„Aufstiegsfortbildungsgesetz“
Bundesregierung will Meister-Bafög ausbauen

Die Bundesregierung will das Meister-Bafög kräftig ausbauen und für neue Berufe öffnen. „So sollen deutlich mehr erfolgreiche Berufstätige zum Aufstieg durch Bildung ermuntert werden“, sagt der parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Andreas Storm (CDU), dem Handelsblatt.

BERLIN. Bislang werden rund 136 000 Menschen bei einer Weiterqualifizierung gefördert – ab dem Jahr 2009 könnten es bis zu 50 Prozent mehr werden, sagt der SPD Bildungspolitiker Jörg Tauss. Besonders erfreulich sei, „dass das Meister-Bafög für die Sozialberufe geöffnet wird“. Künftig soll auch die Ausbildung zur Erzieherin und zum Altenpfleger als Fortbildung gefördert werden, heißt es in dem Konzept zur Novelle, das dem Handelsblatt vorliegt. Beide Berufe können heute zumindest Hauptschüler in der Regel erst nach einer ersten Ausbildung oder entsprechender Praxis erlernen.

Der Ausbau des Meister-Bafög ist ein Kernelement der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die in Deutschland unterbelichtete Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems zu machen. So hofft die Bundesregierung, den Nachwuchs für Fach- und Führungskräfte sowie für Existenzgründer für die Zukunft sichern zu können.

Das „Aufstiegsfortbildungsgesetz“ (AFBG), im Volksmund Meister-Bafög genannt, wurde 1997 eingeführt, um Erwerbstätige nach einer ersten Ausbildung bei der Fortbildung zu unterstützen. Wer einen höheren beruflichen Abschluss wie einen Meister oder staatlich geprüften Techniker, Informatiker, Betriebswirt oder ähnliches machen will, kann als Alleinstehender monatlich bis zu 614 Euro Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten. Rund ein Drittel davon ist Zuschuss, der Rest Darlehen. Für Eltern und Verheiratete sind die Sätze höher. Zuschüsse und Kredite gibt es auch für die Kosten der Kurse selbst sowie für das Meisterstück.

Die Reform, die bereits mit den Bildungspolitikern der Koalition vereinbart ist, soll zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten. Im ersten Jahr will das Bildungsministerium zusätzlich 50 Mill. Euro bereit stellen, die bis 2013 auf 80 Mill. Euro steigen. Die SPD wollte ursprünglich mit 100 Mill. zusätzlich starten, konnte dies aber nicht gegenüber den Unionsparteien durchsetzen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück habe die Zusatzausgabe allerdings noch nicht genehmigt, räumt Storm ein. Bisher stehen für das Meister-Bafög jährlich 125 Mill. Euro zur Verfügung. Es gebe „positive Signale“, dass die Länder, die 22 Prozent der Gesamtförderung finanzieren, die Erhöhung mittragen, sagt der Staatssekretär.

Um den Anreiz, eine Fortbildung zu wagen und sie dann auch durchzuhalten, zu stimulieren, will die Regierung eine Leistungskomponente einführen. Wer die Fortbildung abschließt, bekommt zur Belohnung ein Viertel des Restdarlehens erlassen. So soll die Abbrecherquote von 15 bis 20 Prozent reduziert werden.

Außerdem wird der Zuschuss zum Unterhalt von 44 auf 50 Prozent erhöht – analog zur jüngsten Erhöhung des Bafög für Studenten. Anders als bisher kann die Förderung auch in der Zeit zwischen Lehrgang und Prüfung oder für die Arbeit am Meisterstück beantragt werden. Ebenfalls erhöht werden die Kinderzuschüsse.

Wer sich anschließend selbstständig macht, dem soll ein größerer Anteil der Schulden als bisher erlassen werden. Zusätzlich soll auch die Einstellung von Azubis oder Arbeitnehmern mit Schuldenerlass honoriert werden. „So wollen wir Unternehmensgründungen und -übernahmen im Zuge des Generationenwechsels erleichtern“, sagt Storm.

Neu ist daneben, dass pro Person „eine“ und nicht mehr nur die „erste“ Aufstiegsfortbildung unterstützt wird. Bisher konnten vor allem Ältere, die sich früher einmal auf eigene Kosten fortgebildet hatten, keine Förderung mehr bekommen.

Daneben werden Migranten den Deutschen gleichgestellt: Auch Ausländer, die eine langfristige Aufenthaltsberechtigung haben oder schon lange in Deutschland leben, sollen das Recht auf Meister-Bafög auch dann haben, wenn sie vorher nicht gearbeitet haben.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%