Attacke auf Moody's & Co
FDP haucht geplanter EU-Ratingagentur Leben ein

Die Rating-Agenturen bekommen Ärger mit der deutschen Regierung: Erst macht Wirtschaftsminister Rösler Front gegen die Risikobewerter, jetzt legt FDP-Fraktionschef Brüderle nach – mit einem konkreten Konzept.
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Berlin/FrankfurtFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will die Vormachtstellung von Standard & Poor's, Moody's und Fitch brechen. „Wir brauchen mehr Wettbewerb durch die Gründung einer unabhängigen und privat finanzierten EU-Ratingagentur“, schreibt Brüderle in einem Fünf-Punkte-Papier zur Regulierung der Institute, das dem Handelsblatt vorliegt. „Das Vertrauen auf die Aussagen des Meinungsoligopols der drei großen US-Agenturen war einer der Gründe, dass Risiken im Finanzmarkt viel zu spät erkannt worden sind“, schreibt Brüderle.

Der Vorstoß zeigt, dass Deutschland nun ernst macht mit ihrer Drohung, die Bonitätswächrter zurückzudrängen. Denn nur kur vor Brüderle hatte sich der FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler zu Wort gemeldet und in ähnlicherweise argumentiert. "Wir brauchen mehr Wettbewerb, um den ausufernden Einfluss der drei großen Ratingagenturen auf das weltweite Finanzsystem einzudämmen", hatte Rösler dem Handelsblatt gesagt. Das bedeute, dass die Marktzutrittschancen für kleinere Ratingagenturen weiter verbessert werden müssten. "Außerdem sollten Marktteilnehmer die notwendige Sensibilität aufbringen und externe Ratings nicht einfach kritiklos übernehmen", sagte der Bundeswirtschaftsminister. Hier zähle Eigenverantwortung, indem eigene und transparente Risikoeinschätzungen vorgenommen würden.

Rating-Agenturen bewerten die Bonität von Unternehmen, Banken, Finanzprodukten und Staaten durch eine Art Schulnotensystem. Der Markt wird beherrscht von den drei US-Agenturen Standard & Poors's, Moody's und Fitch. Aktuell ziehen sich die großen Bonitätsprüfer den Zorn der Politik zu, weil sie die Anleihen der hochverschuldeten Euro-Staaten immer wieder herabstufen.

Neben dem Aufbau einer unabhängigen EU-Ratingagentur will Brüderle nun konkret mehr Wettbewerb durch eine stärkere „Nutzung interner Bonitätssysteme“ herstellen. Sowohl Banken als auch Versicherungen würden bereits heute die Zahlungsfähigkeit von Ländern beurteilen. Jedes Institut allerdings nur für sich

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  • Na das wird dann der Grinse-Rösler mit seinen enormen Wirschaftsfähigkeiten schon richten.
    Ich lach mich aber schlapp

  • Meinetwegen sollen die Ratingagenturen für falsche Aussagen haften - aber dann bitte auch alle Politiker, deren 'Geschichten' wir uns anhören müssen.

  • Wir brauchen keine EU-Ratingagentur, die wie die amerikanischen Agenturen erst dann abwertet, wenn die Staaten so überschuldet sind, dass eine Abwertung gleichzeitig den Zahlungsausfall bedeutet.

    Jeder, der eine Anlage tätigt, sollte sich doch vorher ein wenig mit seinem Investment beschäftigen und sich nicht blindlings darauf verlassen, was für einen Buchstaben irgendwelche selbsternannten Experten vergeben haben.

    Also schafft die Ratingagenturen einfach komplett ab, die braucht nämlich eigentlich kein Mensch.

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