Ausbildung im Ausland
Schavan will Pisa-Test für Lehrlinge

Bundesbildungsministerin Annette Schavan will einen Pisa-Test für Lehrlinge. Damit sollen nichtakademische Berufsausbildungen in Deutschland mit ähnlichen Ausbildungen in anderen Staaten an Hochschulen vergleichbar machen gemacht werden. Ziel ist unter anderem, dass auch Lehrlinge künftig verstärkt Teile der Ausbildung im Ausland absolvieren.

BERLIN. Das „Berufsbildungs-Pisa“ soll feststellen, „was jemand kann, und nicht, in welcher Institution und mit welcher Dauer ein Bildungsgang absolviert wurde“, sagte die CDU-Politikerin bei einer EU-Berufsbildungskonferenz in München. So will Schavan etwa Berufsausbildungen, die in Deutschland nicht akademisch erworben werden, mit ähnlichen Ausbildungen in anderen Staaten an Hochschulen vergleichbar machen – zum Beispiel bei Krankenschwestern oder Optikern.

Vorbild ist der internationale Pisa-Test der OECD, für den weltweit bereits zweimal 15-jährige Schüler getestet wurden. Dies hatte in Deutschland, das es lediglich ins Mittelfeld schaffte, immense Reformbemühungen der Kultusminister ausgelöst. Einen ähnlichen Schub wünscht sich Schavan für die Berufsbildung. Allerdings geht es ihr dabei vor allem um die internationale Positionierung des deutschen Modells der dualen Berufsausbildung, das europaweit „auf dem Vormarsch“ sei, sagte Schavan. Instrument für die gegenseitige Anerkennung soll ab 2009/10 das Leistungspunktesystem ECVET werden. Vorbild ist das bereits eingeführte neue Punktesystem der Hochschulen ECTS, das Leistungen der Studenten europaweit vergleichbar und somit anrechenbar macht.

Ziel ist unter anderem, dass auch Lehrlinge künftig verstärkt Teile der Ausbildung im Ausland absolvieren. Dies gilt als eine zentrale Herausforderung der Berufsausbildung. Ihre Zahl müsse verdoppelt werden, fordert Schavan. Derzeit absolviert nach Angaben des Ministeriums gerade mal ein bis zwei Prozent der Azubis einen Teil der Ausbildung im Ausland – daraus sollen bis 2015 drei bis vier Prozent werden.

Der Bildungsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, Hans-Peter Klös, unterstützt das geplante Berufsbildungs-Pisa: So könne man „herausfinden, ob wir mit der dualen Berufsausbildung tatsächlich so ein hohes Niveau erreichen, wie die Befürworter sagen, oder ob wir möglicherweise doch Probleme haben, die richtigen Kompetenzen zu vermitteln“.

Im Gegensatz zum föderalen Wirrwarr in der Schule gibt es in der Berufsbildung einheitliche nationale Rahmenlehrpläne und Abschlussprüfungen. „Wir wissen aber nicht, was die Auszubildenden in den allgemeinen Fähigkeiten wie Rechnen, Schreiben und Lesen während ihrer Ausbildung lernen“, sagt Professor Martin Baethge, Mitautor des ersten nationalen Bildungsberichtes. Gerade weil sich hier bei Pisa große Lücken bei den 15-Jährigen zeigten, sei es wichtig heraus zu finden, ob sie wenigstens während der Lehre „einen zusätzlichen Push in Allgemeinbildung erhalten“, argumentiert Baehtge, der für das Bundeswirtschaftsministerium bereits eine Machbarkeitsstudie für ein Berufsbildungs-Pisa erstellt hat. Wichtig sei vor allem der Vergleich zwischen praktischen und rein schulischen Ausbildungen, wie etwa von Krankenschwestern oder kaufmännische Assistenten.

Auch ein Regionalvergleich wäre zwar aufwändig, aber lohnend, meint Baehtge. Denn trotz einheitlicher Lehrpläne gebe es „leider Anlass zum Verdacht, dass das Niveau hier sehr unterschiedlich ist“. Denn die Berufsschulen, die den Ländern unterstehen, seien „sehr unterschiedlich organisiert und ausgestattet“.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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