Auftritt in Düsseldorf: Erdogans große Show

Auftritt in Düsseldorf
Erdogans große Show

In Düsseldorf feierten gestern Tausende den türkischen Premier. Sein Auftritt zeigt, wie es in Deutschland um die Integration steht und wohin die Türkei künftig steuert. Hazirmiyiz - „Bereit“ für Erdogans Politik-Disko?
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DüsseldorfMit ohrenbetäubendem Lärm wummert der Bass aus der Lautsprecherwand neben der Bühne. Türkische Popmusik dröhnt durch den ISS Dome. Ansonsten erinnert die Arena im Norden Düsseldorfs an diesem Sonntagabend eher an einen Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas – nur dass statt roten Sternenbannern Tausende Halbmonde auf rotem Grund das Stadion in ein wogendes Fahnenmeer verwandeln.

Wo bin ich hier gelandet? Eigentlich wollte ich doch zu einer Rede des türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan. In der Arena herrscht jedoch Fußballatmosphäre: Vor dem Gejohle und dem gellenden Pfeifkonzert der Tausenden Schlachtenbummler muss selbst die Südkurve des HSV neidisch erblassen.

Ein Fußballspiel kann es aber nicht sein: Keine Bratwurst, kein Altbier, kein Alkohol werden weit und breit verkauft - dafür Sesamkringel, Pide und Hackfleisch-Börek. Ich frage nach, ob ich richtig bin, denn auf dem gigantischen Plakat über der Bühne steht nur kryptisch „Düsseldorf Bulusmasi“ – Düsseldorfer Treffen, wie ich mir versichern lasse.

Erdogans riesiges Konterfei auf dem Plakat überzeugt mich schließlich: Hier wird der türkische Premier am Abend eine wichtige Rede halten, bevor er am Montag mit Angela Merkel die Computermesse CeBIt in Hannover eröffnet. Die Türkei ist in diesem Jahr Partnerland.

Ich bin gekommen, weil ich Erdogan verstehen will. Ich will die vielen meiner Mitmenschen verstehen, die aus seinem Land stammen, und sich doch hier in Deutschland zu Hause fühlen. Ich bin integrationswillig.

Widerstand zwecklos – wir wollen nicht assimiliert werden

Doch es sieht so aus, als ob in Düsseldorf-Rath an diesem Sonntagabend ein Raumschiff gelandet ist: Planet Erdogan – Widerstand ist zwecklos, wir wollen nicht assimiliert werden. So hatte er es 2008 in seiner Rede in der Kölnarena gesagt. Drei Jahre später versagt die türkische Regierung an diesem Sonntagabend bei meiner Integration restlos. Sprachangebote gibt es keine: Remzi Meziroglu, der Moderator bei Kanal Avrupa, einem türkischen Satellitensender aus Duisburg, der für Erdogan den Anheizer spielt, spricht nur auf Türkisch. Keine der späteren Reden wird untertitelt oder übersetzt. Ich verstehe also nichts.

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  • Der Führer auf Truppenbesuch. Wie sagte Erdogan doch so schön in einer seiner Reden: Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.(Im April 1998 wurde Erdoğan vom Staatssicherheitsgericht Diyarbakır wegen Missbrauchs der Grundrechte und -freiheiten gemäß Artikel 14 der türkischen Verfassung nach Artikel 312/2 des damaligen türkischen Strafgesetzbuches Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot (!!!) verurteilt. Anlass war ebendiese zitierte Rede am 6.12.1997 bei einer Konferenz in der ostanatolischen Stadt Siirt.)

    Schön, dass er so deutlich ist. Wenn man später unsere Politiker und treudoofen Mitbürger fragt, warum sie (wie schon 1933) nichts gegen diese Machtübernahme getan haben, können sie nicht behaupten, sie hätten nichts gewusst. Wenn man etwas nicht wahrhaben will und Ohren und Augen davor verschliesst, verschwindet es deshalb noch lange nicht aus der Welt. Und Beutetiere in Angststarre, die sich nicht wehren und denken, alles geht schon irgendwie vorüber, werden gefressen.
    Noch ein paar pikante Zitate des deutschen Kolonialherren Erdogan:

    Gott sei Dank sind wir Anhänger der Scharia. (1994 in einem Interview mit der Zeitung Milliyet, zitiert in: Das System von Recep Tayip Erdogan, welt.de, 20. Juli 2007)

    Wir müssen die europäische Kultur mit der türkischen impfen. (Mit diesem Ausspruch eröffnete Erdogan die Euro-Türken-Konferenz zu der türkischstämmige Politiker geladen wurden, spiegel.de, Erdogan umgarnt deutsch-türkische Politiker)

    (Quellen: Wikipedia und wikiquotes, Google. Ich empfehle allen Interessierten ebenfalls, einmal bei pi-news punkt net vorbeizuschauen. Da gibts noch mehr interessante Infos.)

  • Dazu kann man eigentlich keinen Kommentar abgeben. Es ist nur immer schade, daß einige wenige - auch wenn es wie hier 10000 sind - alle anderen mit in Verruf bringen. So gesehen wurde hier mal wieder die Türkei in Verruf gebracht.

  • Erdogan steht es frei, in der Türkei Lebensbedingungen zu schafften, damit die Türken endlich in der Türkei bleiben oder zurückgehen. Warum leben diese türkischen nationalistischen Erdogan-Zujubler lieber in Deutschland als in der Türkei? Wir brauchen hier keinen türkischen Nationalismus!

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