Ausbau der Videoüberwachung
Minister Schäuble is watching you

An Überwachungskameras in Bahnhöfen sind Reisende in Deutschland gewöhnt, doch wegen der Kofferbomben von Dortmund und Köln müssen sie sich darauf einstellen, dass bald selbst Nahverkehrszüge mit Videotechnik ausgestattet werden. Auch auf Autobahnen wird niemand mehr den Sicherheitsbehörden entkommen.

HB BERLIN/WIESBADEN. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Freitag in Berlin, nach den Funden von Kofferbomben in zwei Regionalzügen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen solle die Video-Überwachung in Bahnhöfen verstärkt und auf andere öffentliche Plätze ausgedehnt werden. Einbezogen werden solle auch der Nahverkehr. Zuvor hatten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wiesbaden bestätigt, dass hinter zwei gefundenen Sprengsätzen drei Wochen zuvor in Regionalzügen ein terroristischer Hintergrund zu suchen ist.

Schäuble forderte die Bundesbürger auf, die Fahndung nach zwei flüchtigen Tätern zu unterstützen, die durch das Bahn-Video in Köln erfasst wurden, bevor sie flüchteten. „Die beiden Sprengsätze waren sehr gefährlich. Wenn die Bomben gezündet hätten, hätte es sehr sehr viele Tote und Verletzte gegeben“, sagte Schäuble. Die Bahn habe ihre Sicherheitsmaßnahmen angepasst. „Ich bitte um Verständnis dafür, dass die Bundespolizei dazu in einigen Fällen auch Reisende ansprechen und ihr Gepäck kontrollieren wird.“

Schäuble meinte, jetzt komme es drauf an, die Sicherheitsmaßnahmen weiter zu verbessern. Nach der Sommerpause sollten schleunigst das Ergänzungsgesetz zur Terrorismusbekämpfung - unter anderem zur Verschärfung der Kontrollen an Flughäfen -, die Anti-Terror-Datei und die Nutzung der Lkw-Mautdaten für die Fahndung beschlossen werden. Klar sei die Einführung präventiver BKA-Befugnisse bei der Terrorismusbekämpfung.





» Bild für Bild: Die mutmaßlichen „Kofferbombenleger“ 





Eine Nutzung der Lkw-Mautdaten zu Fahndungszwecken war bei der Errichtung des Systems nicht vorgesehen worden. Sie widerspricht dem Grundsatz des Datenschutzes, Informationen nur zweckgebunden zu erheben. Eine Nutzung der Mautdaten hatte schon vor den Kofferbomben-Fällen der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) verlangt.

BKA-Experten hatten auf der Pressekonferenz Aufnahmen von Überwachungskameras im Kölner Hauptbahnhof vorgeführt. In verschiedenen Sequenzen sind die beiden verdächtigen jungen Männer auf einem Bahnsteig zu sehen, wo beide Regionalzüge am 31. Juli - dem Tattag - kurz hintereinander auf demselben Gleis gehalten hatten. Minutenlang sind die inzwischen bundesweit Gesuchten von vorn, von der Seite und von hinten zu sehen, mit Rollkoffern auf einer Treppe, auf dem Bahnsteig und auf dem Weg zum Zug. Nach Angaben von BKA-Chef Jörg Ziercke sollten die Kofferbomben in den fahrenden Zügen zeitgleich um 14.30 Uhr detonieren. Der Zündmechanismus sei auch ausgelöst worden, lediglich „handwerkliche Fehler“ hätten die Explosionen verhindert.

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