Ausbildung
Wirtschaft stellt weniger Azubis ein

Deutschlands Unternehmen bilden weniger aus. Im vergangenen Jahr wurden rund zwei Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen, im Osten geht die Zahl der Lehrstellen sogar um zehn Prozent zurück. Nach der Krise droht vielen Firmen ein Fachkräftemangel.

BERLIN. Trotz Ausbildungspakt und mehrheitlich noch gut laufenden Geschäften sind 2008 gut zwei Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als 2007. Damit fällt der Lehrstellenmarkt wieder unter das Niveau der Boom-Jahre 1999/2000, teilte das Statistische Bundesamt mit. In den 80er-Jahren wurden sogar allein in Westdeutschland deutlich mehr Lehrlinge ausgebildet als heute in der vereinigten Republik. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dessen Unternehmen die meisten Lehrlinge ausbilden, hat auch für 2009 einen weiteren deutlichen Rückgang von bis zu zehn Prozent angekündigt.

Parallel dazu wächst in der Wirtschaft die Sorge, dass spätestens nach Überwindung der aktuellen Krise der Fachkräftemangel zum Problem des Standorts werden wird – nicht nur im Bereich der Ingenieure und Naturwissenschaftler, sondern auch in den technischen Lehrberufen. Schon am Ende des vergangenen Aufschwungs beklagte die deutsche Wirtschaft 300 000 fehlende Facharbeiter.

Das Problem dürfte vor allem im Osten virulent werden. Während in Westdeutschland 2008 noch genauso viele Lehrlinge angeheuert wurden wie im Vorjahr, sank die Zahl in den neuen Ländern um mehr als zehn Prozent. Das lag vor allem daran, dass dort der Rückgang der Schülerzahlen mit minus zwölf Prozent wesentlich stärker ausfiel als im Westen. Angesichts dieser Entwicklung haben der Bund und die neuen Länder auch die Zahl der mit staatlichen Mitteln finanzierten zusätzlichen Ausbildungsplätze im Osten deutlich heruntergefahren.

Ungenutzt ist jedoch noch immer das große Reservoir der sogenannten Altbewerber. 2008 waren von den 620 000 Bewerbern um eine Lehrstelle mehr als die Hälfte – 320 000 – Altbewerber, die die Schule schon im Jahr zuvor oder noch früher beendet hatten. Um Arbeitgeber zu motivieren, zusätzlich Altbewerber als Azubis aufzunehmen, schuf der Bund im Herbst 2008 den Ausbildungsbonus. Hier bekommen Unternehmen zwischen 4 000 und 6 000 Euro, wenn sie Stellen für Altbewerber schaffen. Der Bonus wurde bisher 12 700 mal beantragt. Die Wirtschaft geht allerdings davon aus, dass ein Teil davon reiner Mitnahmeeffekt ist.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hatte zuletzt einen Rückgang der neuen Lehrverträge um nur 1,5 Prozent gemeldet. Dies bezieht sich jedoch auf das „Ausbildungsjahr“, das jeweils zum 30. September endet. In den neuen Zahlen sind nun die Verträge des gesamten Jahres enthalten.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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