Ausbau von Erneuerbaren Energien
Gabriel in Sorge wegen „superschnellen“ Chinesen

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat davor gewarnt, dass Deutschland gegenüber China bei umweltfreundlichen Lösungen die Märkte der Zukunft verliert. Peking sei nicht nur beim Ausbau von Erneuerbaren Energien „superschnell“, so Gabriel bei seinem Besuch in Peking. Er sehe vor allem bei der Entwicklung neuer Technologien, dass China führende Industrienationen wie Deutschland überholen könnte.

PEKING. „Die Chinesen sind zum Beispiel sehr viel zuversichtlicher für den Einsatz von E-Autos als unsere Autohersteller“, kritisierte Gabriel die deutsche Autobranche. VW, Mercedes, BMW & Co müssten aufpassen, dass sie nicht auf die falsche Modellpolitik setzen. „Sonst stehen die mit ihren Vebrennungsmotoren in China bald vor verschlossenen Toren“, sagte Gabriel.

China gilt für die angeschlagene Autobranche als der rettende Zukunftsmarkt und wird voraussichtlich schon dieses Jahr die USA als größten Automarkt ablösen. Nach Schätzungen des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) haben im Mai im Reich der Mitte die Pkw-Neuzulassungen binnen Jahresfrist um 55 Prozent auf 728 300 Fahrzeuge zugelegt. In den USA, wo wie in Deutschland eine Verschrottungsprämie eingeführt werden soll, wurden im Mai mit 923 300 Stück ein Drittel weniger Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft als vor einem Jahr.

China hat seine Pkw-Verkäufe allerdings mit staatlichen Hilfen heftig angekurbelt. So wurde die Verkaufssteuer für Kleinfahrzeuge unter als 1,6 Litern Hubraum drastisch gesenkt. Peking setzt aber auch sonst auf umweltfreundliche Konzepte. Während in China eine Öko-Steuer für Sprit fressende Autos diskutiert werde, „ist das in Deutschland genau anders herum der Fall“, sagte Gabriel nach seinem Gespräch mit dem chinesischen Forschungsminister Wan Gang.

China setzte beim Blick voraus stark auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge, lobte der deutsche Umweltminister. Die Gefahr aus deutscher Sicht sei jedoch, dass diese umweltfreundlicheren Modelle bald nur von Herstellern aus China, Japan und Südkorea wirklich wettbewerbsfähig seien.

Der Volkswagen-Konzern hat jedoch mit dem chinesischen Unternehmen BYD, größter Batteriehersteller der Welt und inzwischen auch Autobauer, vor kurzem eine Zusammenarbeit vereinbart. BYD wird demnächst das E-Auto in China auf den Markt bringen, die Reichweite liegt momentan bei rund 400 Kilometern. Die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen spiele eine zunehmend wichtiger werdende Rolle, erklärt man inzwischen auch bei VW. Der deutsche Konzern ist in China mit zwei chinesischen Partnern bereits der größte Pkw-Hersteller.

Zu den Vorbereitungen für eine neue Vereinbarung zum globalen Klimaschutz forderte Gabriel in Peking mehr Anstrengungen von den USA. „An Peking werden die Verhandlungen nicht scheitern“, sagte der Minister in der chinesischen Hauptstadt. Die Ablehnung des bis 2012 gültigen Kyoto-Protokolls durch Washington sei dagegen nicht akzeptable. Im Dezember soll in Kopenhagen eine Kyoto-Nachfolgeregelung auf den Weg gebracht werden. Peking nehme bei den Vorgesprächen eine sehr viel „progressivere“ Haltung ein als andere Staaten ein, lobte Umweltminister Gabriel.

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