Auftritt der „Hartz-IV-Rebellin“
Linke und Grüne gegen Hartz-IV-Sanktionen

Sind Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher gerechtfertigt - oder verletzen sie die Menschenwürde? Darüber berät der Petitionsausschuss. Im Bundestag zu Gast: die Hamburger „Hartz-IV-Rebellin“ Inge Hannemann.
  • 12

BerlinVor ihrem Auftritt im Bundestag bekommt die als „Hartz-IV-Rebellin“ bekanntgewordene Jobcenter-Mitarbeiterin Inge Hannemann Unterstützung von der Opposition. Hannemann will an diesem Montag (12.00 Uhr) vor dem Petitionsausschuss für die Abschaffung von Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose werben. Der Ausschuss berät dazu eine entsprechende Petition Hannemanns.

Finanzielle Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger, die nicht zu Terminen erscheinen oder Jobangebote ablehnen, verstoßen aus ihrer Sicht gegen die Menschenwürde. Mit dem Jobcenter Hamburg befindet sich Hannemann derzeit im Rechtsstreit. Vor dem Arbeitsgericht wehrt sie sich dagegen, dass sie suspendiert wurde, nachdem sie das „System Hartz IV“ öffentlich kritisiert hatte.

Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Beate Müller-Gemmeke, selbst Mitglied in dem Ausschuss, sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie hoffe, dass infolge der Anhörung die Probleme der Langzeitarbeitslosen in der Öffentlichkeit wieder mehr beachtet werden. „Ich glaube, dass Sanktionen nicht zielführend sind, weil nicht die Motivation vergrößert wird, sondern der Abstand vor allem junger Menschen zur Agentur für Arbeit.“ Stattdessen müsse verstärkt individuell geprüft werden, warum Betroffene ein Angebot ablehnten.

Die Linke hatte sich bereits früh mit Hannemann solidarisiert. Sie tritt für die sofortige Abschaffung von Sanktionen und Leistungseinschränkungen ein. Die Grünen hatten sich hingegen auf ein Moratorium verständigt: Solange Erwerbslose nicht mehr Rechte haben, sollten die Sanktionen ihrer Ansicht nach ausgesetzt werden.

Hannemann war im Jobcenter Hamburg-Altona in Teilzeit beschäftigt und dort zuständig für Jugendliche, deren Vermittlung als schwierig galt. In ihrem Internet-Blog wetterte sie, das „System Hartz IV“ mache krank. Wegen ihrer öffentlichen Attacken wurde sie vor knapp einem Jahr vom Dienst freigestellt. Von Bürgern wurde sie für den Deutschen Engagementpreis 2013 des Bundesfamilienministeriums nominiert. Kritiker werfen Hannemann indes übertriebene Selbstdarstellung vor.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Auftritt der „Hartz-IV-Rebellin“: Linke und Grüne gegen Hartz-IV-Sanktionen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es sind die Erben von Mao.

  • Sie kommen uns mit Leuten im Fernsehen, wo dann offensichtlich ist, dass sie nur wegen Drogen ihre Ausbildung abrechen. Und zum Feiern in die Großstadt umziehen. Das ganze nennen sie Schicksal.
    Ich kenne einen Arbeitslosen der sagte. "Früher haben sie uns nie geholt. Er ist ungefähr 40. Dann hat er sich eine Frau gesucht und 2 Kinder gemacht. Die ist dreißig, auch noch nie gearbeitet. Da haben andere schon 25 Jahre in die Kassen eingezahlt und gearbeitet gehabt und kaum vom Staat gelebt.

  • Mein lieber Mann, was hier für ein Zeug geschrieben wird, spottet jeder Beschreibung.
    Ich glaube keiner der Post‘s hier, weis was Harz4 für die Menschen bedeutet, die in dieser Scheiße leben müssen. In meinem Bekanntenkreis sind einige Harzer, und ich kann beim besten Willen nicht sehen wo die zum Ballermann fahren, oder sich in dem Sozialsystem eingerichtet haben.
    Wie hier argumentiert wird, ist der reine Zynismus. Wenn ein Harzer zum dritten Mal zum Bewerbungstraining muss, oder bei einer Maßnahme lernt, wie Mann korrekt einzukaufen hat. Wenn Harzer Tapezieren lernen, aber keinen Berufsanschluss danach haben, wenn Harzer nicht zum Termin erscheinen, weil ihnen die 4, 50€ für die Fahrkarte fehlen. Und dann solch einen Schwachsinn ablehnt, weil er keinen anderen Effekt hat, als die Statistiken zu füllen. Schon mal erfahren das fast jedem zweite Widerspruch stattgegeben wird, weil zu Unrecht sanktioniert wurde. Ich könnte noch eine ganze Menge mehr anfügen, aber dann komme ich in Rage.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%