Atommülllager Asse
Opposition warnt vor Umweltdesaster

126.000 Fässer mit Atommüll könnten bald nicht mehr aus dem Lager in Asse geborgen werden. Davor warnen Bergbau-Experten des Bundesamts für Strahlenschutzes. Die Opposition spricht von einer Hinhaltetaktik der Minister.
  • 8

Grüne und SPD haben den für die Asse zuständigen Ministern vorgeworfen, die Rückholung des Atommülls aus der maroden Schachtanlage zu hintertreiben. Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl warnte am Freitag in Berlin deswegen vor „einem der wahrscheinlich größten Umweltdesaster, das auf Deutschland zukommen könnte“. Es scheine, „dass es momentan nicht um die Suche nach Lösungen geht, sondern um Machtgerangel und Hinhaltetaktik“, kritisierte auch der SPD-Umweltexperte Matthias Miersch mit Blick auf Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und seinen niedersächsischen Kollegen Hans-Heinrich Sander (FDP).

Kotting-Uhl und Miersch reagierten damit auf Bedenken von Bergbau-Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Diese bezweifeln, dass der Atommüll aus der Asse zurückgeholt werden kann.

Gegner des Vorhabens und Zweifler an dessen Machbarkeit habe es schon immer gegeben, sagte Kotting-Uhl. Die Entscheidung zur Rückholung sei aber getroffen worden, „weil nur diese Option langfristige Sicherheit für Mensch und Umwelt bietet“. Notfalls müsse die Rückholung im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens zur Gefahrenabwehr vorangetrieben werden. Die Grünen-Politikerin warf Röttgen und Sander vor, das Problem nicht ernst genug zu nehmen.

„Wir verlangen ein sofortiges Ende jeglicher Verzögerungen“, erklärte Miersch. Röttgen müsse in der ersten Sitzung des Umweltausschusses im Neuen Jahr eine Einschätzung zur abgeben. Die atomkritische Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg warf dem Bundesumweltminister vor, er wolle aus Kostengründen „die Rückholung des Atommülls torpedieren und am Ende die Asse doch fluten“. Nur durch eine Entfernung des strahlenden Materials aus der Schachtanlage lasse sich aber eine Verseuchung des Grundwassers ausschließen.

Medienberichten zufolge heißt es in der Expertise, „alle dargestellten Indikatoren“ deuteten darauf hin, „dass im Verlauf der nächsten Monate bis gegen Ende 2012 eine Sachlage eintreten wird, die eine weitere Verfolgung der Stilllegungsoption 'Rückholung' als sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar erscheinen lässt“. Die Bergbau-Experten bewerteten vor allem die langen Genehmigungsverfahren. BfS-Sprecher Emrich sagte dazu, dass es sich hierbei nicht um eine Einschätzung des BfS, sondern um die Darstellung eines Experten handele, der im Auftrag des BfS die bergtechnische Sicherheit der Grube untersucht habe. Ziel bleibe die Rückholung des Atommülls, weil nur dadurch eine sichere Stilllegung gewährleistet werden könne.

Oberstes Ziel, erklärte das BfS am Donnerstagabend, bleibe die langfristige Sicherheit von Mensch und Umwelt. Dies sei „nach dem aktuellen Stand nur durch die Rückholung der in der Asse eingelagerten Abfälle gewährleistet“. In der Erklärung warnt das BfS jedoch auch vor weiteren Verzögerungen. Wenn Planung um Umsetzung der Rückholung des Atommülls weiterhin so viel Zeit beanspruchten wie bisher, „dann macht der schlechte bergbauliche Zustand des Bergwerks diesen Weg zunehmend unwahrscheinlich“. Im Januar solle dazu ein Fachgespräch stattfinden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Atommülllager Asse: Opposition warnt vor Umweltdesaster"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ach wie süß. Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl
    ---------
    Liebes HB, macht Ihr Euch vorher eigentlich nicht schlau über die Leute?
    Kotting-Uhl hat Anglistik und Germanistik studiert, danach kurz als Dramaturgin gearbeitet, dann zog sie aufs Land und lebte ökomäßig und richtete eine Kinderwerkstatt ein.
    Das ist wirklich eine tolle Atom-Expertin.
    Ich bin tief beeindruckt, was wir für Experten haben.

  • Ist es nicht besser eine eventuelle Umweltbelastung lokal eingegrenzt zu lassen , diese kontrollieren zu können, als sie großflächig überirdisch zu verteilen und dem ausgeliefert zu sein ?
    Ein Endlager MUSS gefunden und definiert werden ,die Möglichkeit es im Meer zu verklappen besteht allerdings auch noch !

  • Und sie bekommen ihr Trinkwasser aus einem Salzstock ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%