Ausbilder äußern sich erstmals
Verteidigungsminister ordnet Überprüfung der gesamten Bundeswehr an

Im Zusammenhang mit den Misshandlungsfällen bei der Bundeswehr hat Verteidigungsminister Struck die Überprüfung der Armee angeordnet. Beschuldigte Ausbilder rechtfertigten erstmals ihr Vorgehen.

HB BERLIN.

Nach dem Bekanntwerden von Misshandlungsfällen hat Verteidigungsminister Peter Struck eine Überprüfung der gesamten Bundeswehr angeordnet. Struck kündigte an, Verstöße unnachgiebig zu ahnden. «Ausbilder, die Untergebene misshandeln, haben in der Bundeswehr nichts zu suchen. Sie müssen ihren Rock ausziehen. Vorfälle wie bei den nachgestellten Geiselnahmen in Coesfeld werden unnachgiebig verfolgt», schreibt Struck «Bild am Sonntag».

Die Schwere des Fehlverhaltens in Coesfeld gebe Anlass zu größter Sorge, heißt es in dem Artikel. «Deshalb sind alle Teilstreitkräfte angewiesen, noch einmal die Ausbildung in ihrem Bereich zu durchleuchten. Jedem Verdacht wird nachgegangen», kündigte Struck an. Die Ausschreitungen der Ausbilder seien erschreckend. «Aber betroffen macht mich genauso, dass die Rekruten so lange geschwiegen haben«, so Struck. Ein solches Klima dürfe sich in der Bundeswehr nicht breit machen.

Unterdessen rechtfertigen Ausbilder der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne, gegen die die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt, ihr Vorgehen bei der Ausbildung junger Rekruten.

In der »Bild« nannte ein Unteroffizier die Vorwürfe »übertrieben«. Die meisten Ausbilder hätten nichts falsch gemacht. Allerdings sei es falsch gewesen, die Rekruten mit Stromstößen zu quälen. Er rechtfertigte die Misshandlungen mit dem Hinweis, unter den Rekruten seien viele Zeitsoldaten gewesen, von denen fast alle mit Auslandseinsätzen rechnen müssten. »Da kann es schnell mal passieren, dass man in Geiselhaft gerät«, so der Unteroffizier.

Ein weiterer beschuldigter Ausbilder gab im Nachrichtenmagazin «Focus» zu, dass jungen Soldaten während einer simulierten Geiselnahme die Augen mit Halstüchern verbunden und die Hände mit Kabelbindern zusammen geschnürt worden sein. «Es wurde aber immer gefragt, ob die Fesseln zu fest wären - sonst hätten wir sie gelockert», versicherte der Unteroffizier der Zeitschrift. Von Stromstößen habe er nichts gewusst.

Ein anderer Beschuldigter erhob schwere Vorwürfe gegen den Verteidigungsminister. «Ich bin enttäuscht von ihm, dass er vorschnell urteilt und die Ermittlungen nicht abwartet.»

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