Attacken eines italienischen Politikers
Schröder droht mit Absage seines Italien-Urlaubs

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat wegen der antideutschen Attacken eines italienischen Staatssekretärs mit der Absage seines Italien-Urlaubs gedroht.

HB/dpa BERLIN. „Sollten diese Äußerungen auf Billigung der italienischen Regierung stoßen und ohne Konsequenzen bleiben, wird der Bundeskanzler seinen in Italien geplanten Urlaub absagen“, sagte Regierungssprecher Bela Anda dem Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstag). Italiens Außenminister Franco Frattini bedauerte unterdessen die verbalen Angriffe des Staatssekretärs im Wirtschaftsministerium, Stefano Stefani (Liga Nord).

Vor einigen Tagen hatte bereits Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit einem Nazi-Vergleich im EU-Parlament einen Eklat ausgelöst. Kurz danach sagte Stefani in der Tageszeitung „Padania“ über deutsche Touristen: „Sie bevölkern im Sommerurlaub lautstark unsere Strände, besoffen vor arroganter Selbstsicherheit.“ Es handele sich um „einförmige, supernationalistische Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen“.

Regierungssprecher Anda sagte: „Dies sind unglaubliche Äußerungen des für Tourismus zuständigen Staatssekretärs in der italienischen Regierung.“ Es handele sich „um eine Pauschalbeleidigung gegenüber allen Deutschen, die gerne in Italien Urlaub machen“. Jeder wisse, wie sehr der Kanzler Italien, „dieses großartige Land mit seinen freundlichen Menschen und seiner herausragenden Kultur“, schätze.

Außenminister Frattini sagte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, er hoffe, dass Stefanis „grundlose Erklärung in keiner Weise die traditionelle Freundschaft zwischen Italien und Deutschland trüben wird“. Die hunderttausenden Italiener und Deutschen, die die jeweiligen Länder besuchen würden, seien der beste Beweis der „soliden Beziehungen“ zwischen beiden Staaten. „Die deutschen Touristen sind in unserem Land immer willkommen.“

Zuvor hatte bereits die Tourismusbehörde der Region Toskana die Äußerungen Stefanis zurückgewiesen. Ihr Sprecher Alessandro Sederigi sagte der Hörfunkagentur dpa/Rufa in Florenz, die Deutschen und die Toskana seien durch „eine historische Beziehung“ verbunden. „Wir sind außer uns“, lautete sein Kommentar zu den Äußerungen Stefanis.

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