Auch MAN strebt unentgeltliche Mehrarbeit an
Arbeitszeit-Streit ruft Kanzler auf den Plan

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat eindringlich an die Konzernspitze und den Betriebsrat von Daimler-Chrysler appelliert, ihren öffentlich ausgetragenen Streit über Einsparungen zu beenden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

HB BERLIN. „Wer in dieser Frage ideologische Gräben aushebt, verunsichert die Menschen und schadet der Volkswirtschaft“, sagte Schröder der „Financial Times Deutschland“ vom Freitag. „Ich rate dazu, diese Dinge in den Betrieben zu regeln und möglichst wenig darüber zu reden.“ Der Flächentarifvertrag biete genug Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitregelungen. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard lehnte eine allgemeine Verlängerung der Arbeitszeit ab. IG-Metall-Chef Jürgen Peters bekräftigte sein Nein zu längeren Arbeitszeiten. Nach Daimler-Chrysler und Opel kündigte auch der Maschinenbau- und Nutzfahrzeug-Konzern MAN Vorstöße für eine Erhöhung der Produktivität durch unentgeltliche Mehrarbeit an. Bei Daimler-Chrysler legten rund 2500 Arbeiter der Nachtschicht vorzeitig die Arbeit nieder.

Schröder sprach sich in mehreren Interviews erneut für flexiblere Arbeitszeiten in Unternehmen aus, damit diese auf Marktentwicklungen reagieren könnten. Er halte nichts von einer ideologischen Fixierung auf eine Wochenarbeitszeit von 35 oder 40 Stunden. „Das ist alles Verbandsgegacker“, sagte er dem Fernsehsender N24.

Der Streit über Arbeitszeiten in Deutschland hat sich verschärft, nachdem Daimler-Chrysler von den Arbeitnehmern Kostensenkungen von 500 Mill. € pro Jahr eingefordert hatte, die vor allem von den Standorten in Baden-Württemberg erbracht werden sollen. Das Unternehmen verlangt unter anderem die Streichung von Arbeitspausen. Wenn der Betriebsrat dies nicht ermöglicht, will die Firma die Produktion der neuen Mercedes-C-Klasse von 2007 an von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika verlagern. Inzwischen äußerte sich Firmenchef Jürgen Schrempp aber zuversichtlich, dass ein Kompromiss gefunden wird.

Der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrats der Regierung, Wiegard, sagte dem Deutschlandradio, es sei nicht sinnvoll, die Wochenarbeitszeit zwangsweise auszudehnen. Zwar könnten dann wegen höherer Produktivität die Preise gesenkt werden. Es sei nicht sicher, dass damit Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

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