Auf dem Landesparteitag im Saarland
Oskar und "Münte"

Line extension“ nennen die Leute vom Marketing den Versuch, das Profil einer Marke mit immer neuen Angeboten zu strecken. Bei Nivea ist das gut gegangen, bei der SPD eher nicht. Da ist etwas zerrissen zwischen neuer Mitte und Agenda 2010, zwischen der Partei und ihren Wählern, aber auch in der Sozialdemokratie selbst, zwischen Bexbach und Berlin.

BEXBACH. Franz Müntefering hat einen langen, schweren Gang vor sich, als er in die ehemalige Fabrikhalle am Rande des saarländischen Bergbaustädtchens geht. Vor wenigen Jahren wurden hier einmal Autowaschanlagen gebaut, dann ging das Geld aus, und die Maschinen verschwanden. Jetzt tagt hier der Landesparteitag der Saar-SPD. Bei der Europa-Wahl hat die Partei im Saarland immerhin gut 30 Prozent geholt, es gibt Wahlkreise, da fuhr man über 50 Prozent ein. Die SPD im äußersten Südwesten, sie ist noch ziemlich lebendig. Sie lässt sich nicht alles bieten. Und sie hat Oskar Lafontaine.

Es ist kurz nach Mittag, der Parteivorsitzende ist etwas spät. Weit geht das Tor zur Halle auf, höflich ist der Beifall der Delegierten, dann folgen 50 lange Meter hin zur Bühne. Franz Müntefering setzt ein Lächeln auf, das bei Kleinkindern einen spontanen Heulkrampf auslösen würde, so gefährlich nahe ist es einer Grimasse. Er wird es bis zu dem Augenblick aufgesetzt halten, an dem er den Mann da oben auf der Bühne begrüßt. Dann drückt er Lafontaine die Hand, zweieinhalb Sekunden lang, fast eine Ewigkeit.

Zwei Männer, zwei Figuren – lange haben sie gemeinsam gekämpft, dann ist der eine Hals über Kopf geflohen. Seither hat man nur noch übereinander geredet. Nun also der Händedruck von Bexbach, von Grinsen beiderseits begleitet. Die Delegierten jubeln, als wollten sie, dass dieser Augenblick ewig verweile. Doch Lafontaine sitzt so schnell, wie er aufgestanden ist. Man wird sich an diesem Tag keines Blickes mehr würdigen. Eine echte Annäherung sieht anders aus.

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