Möbelhaus

Am meisten haben es mir die blau-gelben Polohemden der Möbelberaterinnen angetan. Der Schriftzug links auf der Brust lautet zwar „Joyme“, nicht „Ikea“, doch ansonsten wirken sie so schweden-mäßig, wie das überhaupt nur sein kann. Doch... Von Finn Mayer-Kuckuk. Mehr…