Auch Stoiber weist Bericht zurück
Seehofer: Habe Stoiber nicht erpresst

CSU-Chef Edmund Stoiber sei im Oktober 2005 von seinem Stellvertreter Horst Seehofer erpresst worden, heißt es in einem Medienbericht. „Üble Brunnenvergiftung“, kommentiert Stoiber, und Seehofer nannte die Vorwürfe „bösartige Lügen der Wohnzimmer-Analysten“.

HB BERLIN. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ hatte unter Berufung auf CSU-Vorstände berichtet, Seehofer habe im Oktober 2005 mit Austritt und der Gründung einer eigenen Partei gedroht, falls man ihm nicht ein Ministeramt gebe. Stoiber erklärte, er sei während der Regierungsbildung in Berlin von niemandem unter Druck gesetzt werden. „Diese permanenten anonymen Falschmeldungen und Verdächtigungen sind in jüngster Zeit zu einem Krebsgeschwür der CSU geworden. So etwas gefährdet auf Dauer den Mythos CSU“, wetterte Stoiber. Wer Seehofer so etwas unterstelle „um eines billigen Vorteils willen, tut keinem der Bewerber einen Gefallen“. Da werde er „als fairer Schiedsrichter nicht auf Dauer unbeteiligt zuschauen.“

Stoiber will im September aus dem Amt scheiden. Um seine Nachfolge zeichnet sich eine Kampfkandidatur zwischen Seehofer und dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber ab. Seehofer sagte dem „Focus“, die Behauptung, er habe Stoiber erpresst, sei „Lichtjahre von der Wahrheit entfernt“. Stoiber hatte die Berufung Seehofers dem Bericht zufolge Vertrauten gegenüber damit begründet, dieser würde „außerhalb der CSU mehr Schaden anrichten, als wenn wir ihn einbinden“.

In der „Welt am Sonntag“ bezeichnete es Seehofer als Fehler, dass Stoiber zum Rückzug von seinen Ämtern als Ministerpräsident und CSU-Chef gedrängt wurde. „Aber es ist passiert, und jetzt müssen wir die überragende Kompetenz von Edmund Stoiber nutzen“, sagte er. Sollte er gegen seinen Konkurrenten Huber gewinnen, wolle er Stoiber einbinden. „Ich begrüße sehr, dass er sich nicht zurückzieht. Wir werden ihn noch sehr brauchen“, sagte Seehofer. Stoiber sei nicht nur für bestimmte Wählergruppen wie die nationalkonservativen Wähler eine wichtige Identifikationsfigur. Seehofer äußerte der Zeitung zufolge Verständnis dafür, dass Berichte über sein Privatleben in der Partei für Diskussionen sorgen. „Ich habe dabei auch für die eine oder andere kritische Stimme Verständnis“, sagte der Minister. Aus Begegnungen, Briefen oder Telefonaten ziehe er aber den Schluss, dass dies seine Chancen auf den CSU-Vorsitz nicht schmälere.

Wirtschaftsminister Michael Glos erklärte in einem Interview mit dem „Spiegel“, Seehofer habe ohne Zweifel das notwendige Format für eine Kandidatur. „Meine Parteibasis lässt mich allerdings spüren, dass sie gegenwärtig den CSU-Einfluss im Bund nicht gefährdet sieht“. Hingegen wolle die Basis die Macht in den Kommunen und im Landtag gesichert wissen. „Da hat es ein Bundespolitiker naturgemäß etwas schwerer.“

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