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Auftritt geplatzt: US-Studenten boykottieren zu Guttenberg

Eigentlich hätte Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg an einem US-College eine Rede halten sollen. Doch eine Germanistikprofessorin initiierte dagegen eine Online-Petition – und die Studenten zogen mit.

Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Vortrag in der Schweiz. Quelle: dapd
Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Vortrag in der Schweiz. Quelle: dapd

Dartmouth/WashingtonSeine Plagiats-Vergangenheit holt Karl-Theodor zu Guttenberg auch in den USA ein: Am renommierten Darthmouth College wollte Guttenberg einen Vortrag halten, doch Studenten protestierten gegen die Gastvorlesung. Dieser sagte die Einladung des Wirtschaftsnetzwerks „International Business Council“ schließlich wieder ab, wie die Uni-Zeitung „The Darthmouth“ und die Tageszeitung „Die Welt“ berichteten.

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Guttenberg sollte an dem College im US-Bundesstaat New Hampshire am Dienstag eine Vorlesung über „transatlantische Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen“ halten. Wegen seiner wissenschaftlicher Verstöße unterzeichneten über 100 Studenten und Dozenten innerhalb von drei Tagen eine Online-Petition gegen den geplanten Vortrag.

Karl-Theodor zu Guttenberg Die Demontage eines Politstars

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Die Petition hatte die deutsche Professorin Veronika Füchtner initiiert. Sie kritisierte Guttenberg darin vor allem dafür, dass er seine zum Teil plagiierte Dissertation als „Fehler“ heruntergespielt habe. „Ich war schockiert“, sagt Füchtner. Vor allem die Tatsache, dass sich Guttenberg nie entschuldigt habe, sei sehr enttäuschend. Er gehöre als jemand, der so dreist im Bezug auf seine wissenschaftliche Arbeit gelogen habe, nicht in ein akademisches Umfeld. Der Protest zeigte Wirkung: Guttenberg verzichtete schließlich „aus persönlichen Gründen“ auf seinen Auftritt.

Bereits im November war es dem früheren Verteidigungsminister in den USA ähnlich ergangen. Bei einem Gastauftritt an der Elite-Universität Yale hatten zu Beginn des Vortrags mehrere Studenten demonstrativ den Saal verlassen.

Guttenberg war im Zuge der Plagiatsaffäre im März 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister zurückgetreten. Derzeit wohnt er in den USA und arbeitet unter anderem für das Center for Strategic & International Studies zum Thema transatlantische Zusammenarbeit. Außerdem berät er die EU-Kommission in Internetfragen.

  • 24.01.2013, 01:17 UhrDr.Germer

    Guttenberg wurde einer Straftat überführt und gehört nicht in akademische Kreise. Da hilft auch Ihre offensichtliche Relativierung seiner Straftat nicht.

  • 23.01.2013, 18:02 UhrTony2789

    Genialer Kommentar! 100% Zustimmung!

  • 23.01.2013, 16:37 Uhrabc

    Der Umgang mit Guttenberg zeugt von erbärmlicher Kleinkariertheit. Sein Vortrag hat keine Verbindung zu der Plagiatsaffäre. Zudem scheint diese ja den Charakter eines Kapitalverbrechens zu haben - Vergebung ausgeschlossen.
    Komisch ist jedoch, dass sich bei einem ehemaligen Steinewerfer, Polizistenschläger und Außenminister a.D. (der sich übrigens auch nie entschuldigte)kein "aufrechter Professor" entrüstet hat. Vielleicht liegt es ja daran, dass Guttenberg dummerweise kein Linker ist - und diese haben ja bekanntlicherweise seit jeher die Deutungshoheit über Fragen der Moral...!

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