Auftritt in Berlin
Wie „Speedy-Sarko“ Merkel bezirzt

Das ist wahre Liebe - Nicolas Sarkozy mischt sich für Angela Merkel kurzerhand in den deutschen Europawahlkampf ein. Als Podium dient ihm ein Treffen der Jungen Union und der französischen Partnerorganisation JP in Berlin. Das nutzt er auch, um einmal mehr die alte Grundlinie der deutsch-französischen Freundschaft hervorzuheben.

BERLIN. Es herrscht drückende Enge unter dem Dach des Sony-Center am Potsdamer Platz. Wo sonst Touristen flanieren, drücken sich Anhänger der Jungen Union und der Jugendorganisation der französischen UMP aneinander, um etwas sehen zu können. Dann wird der Einzug der Politik-Gladiatoren angekündigt. Rockmusik hämmert aus den Lautsprechern, die Stimme des Moderators bellt: „Uuuuuuund hier kommt eeeeeer – Nicolas Sarkozyyyy“. Dann ist im Gewühl langsam der französische Präsident zu erkennen. Jubel brandet auf.

Sarkozy als Star in Deutschland? Das mag schon immer seinem Selbstbild entsprochen haben. Aber als er jetzt am Sonntagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen vor der Tribüne winkender JU-Anhänger Platz nimmt, befindet sich selbst er auf einer ungewöhnlichen Mission. Carla Bruni ist doch zu Hause geblieben. Aber der Präsident schaltet sich kurzerhand in den deutschen Europawahlkampf ein, will für Stimmung auf einer CDU-Parteiveranstaltung sorgen. Eine Liebeserklärung für „Angelá“. Dass dies funktionieren kann, zeigen schon die selbst gemalten Schilder „Carla, je t’aime“ und „Oh lala, Nicolas“, die in die Höhe gestreckt werden. Im Gegensatz zur nüchternen deutschen Politikmaschine bildet „Speedy-Sarko“ den willkommenen Kontrast.

Also strahlen Angela Merkel und der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder um die Wette. Oben am 3D-Kino im Sony-Center prangt eine riesige Reklame für den Film „Monsters versus Aliens“. Aber unten auf der Bühne ist alles nur Harmonie. „Mit Ihnen gemeinsam wollen wir den EU-Beitritt der Türkei verhindern“, betont Mißfelder – und hat damit gleich eines der zentralen Themen der Union im Europawahlkampf gesetzt. Gemeinsam gegen die Türkei, gegen Spekulanten, für einen Staat, der der Wirtschaft Grenzen setzt – in ihren Reden stecken Merkel und Sarkozy schnell das gemeinsame Feld der Überzeugungen ab.

Doch der Reiz der JU-Veranstaltung liegt gar nicht in den Inhalten, sondern dass sie erneut die entscheidende Besonderheit dieses europäischen Führungspärchens offen legt – den Kontrast. Denn so sehr Merkel auch versucht, sich mit Blick auf die Wahl am 9. Juni langsam eine leicht schrille Wahlkampfstimme zuzulegen. Sie kann ihren nüchternen Redestil einfach nicht ablegen. Ein emotionaler Satz wie „Man muss den Krieg hassen“ (Sarkozy), würde ihr wohl kaum über die Lippen kommen. Und als sie sagt, es gehe darum, „500 Millionen Europäern eine Stimme zu geben“, denkt sie an Strukturen – und Sarkozy an sich selbst. Er nickt, fühlt sich angesprochen. Zum Applaus haut er zufrieden seine Hände in langsamen Schlägen zusammen, als wären sie Hammer und Amboss.

Die Kanzlerin ihrerseits strahlt wie ein kleines Mädchen, als Sarkozy sie wenig später lobt. Wenn Merkel die Interessen Deutschland verteidige, „dann….“ – Sarkozy macht eine Kunstpause und schlenkert mit dem Zeigefinger…. „….dann bewundere und respektiere ich sie“, fügt er hinzu und grinst schelmisch. Damit auch jeder die Absicht seiner sonntäglichen Deutschland-Visite versteht, hat er in der „Bild am Sonntag“ gleich noch ein Interview gegeben. Und natürlich die Kanzlerin über alle Maßen gelobt.

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