Aufklärung gefordert
CDU-Schatzmeister hortete Geld in Steueroase

Als NRW-Finanzminister machte Helmut Linssen den Weg frei für den Ankauf von Steuer-Daten. Jetzt kommt heraus, dass auch er auf einer der CDs auftaucht. Der heutige CDU-Schatzmeister parkte demnach Geld auf den Bahamas.
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BerlinHelmut Linssen hatte in seiner Zeit als Finanzminister von Nordrhein-Westfalen (2005 bis 2010) eine klare Haltung zu Steuersündern. Er selbst war es, der im Jahr 2010 grünes Licht für den Ankauf von Steuersünder-CDs gegeben hat. „Der Staat ist geradezu verpflichtet, jedem Verdacht auf Steuerhinterziehung nachzugehen“, sagte der Christdemokrat und heutige Schatzmeister der Bundes-CDU damals. Alles andere sei Strafvereitelung im Amt. Und er stieß die unmissverständliche Drohung aus: „Wer Steuern verkürzt, schadet dem Allgemeinwohl. Es handelt sich nicht um ein Kavaliersdelikt.“

Vier Jahre später sieht die Welt anders aus für Linssen. Denn er selbst hat jahrelang Geld in einer Briefkastenfirma in Mittelamerika verborgen. Die Daten von Linssens Konto, bei dem laut Recherchen des Magazins „Stern“ auch seine Frau und seine Tochter zeichnungsberechtigt waren, fanden sich auf der CD mit Daten der HSBC Trinkaus & Burkhardt International S.A., die das Land Nordrhein-Westfalen 2010 unter dem damaligen Finanzminister 2010 kaufte.

Der Deal mit dem Datendieb war im Oktober 2011 öffentlich bekannt geworden. Verantwortlich für den Ankauf war Norbert Walter-Borjans (SPD), Linssens Nachfolger als Finanzminister in NRW.

Die Auswertung der Datensätze förderte brisante Details zu Tage. Im August 1997 zahlte Linssen demnach insgesamt 829.322 D-Mark bei der Bank HSBC Trinkaus &´Burkhardt International S.A. in Luxemburg ein. Mithilfe der Bank packte er das Geld zuerst auf einen Trust mit dem Namen „Longdown Properties Corp.“, der auf den Bahamas registriert war. 2001 wurde die Briefkastenfirma auf den Bahamas geschlossen und in Panama wieder eröffnet.

Linssen schloss sein Trinkaus-Konto dem Bericht zufolge am 29.12.2004. Wenige Monate später wurde er Mitglied im Kompetenzteam von Jürgen Rüttgers, des CDU-Spitzenkandidaten im Landtagswahlkampf. Die letzte Auszahlung, die Linssen in Luxemburg bar entgegen nahm, betrug 141.113 Euro, wie das Hamburger Magazin weiter berichtet. Anschließend wurde der Trust in Panama geschlossen.

Linssen stellte sich zunächst unwissend, als er vom „Stern“ auf die Briefkastenfirma und sein Konto in Luxemburg angesprochen wurde. „Ich weiß nicht, wovon Sie reden“, zitiert das Magazin den CDU-Politiker. Als der „Stern“ dann jene 829.322 Mark auf dem Konto in Luxemburg erwähnte, erwiderte Linssen: „Oh Gott. Oh Gott, oh Gott. In grauer Vorzeit. Tja.“

Gegen Linssen lief auch ein Strafverfahren. Das wurde aber 2012 eingestellt. Linssen musste aufgrund der Verjährungsfrist nur seine Zinserträge für die Jahre 2001 bis 2005 nachweisen. In dieser Zeit hatte er mit seinem Geld im Ausland jedoch keinen Gewinn gemacht. „Ich bin aus dem Verfahren makellos rausgekommen“, sagte Helmut Linssen.

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  • Schafft die Steuerwüsten ab, dann gibts auch keine Steueroasen mehr. Es ist ein Treppenwitz, dass aufgrund der schwierigen Gesetze, Verordnungen etc. jedermann einen Steuerberater braucht, um nicht aus Versehen irgendetwas falsch zu machen, gleichzeitig aber die Kosten für diesen zwingend nötigen Berater steuerlich irrelevant sind. Dass sich die sog Elite nicht an die selbst gezimmerten Gesetze hält, ist das Sdahnehäubchen auf dieser Chose.

  • 1997 betrug die Erbschaftssteuer für zugegebene 832ooo DM - abzüglich des Freibetrages für erbende Kinder (Erb-Steuerklasse 1) von 400ooo DM genau 15 Prozent.
    15 Prozent von 432ooo DM sind 64.8oo DM.
    Nach Verjährung hat man somit 64.800 DM Steuern "gespart" und ist straffrei.

    Lerne:
    Wer rechtzeitig eine richtige Steuererklärung einreicht, ist selbst schuld!

  • Gesetze gelten für Alle, außer für Politiker. Dort heißt es: raffe, raffe, Hand aufhalten.

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