Aufsichtsratsvorsitz
Schröder wäre Top-Verdiener in Europa

Keiner weiß, ob es wirklich eine Million Dollar im Jahr sind, die Gerhard Schröder für den Aufsichtsratsvorsitz der Ostsee-Pipeline-Gesellschaft bekommt. Doch wenn es so ist, dann wäre Schröder der bestbezahlte Chefkontrolleur in Europa. Die Kritik an Schröder wird immer lauter.

HB BERLIN/MOSKAU. Michael Kramarsch, Managing Director Deutschland bei der renommierten Unternehmensberatung Towers Perrin, sagte Handelsblatt.com: „Sollte die Summe zutreffen, dann würde sie die Spitze in Europa darstellen. Ein Vorstandsvorsitzender, der ein solches Jahreseinkommen erzielt, würde angemessen bezahlt. Bei einem Aufsichtsratsvorsitzenden, der eine reine Kontrolltätigkeit ausführt, wäre es sehr, sehr viel".

Towers Perrin hatte am Montag einen Vergleich der Bezüge von Aufsichtsräten von Dax-Unternehmen veröffentlicht. Danach bekommt der Spitzenreiter unter den Aufsichtsratsvorsitzenden, Henkel-Chefkontrolleur Albrecht Woeste, in diesem Jahr 360 800 Euro. Zweitplatzierter ist Ulrich Hartmann, der dem Aufsichtsrat des Versorgers Eon vorsitzt. Er kommt auf 354 000 Euro Jahressalär.

 Was die Dax-Aufsichtsräte verdienen. Die komplette Rangliste.

Im Durchschnitt erhalten die Aufsichtsratschefs der Dax-Konzerne für ihre Kontrolleurstätigkeit in diesem Jahr nach Erkenntnissen von Towers Perrin 198 930 Euro. Der am schlechtesten bezahlte Aufsichsratschef ist Henri Filho, der dem Gremium des Sportartikelsherstellers Adidas vorsitzt. Er muss sich mit 42 000 Euro begnügen.

Aus den Reihen der Union meldeten sich am Montag immer neue Stimmen zu Wort, die Schröder wegen seiner Tätigkeit für die Bau- und Betreibergesellschaft der Erdgaspipeline von Russland durch die Ostsee nach Mecklenburg-Vorpommern scharf kritisierten. Schröder hatte sich gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin besonders um das Projekt bemüht, dessen Hauptbetreiber der russische Gaskonzern Gasprom ist. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: „Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein deutscher Regierungschef so schnell und so instinktlos mit einem nahe liegenden Anschein umgeht, dass hier ein Zusammenhang bestehen könnte zwischen politischem Engagement und eigenen wirtschaftlichen Interessen“. Lammert sagte, er sei konsterniert und betroffen.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf Schröder vor, mit seinem Einstieg in das Unternehmen „erheblichen Schaden“ anzurichten. „Noch vor Monaten hat er sich als Kanzler für das Pipeline-Projekt stark gemacht - jetzt kassiert er von denen, die von seinem Einsatz profitiert haben. Pofalla sagte weiter: „Schröder geht es nicht um Gas - es geht ihm um Kohle!“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zog es am Montag vor, sich nicht in die Debatte einzumischen. Über einen Regierungssprecher ließ Merkel ausrichten, sie habe „ein gewisses Verständnis für die aufgeworfenen Fragen“. Sie verfolge die öffentliche Debatte. Doch sei dies nicht als „Missbilligung“ zu verstehen. Merkel habe „keine weitere Bewertung“ abgegeben.

SPD-Chef Matthias Platzeck nahm den früheren Bundeskanzler in Schutz. „Gerhard Schröder hat in seiner Arbeit als Bundeskanzler sehr viel für die Vertretung deutscher Interessen im internationalen Raum getan. Ich bin mir sicher, dass er das auch in dieser Funktion weiterhin tun wird.“ Er wandte sich gegen Vermutungen, Schröder habe sich in seinem Handeln als Kanzler von geplanten Tätigkeit im Konsortium leiten lassen. Die Pipeline sei lange vor der Entscheidung für die Neuwahl und von Unternehmen, nicht staatlichen Stellen, geplant worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%