Attentat auf Allawi vereitelt
Irakischer Terror erreicht Deutschland

Die deutsche Polizei hat möglicherweise im letzter Minute ein Attentat auf den irakischen Ministerpräsidenten Allawi vereitelt. Damit ist schlagartig klar geworden, dass der Arm der Terroristen, die den Irak in ein noch tieferes Chaos stürzen wollen, längst bis nach Berlin reicht.

HB BERLIN. Während der irakische Premier Ijad Allawi mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dann mit Außenminister Joschka Fischer konferierte, trat Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe vor die Presse und erklärte, dass ein in Berlin geplanter Anschlag auf Allawi vereitelt worden sei. Der erste Besuch Allawis in Deutschland wurde eine von der Polizei massiv abgeschirmte Kurzvisite.

Die deutschen Behörden waren vorgewarnt. Ein privates Treffen Allawis mit Exil-Irakern wurde am Donnerstagabend aus Sicherheitsgründen abgesagt. „Hinweise deuteten auf einen bestimmten Programmpunkt“ des Allawi-Besuchs hin, sagte Nehm später. In der Nacht schlugen Spezialeinheiten der Polizei bei neun Razzien in Stuttgart, Augsburg und in einem Hochhaus im Berliner Stadtteil Neukölln zu. Drei irakische Tatverdächtige wurden festgenommen - wo, das ließ Nehm offen. Für Allawi habe aber eine „erhebliche Gefährdung“ bestanden.

Die Polizei sperrte am Morgen das Kanzleramt ab. Passanten und Autos wurden unnachgiebig gestoppt und umgeleitet. Die Straßen vor dem Kanzleramt waren leer. Keine Autos, keine Journalisten, keine Touristen. Allawis Termine wurden zusammengestrichen. Auch ein bei der Deutschen Bank geplantes Gespräch mit Wirtschaftsvertretern fiel aus. Noch am Freitag sollte Allawi wieder abreisen. Wohin - das wurde geheim gehalten.

Im Kanzleramt versuchte Allawi derweil das Bild zu vermitteln, dass der Irak auf dem Weg zur Stabilisierung sei. Entgegen der allgemeinen Meinung würden nur 20 % des Iraks von Aufständen und Terror erschüttert, sagte er. Schröder bemühte sich um den Anschein, als handele es sich um ein normales Politikertreffen. Der Kanzler sagte dem Irak weitere Wiederaufbauhilfe zu - erstmals sollen die Hilfsmaßnahmen auch in Deutschland stattfinden. So könnten nach dem Vorschlag Schröders etwa Spezialisten zur Kampfmittelbeseitigung in der Bundesrepublik ausgebildet werden.

Mit der Ausbildung außerhalb des Iraks verfolgt die Bundesregierung, die den Irak-Krieg abgelehnt hat, zwei Ziele: Einerseits will sie keine Soldaten in das Land schicken, andererseits soll das Leben der Iraker bei der Ausbildung nicht gefährdet werden. Das zweite Argument allerdings erwähnte im Alleingang nur die Dolmetscherin, die Schröders Worte für Allawi auf Englisch übersetzte. Dass Iraker auch in der Bundesrepublik gefährdet sind, hat der vereitelte Anschlag auf Allawi bewiesen.

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