Ausbildung Jeder dritte Lehrling macht im Schnitt vier Überstunden pro Woche

2016 blieben gut 40.000 Lehrstellen unbesetzt – jede vierte Lehre wird abgebrochen, vor allem in kleinen Betrieben. Der DGB meint, das liege vor allem an schlechter Ausbildung und zu niedrigen Löhnen.
Update: 31.08.2017 - 16:47 Uhr 1 Kommentar
Eine Ausbildung zur Fachkraft im Hotel- und Gaststättengewerbe kann für viele schnell zum Albtraum werden. Quelle: dpa
Ausbildung

Eine Ausbildung zur Fachkraft im Hotel- und Gaststättengewerbe kann für viele schnell zum Albtraum werden.

(Foto: dpa)

BerlinNach dem neuesten Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind  gut 70 Prozent der Azubis mit ihrer Lehre zufrieden. Probleme gebe es aber vor allem in kleineren Betrieben, die auch am lautesten über fehlende Bewerber klagen. Problembranchen sind danach Friseure,  Hotelfachleute, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, zahnmedizinische Angestellte und  Anlagenmechaniker. Der jährliche Report des DGB stützt sich auf die Befragung von gut 12.000 Lehrlingen in den 25 häufigsten Berufen.

Dass etwa bei Friseuren – wie auch bei den Köchen -  rund die Hälfte der Azubis die Ausbildung abbrechen, sei eine Folge der schlechten Bedingungen, sagte die Vize-Vorsitzende des DGB Elke Hannack  bei der Vorstellung. „Dort wo Qualität, Bedingungen und Vergütung stimmen, sind auch die Abbrecherquoten niedrig“. Bei Bank- und Industriekaufleuten zum Beispiel liegen diese lediglich bei vier bis sechs Prozent.

Der DGB sieht die Verantwortung allerdings nicht allein bei den Betrieben, sondern auch bei den Jugendlichen selbst: Sie müssten sich schon erkundigen, was etwa in einer Lehre in Hotels und Gaststätten auf sie zukomme, forderte  Hannack. Die meisten „wissen aber sehr genau, dass sie dort auch am Wochenende und abends arbeiten und nehmen das gern in Kauf, weil es für kommunikative Menschen ein Traumberuf sein kann, der auch Chancen im Ausland bietet“. Es könne aber nicht sein, „dass Lehrlinge als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, und das ist dort leider vielfach die Realität“.   

Der DIHK sieht das erwartungsgemäß weniger dramatisch: „In manchen Branchen gibt es Arbeitszeiten, die nicht für jedermann attraktiv sind“, sagt der Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. „Azubis müssen Spielregeln in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten erlernen, die einige zunächst als Belastung wahrnehmen, von der sie später im Arbeitsleben aber profitieren. Gerade das ist aber auch der Vorteil einer dualen Ausbildung im Unternehmen: das Lernen unter Echtzeitbedingungen.“

Als generelles Problem identifiziert der DGB die Überstunden: 36 Prozent der Azubis müssen regelmäßig Überstunden machen, und zwar im Schnitt gut vier Stunden pro Woche. 13 Prozent davon bekommen dafür weder Freizeitausgleich noch Bezahlung. Auch fast zwölf Prozent der minderjährigen Lehrlinge geben an, dass sie mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen, obwohl das verboten ist.

Jeder dritte Azubi hat keinerlei betrieblichen Ausbildungsplan, obwohl dieser gesetzlich vorgeschrieben ist. Jeder zehnte sagt, er müsse ‚immer‘ oder ‚häufig‘ ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben und die Ausbilder seien fast nie am Arbeitsplatz.  

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1 Kommentar zu "Ausbildung: Jeder dritte Lehrling macht im Schnitt vier Überstunden pro Woche"

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  • 4 Stunden mußte ich manchmal am Tag leisten. Das Duale System war der größte Mist, den ich in meinem beruflichen Leben mitmachen mußte.

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