Aufsichtsratsposten
Schröder stellt Vorgänger in den Schatten

Im Vergleich zu Gerhard Schröder haben seine Vorgänger weit weniger exponierte Tätigkeiten gewählt, nachdem sie aus dem Amt geschieden waren. Ob die übrigen Altkanzler finanziell genauso gut gestellt waren, bleibt ungewiss. Ein Vergleich ist aber immerhin möglich: Der mit Helmut Kohl.

HB BERLIN. Schröder (SPD) soll Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft für das deutsch-russische Projekt einer Ostsee-Gaspipeline werden; sein Jahressalär dafür soll sich nach unbestätigten Berichten auf eine Million Dollar belaufen. Außerdem hat Schröder bereits einen Beraterposten für den Schweizer Ringier-Verlag übernommen.

In der Politik melden sich immer mehr Stimmen zu Wort, die Schröder wegen seiner neuen Tätigkeit scharf kritisieren. Vertreter aller Parteien fordern als Konsequenz aus dem Wechsel Schröders strikte Beschränkungen für ehemalige Politiker und Spitzenbeamte. Denn sollten sich die Gerüchte um sein künftiges Gehalt bewahrheiten, wäre Schröder der bestbezahlte Chefkontrolleur in Europa. Er ist jedoch nicht der erste Kanzler, der sich nach seiner Amtszeit lukrative Jobs in der Wirtschaft sicherte:

Helmut Kohl, Schröders Vorgänger, der von 1982 bis 1998 amtierte, war zwischen Frühjahr 1999 und Anfang 2002 Berater des inzwischen insolventen Medienunternehmens Leo Kirch. Laut „Spiegel“ hat der CDU-Politiker dafür jährlich 600 000 Mark (rund 300 000 Euro) erhalten. Die Beschäftigung stieß auf Kritik, da die beiden Männer schon während Kohls Amtszeit gute Kontakte gepflegt hatten. Als Berater der Schweizer Großbank Crédit Suisse soll Kohl rund 100 000 Schweizer Franken (rund 69 000 Euro) im Jahr verdient haben.

Helmut Schmidt (1974-1982, SPD) wurde im Mai 1983 Mitherausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“. Von 1985 bis 1989 gehörte er außerdem der Geschäftsführung an. Der im In- und Ausland gefragte „Elder Statesman“ verdient sein Geld zudem als Redner und Buchautor.

Willy Brandt (1969-1974, SPD) nutzte sein Ansehen, um weiterhin eine Rolle auf der weltpolitischen Bühne zu spielen. Von 1976 bis 1992 setzte er sich als Präsident der Sozialistischen Internationale für die weltweite Verwirklichung von Demokratie und eine friedliche Lösung von Konflikten ein. 1977 übernahm er außerdem den Vorsitz der neu gegründeten Nord-Süd-Kommission, die sich mit dem Verhältnis zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern beschäftigte.

Erhard beriet amerikanischen Lebensmittel-Konzern

Kurt Georg Kiesinger (1966-1969, CDU) verzichtete auf eine zweite Karriere und schrieb seine Memoiren. Er blieb bis 1980 Mitglied des Bundestages, zog sich aber mehr und mehr aus der Politik zurück.

Ludwig Erhard (1963-1966, CDU) beriet von 1967 bis 1969 den amerikanischen Lebensmittel-Konzern Bauer International Corporation. Zudem saß er im Aufsichtsrat zweier Tochterfirmen. Im Jahr 1969 war er Teilhaber, Aufsichtsratsvorsitzender und Berater der Argenta Internationale Anlagegesellschaft mbH in München.

Konrad Adenauer (1949-1963, CDU) wurde im Alter von 87 Jahren als Bundeskanzler abgelöst. Seine letzten vier Lebensjahre verbrachte er damit, seine Memoiren zu schreiben. Die Resonanz beim Publikum konnte er nicht mehr erleben.

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