Auch Arbeitgeber hätten an Reformen Interesse
Experte: IG Metall muss sich wandeln oder geht unter

Die krisengeschüttelte IG Metall muss sich nach Einschätzung des Gewerkschaftsforschers Jürgen Hoffmann erheblich modernisieren, um der Bedeutungslosigkeit zu entgehen. „Die Krise besteht darin, dass sich ihre klassische Klientel verändert hat - und für die IG Metall in ihrer jetzigen Organisationsform immer schwerer fassbar ist“, sagte der Professor für Politische Soziologie an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP).

HB/dpa HAMBURG. „Gerade für neue Arbeitnehmerschichten ist die IG Metall wenig attraktiv.“ Der aktuelle Führungsstreit erschwere die Modernisierung noch, sein Ausgang sei richtungweisend für die Zukunft der weltweit größten Industriegewerkschaft.

„Derzeit hat sich alles auf persönliche Animositäten, insbesondere zwischen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Jürgen Peters zugespitzt. Es geht kaum noch um die Sache“, sagte Hoffmann. Peters hält ungeachtet zahlloser Rücktrittsforderungen an seiner Bewerbung als Nachfolger Zwickels fest. Er wird von Zwickel und Teilen der Gewerkschaftsbasis für das Streik-Debakel in Ostdeutschland verantwortlich gemacht. Den baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber sieht Hoffmann trotz seines Rückzugs noch nicht aus dem Rennen um den Vorsitz. „Er könnte den notwendigen Spagat zwischen Tradition und Reformen schaffen.“

Die verhärteten Fronten im 41-köpfigen Vorstand sind Hoffmann zufolge ein Abbild der Spaltung in der Mitgliedschaft zwischen Traditionalisten und Modernisierern. „Eine einheitliche Gewerkschaftskultur gibt es nicht mehr“, sagte er. Neben den traditionellen Schichtkräften hätten sich die Aufgaben zahlreicher Industrie-Facharbeiter verändert, die nun „im Team und mit Notebook“ häufig flexibel und projektorientiert arbeiteten. „Für diese Leute sind Lohn und Arbeitszeit nicht mehr die einzigen Tarifinteressen. Sie legen genauso viel Wert auf soziale Rahmenbedingungen.“

Auch auf Grund dieser Interessenverschiebung müsse sich die IG Metall in ihren Strukturen öffnen. „Das Prinzip „Die Funktionäre geben die Richtung vor, die Massen folgen“ funktioniert so nicht mehr“, sagte Hoffmann. Künftig sollte die Führungsspitze mehr Diskussionen mit der Basis um Sachfragen zulassen und dann erst zu einem Ergebnis kommen. „Zudem müssen die Frauen in den Gewerkschaften allgemein mehr Bedeutung bekommen.“ Sie könnten die Organisationen etwa durch alternative Diskussionsformen mit voranbringen.

An Reformen bei der IG Metall hätten auch die Industrie-Arbeitgeber Interesse. „Die Arbeitgeber wollen eine starke Gewerkschaft. Ansonsten würde mit der Sozialpartnerschaft auch ihre Planungssicherheit bröckeln.“ Viel mehr als ausschließlich Haustarifverträge strebten sie Flächentarifverträge mit Öffnungsklauseln an, die den einzelnen Betrieben genügend Spielraum geben.

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