Aufruf zum Kauf deutscher Produkte
Künast verärgert die Wirtschaft

Der Aufruf von Verbraucherministerin Renate Künast zum Kauf deutscher Produkte hat einen massiven Streit mit der Wirtschaft ausgelöst. Verbandsvertreter bezeichneten die Idee der Grünen-Politikerin als "Bauernfängerei" und warnten vor dem Gebrauch "nationalistischer Argumente".

HB BERLIN. „Die deutsche Wirtschaft fordert die Ministerin auf, über die Konsequenzen ihrer nationalistischen Argumente noch einmal nachzudenken“, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Montag in Berlin. „Oder soll der Protektionismus jetzt Regierungspolitik werden?“, hieß es in einer BDI-Erklärung. Der Einzelhandelsverbandes HDE warf Künast billige Bauernfängerei vor und warnte: „Ein Boykott ausländischer Waren hier bei uns wäre sehr schädlich“.

Künast hatte zuvor die Bundesbürger zum Kauf deutscher Produkte aufgerufen. Die Grünen-Politikerin sieht dies als Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen: „Im übrigen kann jeder etwas für mehr für Beschäftigung in Deutschland tun und sich überlegen, wo Produkte hergestellt worden sind, die er kauft.“ Der deutschen Wirtschaft warf die Ministerin vor, nichts gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu unternehmen. „Bei den Unternehmen wachsen seit Jahren nur die Gewinne und die Managergehälter, für neue Jobs tun sie nichts“, kritisierte Künast.

Es gehe der Ministerin darum, dem Verbraucher klar zu machen, dass seine Kaufentscheidung das Leben anderer mit beeinflusse, argumentierte ihr Sprecher. „Diese hohen Standards (in Deutschland und Europa) haben ihren Preis“, sagte er. Wenn der Verbraucher dies nicht honoriere, habe das negative Auswirkungen. Künast betreibe eine aktive Verbraucherpolitik, die auch aktive Politik für den Standort Deutschland sei. Das sich der Einzelhandel offenbar nicht an einer solchen Politik beteilige, zeige, „dass bestimmte Verbandsvertreter nicht für Arbeitsplätze in Deutschland kämpfen wollen“, sagte er.

"Populistische Effekthascherei"

Die Wirtschaft reagierte mit Unverständnis. Die Ministerin trete mit ihren Äußerungen eine Diskussion los, die der stark exportlastigen deutschen Wirtschaft schaden könne, so der BDI weiter. „Denn was wäre die Konsequenz, wenn die Japaner und Amerikaner keine deutschen Autos mehr kauften und wenn andere Länder keine deutschen Maschinen mehr bestellten?“, fragte der Verband. Der Ruf nach nationalen Einkäufen sei völlig unsinnig und sei letztlich nur populistische Effekthascherei.

Ebenso sieht man es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr sagte der „Bild“-Zeitung: „Es ist viel wichtiger, dass überhaupt wieder gekauft wird. Denn: Auch wenn „Made in Germany' draufsteht, werden viele Produkte im Ausland vorgefertigt.“

Kritik kam auch vom wirtschaftspolitischen Sprecher der Unions-Fraktion, Ronald Pofalla. Der Boykottaufruf Künasts sei unterträglich und zutiefst unsozial, sagte er. „Gerade einkommensschwache Familien profitieren von preiswerten Importen und sind so überhaupt erst ind er Lage, bestimmte Produkte zu kaufen.“

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