Die Pauschalsteuer auf Zinsen und Dividenden galt als Notlösung gegen Schwarzgeld. Sie könnte bald abgeschafft werden. Aber führt das zu mehr Geld für den Staat und höheren Lasten für Reiche?

Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Gerechtigkeitsdebatte wird postfaktisch gefuehrt.

    "Kritiker monierten von Anfang an, die Pauschalsteuer von 25 Prozent führe dazu, dass Kapitalerträge gegenüber Arbeitseinkommen steuerlich besser dastehen. Denn Arbeitseinkünfte werden nach dem persönlichen Steuersatz von bis zu 42 Prozent und bei sehr hohen Einkommen von 45 Prozent besteuert."

    Ob Kapitalertraege gegenueber Arbeitseinkommen besser oder schlechter gestellt werden, haengt von der Inflationsrate ab. Durch Inflation wird das Kapital real entwertet. Ein Teil des Ertrags ist also nur Ausgleich dieser Entwertung des Kapitals und kein eigentliches Einkommen. Trotzdem wird der gesamte Ertrag zur Besteuerung herangezogen. Bei Inflationsraten, die ueber 73.6% des Zinssatzes liegen betraegt der Realsteuersatz sogar ueber 100% (KapESt.+Soli ohne Kirchensteuer).

    Eine Loesung in der die Realbesteuerung von Kapitalertraegen der von Arbeitseinkommen gleichgestellt wird ist aufgrund der individuellen Grenzsteuersaetze, der Schwierigkeiten bei der Festsellung der Kapitalbasis und der Unvorhersehbarkeit der Inflationsrate praktisch kaum machbar. Aber es ist zumindest klar, dass es auch aus Gerechtigkeitsgesichtspunkten gute Gruende fuer einen niedrigeren Steuersatz gibt (zumal wenn, wie im Artikel angesprochen, der Ertrag aus versteuertem Gewinn stammt).

  • @Tom Schmidt03.01.2017, 11:35 Uhr

    "Übrigens: die Frage ob man Strafzinsen in Zukunft bei der Einkommenssteuer angeben darf, ist viiiieeel interessanter!!! :-)"

    Das kann ich Ihnen ganz einfach beantworten:

    Darf man nicht, denn dann würde die Steuerlast reduziert. Das darf in diesem Land nicht sein. Die Steuerbelastung muß immer nach oben gehen, schließlich ist Eigentum böööööööööhse.

    "Steuerentlastungen" werden anderswo kompensiert.

  • @HBO

    Mein Kommentar von 03.01.2017, 10:06 Uhr enthielt keinerlei Links, Werbung etc:

    Dafür sinngemäß diesen Text:

    Das Begriff "Gerechtigkeit wird immer dann verwendet, wenn die Steuern/Abgaben wiedereinmal erhöht werden sollen, um unsere inflationär ausufernde Polit-Kaste zu alimentieren bzw. das Steuergeld (UNSER Geld!) mit vollen Händen zum Fenster hinauszuwerfen.

    Offensichtlich ist dieser Gedanke so gefährlich, daß er gelöscht werden muß.

  • @ Tom Schmidt "Praktisch niemand zahlt diese Steuer noch!"

    Bei mir wird es immer automatisch bei den Dividenden und Kursgewinnen abgezogen.

    Wie Sie sehr schön ausführten, entfallen für den Staat die Einnahmen aus Zinsen, weswegen die verbleibenden Kühe (Dividenden, Kursgewinne) noch mehr gemolken werden müssen....

  • Für dpa ein guter Artikel! Aber:

    Das ist genau die Steuer, die immer vergessen wird, wenn behauptet wird, dass der deutsche Staat Milliarden durch die Niedrigzinspolitik von Herrn Draghi spart und daher Deutschland unterm Strich profitiert!
    Real gesehen: es ist vollkommen egal, wie diese Steuer berechnet wird! (außer das man vielleicht wieder die Leute bei der Steuererklärung schikanieren kann, mit fehlenden Steuerbescheinigungen und Abrechnungen der Bank werden nicht aktzeptiert!)

    Praktisch niemand zahlt diese Steuer noch! Keine Zinsen heisst einfach keine Abgeltungssteuer. Der Freibetrag sichert dann diese Aussage auch noch ab! Ich glaub, der Freibetrag liegt so bei 800 Euro (pro Person). Wenn Sie Ihr Geld auf ein Sparbuch legen mit 0,1% Zins, dann müssen Sie 800.000 Euro haben (pro Person), damit Sie diese Grenze überhaupt erreichen!

    Das Thema hat also absolut keine Relevanz! Es wäre aber schön einen Artikel über das Aufkommen für den Bund über diese Steuer und den volksiwrtschaftlichen Schaden in Deutschland über diese fehlenden Zinsen zu lesen!

    Übrigens: die Frage ob man Strafzinsen in Zukunft bei der Einkommenssteuer angeben darf, ist viiiieeel interessanter!!! :-)

  • Die Pauschalsteuer auf Zinsen und Dividenden war weniger eine Notlösung gegen Schwarzgeld, sondern eine Vereinfachung vor allem für die Finanzämter z.L. der Banken. Millionen kleiner Sparer mußten keine Steuererklärung mehr abgeben, insbes. Rentner, die das sowieso nicht taten. Wenn jetzt wieder eine Individualsteuer eingeführt wird, werden wieder viele eine Steuererklärung abgeben müssen. Die Finanzämter wird es freuen. Je nach Gestaltung dieser Steuer bekommt der Staat mehr oder auch weniger Einnahmen. Bei Dividenden erfolgt schon eine Versteuerung beim Unternehmen, bei den Zinsen auf Unternehmensanleihen werden diese vom Unternehmen steuerlich abgesetzt. Ob eine Änderung wirklich Sinn macht, ist sehr fraglich.

  • KLÖCKNER-Der Staat zahlt-aber sicher nicht der Steuerzahler!

    „Guten Morgen - ein Tipp für die Frühaufsteher: Um 7.15 Uhr spreche
    ich im Live-Interview mit dem Deutschlandfunk über die
    Flüchtlingsfrage und wer für die Kosten aufkommt. Der Steuerzahler
    jedenfalls nicht - der Bund hat gut gewirtschaftet!"
    CDU-Vize Julia Klöckner auf Facebook

    Da fragt man sich, warum ständig die Staatseinnahmen durch Steuern erhöht werden müssen und trotzdem nie Geld "da ist"
    Willkommen im postfaktischen Zeitalter

  • @Michael Müller03.01.2017, 09:07 Uhr

    "Deutschland hat kein Einnahmenproblem, Deutschland hat ein Ausgabenproblem.!"

    Vollkommen richtig.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 
     

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Deutschland hat kein Einnahmenproblem, Deutschland hat ein Ausgabenproblem.!

    Die wirklich "Reichen" bringen Ihr Geld in Sicherheit. Es gibt genügend Länder dieser Erde, die keine Steueroasen sind, welche keine Steuern auf Dividenden erheben. Es ist eine einfache Rechnung was es kostet in Deutschland zu bleiben.

    Auch gibt es sehr viele Länder dieser Erde, die auch keine Erbschaftssteuer berechnen. Selbst das ursozialistische Russland berechnet keine Erbschaftssteuer. Von der Schweiz, Österreich, Portugal, Schweden, Türkei, Australien, ganz zu schweigen. Zudem wird in vielen Ländern nur eine deutlich geringere Erbschaftssteuer als in Deutschland berechnet wie beispielsweise Griechenland mit ca. 1% !!!

    Aber klar, in Deutschland muß dem Bürger noch mehr "abgeknöpft" werden. Er muss das ja alles finanzieren!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%