Auf Bewährung
Ex-Terroristin Mohnhaupt freigelassen

Das ehemalige RAF-Mitglied Brigitte Mohnhaupt ist frei. Sie sei in der Nacht auf Sonntag nach 24 Jahren aus dem Gefängnis im bayerischen Aichach entlassen worden, sagte Anstaltsleiter Wolfgang Deuschl. Zum künftigen Wohnort Mohnhaupts wollte Deuschl keine Angaben machen – widersprach aber im Interview einem Medienbericht über einen angeblichen Aufenthaltsort.

HB AICHACH. Nach mehr als 24 Jahren im Gefängnis ist die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt am Sonntag aus der Haft entlassen worden. Sie verließ die Justizvollzugsanstalt im bayerisch-schwäbischen Aichach am frühen Morgen und wurde dort von Bekannten abgeholt, bestätigte Anstaltsleiter Wolfgang Deuschl. Mohnhaupt war wegen ihrer maßgeblichen Beteiligung an mehreren RAF-Mordanschlägen im Terrorjahr 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart entschied jedoch im Februar, dass die 57-Jährige nach Verbüßung der Mindesthaftdauer auf Bewährung frei kommt. Damit sind noch drei ehemalige Angehörige der Rote Armee Fraktion (RAF) weiter inhaftiert.

Ursprünglich war Dienstag (27.3.) als Mohnhaupts offizieller Entlassungstermin vorgesehen, nach dem Gesetz sind Abweichungen um bis zu zwei Tage früher oder später aber möglich. Mohnhaupt sagte unmittelbar nach ihrer Entlassung, dass sie in Ruhe gelassen werden wolle. JVA-Leiter Deuschl widersprach einem Medienbericht, wonach sie künftig in Karlsruhe leben und arbeiten wolle: „Das wäre mir neu.“ Der „Focus“ hatte berichtet, Mohnhaupt könne in der badischen Metropole einen Job bei einem Autozulieferer-Betrieb annehmen, der dem Sohn einer Freundin gehöre. Angaben zu ihrem tatsächlichen künftigen Aufenthaltsort wollte Deuschl nicht machen.

Das Oberlandesgericht hatte entschieden, „dass unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit die Aussetzung zur Bewährung verantwortet werden kann“. Die Bewährungsfrist beträgt fünf Jahre. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine „fortdauernde Gefährlichkeit der Verurteilten“. Dies hatten zuvor bereits die Bundesanwaltschaft und psychiatrische Gutachter festgestellt und eine Freilassung Mohnhaupts befürwortet.

Die 57-Jährige gehörte von 1977 bis zu ihrer Festnahme 1982 zur Führungsebene der RAF, zu der sie bereits 1970 gestoßen war. Mohnhaupt gilt als Rädelsführerin der Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977. Sie war im gleichen Jahr auch am Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und an der missglückten Entführung des Bankiers Jürgen Ponto beteiligt, auf den sie die tödlichen Schüsse abgab. Nach ihrer Festnahme wurde sie 1985 zu fünf Mal lebenslang plus 15 Jahre Freiheitsstrafe verurteilt. Von ihren 24 Haftjahren verbrachte Mohnhaupt 22 im Frauengefängnis in Aichach.

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