Auch Arbeitsämter können Ziele nicht erfüllen
Job-Agenturen arbeiten bislang erfolglos

Schlechter Start für die Personal-Service-Agenturen (PSA): Nach ersten enttäuschenden Zahlen der Arbeitsämter zeigt sich, dass auch die großen Service-Agenturen vieler Unternehmen ihre Ziele nicht erreichen werden.

ek/huh/mno/slo DÜSSELDORF. Die Telekom hat daher das Konzept ihrer hauseigenen PSA überarbeitet und die Führungsspitze ausgewechselt. Die Telekom-PSA beschäftigt fast 10 000 Arbeitnehmer, für die es bei der Telekom derzeit keine Verwendung gibt. Aufgabe konzerneigener Personal-Service-Agenturen ist es, innerhalb des Unternehmens eine neue Aufgabe für die Arbeitnehmer zu finden oder aber die Beschäftigten nach außen zu vermitteln. Bislang hat die Telekom-PSA nur für knapp 300 Beschäftigte einen Arbeitsplatz außerhalb der Telekom gefunden. Etwa 1 500 haben intern eine Stelle bekommen. Ursprüngliches Ziel war es, bis zum Jahresende etwa 6 000 Leute zu vermitteln. „Das Ziel werden wir jetzt wohl etwas später erreichen“, heißt es in Unternehmenskreisen. Offiziell erklärte die Telekom gestern auf Nachfrage, man richte die PSA „im Rahmen des schwachen Arbeitsmarktes“ neu aus.

Auch in anderen Unternehmen bleiben die Erfolge der Agenturen hinter den Erwartungen zurück. Die Vermittlungsagentur der Deutschen Bahn hat im vergangenen Jahr 4 300 Mitarbeiter betreut, für rund 650 sind nach Angaben des Unternehmens „konzerninterne Perspektiven“ gefunden worden, weitere 600 seien sozialverträglich ausgeschieden. Die Bahn will bis 2007 etwa 40 000 von derzeit 206 000 Arbeitsplätzen abbauen.

Beim Chemiekonzern BASF, der Anfang des Jahres seine MitarbeiterAgentur installiert hat, heißt es, es sei noch zu früh für eine Bilanz. Derzeit seien 311 Mitarbeiter in der Agentur beschäftigt, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Ziel sei es, alle Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren an anderer Stelle im Unternehmen neu zu beschäftigen. Der zuständige BASF-Betriebsrat Andreas Müller sagte: „Es konnten bisher nur Einzelfälle vermittelt werden.“

Allein die von VW und der Stadt Wolfsburg gegründete PSA unter dem Dach der Wolfsburg AG kann mit guten Zahlen aufwarten. Das von VW-Personalvorstand Peter Hartz ins Leben gerufene Projekt gilt als Blaupause für die nun bundesweit installierten PSA der Arbeitsämter. Das Ziel, die Arbeitslosigkeit in der Stadt auf jetzt 8,5 % zu halbieren, sei erreicht worden, sagte der Geschäftsbereichsleiter der PSA, Torge Brandenburg. Er machte jedoch darauf aufmerksam, dass viele Mitarbeiter bei neu angesiedelten VW-Zulieferern unterkamen.

Dagegen erfüllen auch die PSA der Arbeitsämter die in sie gesetzten Erwartungen nicht. Bei den rund 670 Agenturen sind bislang etwa 30 000 Stellen für Arbeitslose geschaffen worden. Doch davon sind nur 6 100 besetzt. Das eigentliche Ziel der PSA, Arbeitslose über die Zeitarbeit in einen regulären Job zu vermitteln, wurde nur in 117 Fällen erreicht. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) macht dafür die schlechte Konjunktur verantwortlich. Trotzdem hält sie das Ziel weiterhin für erreichbar, bis Ende des Jahres 50 000 Arbeitslose in einer PSA zu beschäftigen. Der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Hermann Scherl dagegen kritisierte die PSA als völlig überbewertet. Die Beschäftigungs- und Entlastungseffekte für den Arbeitsmarkt seien gleich null, sagte er.

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte unlängst eingeräumt, die PSA würden schlechter laufen als erwartet. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, es sei aber nicht geplant, die PSA der Arbeitsämter nachzubessern. Zunächst müsse das System richtig anlaufen. Erst dann könne man sehen, ob Korrekturen notwendig seien.

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