Ausbildung Wenn der Chef zum Lehrer wird

Bei deutschen Unternehmen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Doch aus dem Fest wird Frust: Schulabgänger sind oft schlecht für die Ausbildung gerüstet. Also übernimmt der Meister immer häufiger den Job des Lehrers.
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Schon der Lehrer Lempke aus dem Klassiker "Max und Moritz" von Wilhelm Busch mahnte zum lebenslangen Lernen.

Schon der Lehrer Lempke aus dem Klassiker "Max und Moritz" von Wilhelm Busch mahnte zum lebenslangen Lernen.

Düsseldorf"Dramatisch wie nie." So beschreibt Verkaufsleiter Marco Smets die Situation im Betrieb. Drei Ausbildungsplätze zum Verkäufer, zwei zum Bäcker sind bei der Düsseldorfer Stadtbäckerei Westerhorstmann noch immer nicht besetzt. Dabei hat das Ausbildungsjahr bereits begonnen. Dass die Stellen noch offen sind, liegt nicht daran, dass die Bewerber zu schlecht gewesen wären. Der Mittelständler mit 20 Filialen und rund 160 Beschäftigten hat gar keine Bewerbungen bekommen.

Ein Trend, den Smets seit rund drei Jahren beobachtet. An den Anforderungen kann es nicht liegen, die hat das Unternehmen schon runtergeschraubt: „Für die Ausbildungen muss man nur den Willen und das Herz mitbringen.“ Auch wenn man als Bäcker beispielsweise Mathe brauche, der Betrieb würde die Azubis schon durch die Prüfungen bringen. Zum Beispiel mit Nachhilfe. Wenn doch nur jemand wollte.

Es nützt nichts. Es wollen zu wenige. Konkret heißt das: Von den insgesamt 480.500 freien Lehrstellen, die der Bundesagentur für Arbeit seit Oktober 2011 gemeldet wurden, waren Ende Juli noch knapp 143.000 unbesetzt. Und das hat vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Nicht nur die Bäcker sorgen sich um die zukünftigen Fachkräfte.

Lutz Goebel ist Präsident vom Verband „Die Familienunternehmer“ und Geschäftsführer von Henkelhausen. Mit den Problemen der Betriebe und mit Auszubildenden kennt er sich also aus. Bei Henkelhausen sind rund 15 Prozent der Belegschaft Azubis. „Wir haben die Quote der Auszubildenden erhöht, damit wir mehr Auswahl haben“, sagt Goebel. Denn auch er sieht den Facharbeitermangel auf die Wirtschaft zukommen. Auch bei Henkelhausen werden die Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz immer weniger. Und die, die sich bewerben, können weniger.

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19 Kommentare zu "Ausbildung: Wenn der Chef zum Lehrer wird"

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  • @ Rainer_J,
    weil das lebendige vermittel von trockenem Wissen eine Kunst, fast ein Begnadung ist, die selten gelehrt und vermittelt wird und noch seltener begriffen wird.

  • @ Horst1974,
    zusammengefasst hätten wir also den "Dr. Müllhandwerker"?

  • Beispiel was mir heute jemand erzählte
    Dem Bewerber für eine kaufm. Ausbildung wurde die Aufgbe gestellt:
    Sie haben hier einen Kuchen, der insgesamt 12 Stücke ergibt, ein Stück kostet 2 €.
    Wieviel kostet der ganze Kuchen?
    Der Bewerber war hoffnungslos überfordert
    Er hatte aber Realschul-Abschluß

  • mercatorschmidt
    kommt auch daher, dass sich Eltern um nichts mehr kümmern

  • susemichl
    Auch das timmt.
    Kommt daher, dass seit vielen Jahren ja der Jugendwahn bei uns in den Betreiben herrscht.
    Da sitzen dann oftmals 25jährige Emanzen in den Persoalabteilungen, haben selbst von nichts Ahnung aber ein Benehmen wir Graf Rotz
    Bei jugnen Männern ist es ncht anders.
    Beide glänzen durch eine enorme Überheblichkeit.
    In eine Personalabteilung gehört wider der gute Pewrsonalchef mit Lebenserfahrung, nicht unter 45

  • Und wo waren all diese Herrschaften die letzten 20 bis 30 Jahre?
    Dass die Schulen immer schlechter werden, ist doch schon länger. Warum haben diese Leute nie was gesagt?
    Warum stoppen sie nicht die neuesten Spinenreien der Grünen mit ihrer Einheitsschule?
    Selbst Abiturienten taugen doch nichts mehr. Wenn von da einer den Mund aufmacht, zieht es mir die Schuhe aus
    Wir waren mal das Land mit den besten Schulen, mit einer enorm qualifizierten Bildung. Dies wurde alles zerstört.
    Den letzten Todesstoß haben Rot-Grün mit ihrem dämlichen Bologna-Vertrag fabrizeirt und dem idiot. Bachelor.
    Deutschland ist bildungsmäßig fast auf Entwicklungsland-Niveau und das war ja wohl auch gewollt


  • Es gibt Firmen, die Bewerber als Individuum betrachten und sich entsprechend auf den Menschen und die Anforderungen im Beruf bzw. der Ausbildung einstellen. Solche Unternehmen ziehen sogar übliche Werbemaßnahmen zurück, da sie zu viele Bewerbungen - auch mit sehr guter Qualität - haben. Der Wert eines Menschen bemißt sich nicht immer danach, ob er einen standardisierten Test in einem bestimmten Zeitraum mit einem bestimmten Ergebnis erledigen kann. Fast alle Dienstleistungsbereiche haben andere Anforderungen - aber wie immer: es ist leichter über Menschen zu reden, als sich mit Ihnen zu beschäftigen.

    Unternehmen, die solche Tests als grundlegendes Kriterium für Einstellungen anwenden, sind nicht mehr wert als die Tests; insofern ist es folgerichtig, daß sie auch entsprechend weniger Bewerbungen haben. Schlußendlich findet sich am Ende des Weges jeder dort wieder, wo er sich vorher positioniert hat.

  • Am Anfang einer Vorlesung hat ein Mathe-Professor in zwei Doppelstunden die Mathematik der Klassen 5-13 erklärt und es war alles verständlich und gut dargestellt.

    Wieso brauchen Lehrer dafür 8 Jahre?

  • Das was susemichel beschreibt kann ich als ach so gesuchter MINT-Arbeiter auch voll bestätigen.
    Speziell der Zustand der Bewerbungsmappen (früher, macht man heute eher online), die ich bei den Erstbewerbungen nach dem Studium zurück erhielt war z.T. beinhart.
    So lange man es sich leisten kann z.T. so ein Volk in Personalabteilungen arbeiten zu lassen, gibt's entweder überhaupt keinen Mangel an Nachwuchs, oder die Firma ist schon so sehr auf dem absteigenden Ast, das dort ein völliges laisser-faire herrscht.

    Im Gegensatz zu soe16 habe ich allerdings immer allen Personalabteilungen von Firmen in spe sofort abgesagt, als klar wurde, daß die Reise woanders hingeht.
    Mann sollte nicht die letzten Vernünftigen Personaler/Firmen auch noch sauer fahren.

  • Wie bei allem, was der Staat organisiert und in die Hand nimmt, so ist es auch bei der Bildung. Hoher Aufwand, niedriger Ertrag. Extrem hohe Bildungskosten und schlechte Bildung, die oftmals an der Realität vorbei geht.

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