Ausbildung
Wenn der Chef zum Lehrer wird

Bei deutschen Unternehmen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Doch aus dem Fest wird Frust: Schulabgänger sind oft schlecht für die Ausbildung gerüstet. Also übernimmt der Meister immer häufiger den Job des Lehrers.
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Düsseldorf"Dramatisch wie nie." So beschreibt Verkaufsleiter Marco Smets die Situation im Betrieb. Drei Ausbildungsplätze zum Verkäufer, zwei zum Bäcker sind bei der Düsseldorfer Stadtbäckerei Westerhorstmann noch immer nicht besetzt. Dabei hat das Ausbildungsjahr bereits begonnen. Dass die Stellen noch offen sind, liegt nicht daran, dass die Bewerber zu schlecht gewesen wären. Der Mittelständler mit 20 Filialen und rund 160 Beschäftigten hat gar keine Bewerbungen bekommen.

Ein Trend, den Smets seit rund drei Jahren beobachtet. An den Anforderungen kann es nicht liegen, die hat das Unternehmen schon runtergeschraubt: „Für die Ausbildungen muss man nur den Willen und das Herz mitbringen.“ Auch wenn man als Bäcker beispielsweise Mathe brauche, der Betrieb würde die Azubis schon durch die Prüfungen bringen. Zum Beispiel mit Nachhilfe. Wenn doch nur jemand wollte.

Es nützt nichts. Es wollen zu wenige. Konkret heißt das: Von den insgesamt 480.500 freien Lehrstellen, die der Bundesagentur für Arbeit seit Oktober 2011 gemeldet wurden, waren Ende Juli noch knapp 143.000 unbesetzt. Und das hat vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Nicht nur die Bäcker sorgen sich um die zukünftigen Fachkräfte.

Lutz Goebel ist Präsident vom Verband „Die Familienunternehmer“ und Geschäftsführer von Henkelhausen. Mit den Problemen der Betriebe und mit Auszubildenden kennt er sich also aus. Bei Henkelhausen sind rund 15 Prozent der Belegschaft Azubis. „Wir haben die Quote der Auszubildenden erhöht, damit wir mehr Auswahl haben“, sagt Goebel. Denn auch er sieht den Facharbeitermangel auf die Wirtschaft zukommen. Auch bei Henkelhausen werden die Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz immer weniger. Und die, die sich bewerben, können weniger.

Kommentare zu " Ausbildung: Wenn der Chef zum Lehrer wird"

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  • @ Rainer_J,
    weil das lebendige vermittel von trockenem Wissen eine Kunst, fast ein Begnadung ist, die selten gelehrt und vermittelt wird und noch seltener begriffen wird.

  • @ Horst1974,
    zusammengefasst hätten wir also den "Dr. Müllhandwerker"?

  • Beispiel was mir heute jemand erzählte
    Dem Bewerber für eine kaufm. Ausbildung wurde die Aufgbe gestellt:
    Sie haben hier einen Kuchen, der insgesamt 12 Stücke ergibt, ein Stück kostet 2 €.
    Wieviel kostet der ganze Kuchen?
    Der Bewerber war hoffnungslos überfordert
    Er hatte aber Realschul-Abschluß

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