Ausbildung
Zeitenwende am Lehrstellenmarkt

Der Ausbildungspakt wird zum wiederholten Male verlängert, wieder ohne Gewerkschaften. Dieses Mal stellt sich den Beteiligten aber eine komplett neue Aufgabe: Denn jetzt mangelt es an Bewerbern - statt an Stellen. Migranten und schwächere Schüler sollen nun die Lücke schließen.
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BERLIN. Der Ausbildungspakt geht in die dritte Runde: Der 2004 von der rot-grünen Bundesregierung mit der Wirtschaft geschlossene Pakt wird bis 2014 verlängert. Doch die Aufgabe ist eine völlig andere als in der Vergangenheit: "Die demografische Trendwende ist da: Nicht Stellen, sondern Bewerber sind knapp", beschrieb DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann die Zeitenwende am Ausbildungsmarkt. Allein seit 2007 ist die Zahl der Bewerber bei der Bundesagentur für Arbeit um gut ein Viertel gesunken, in Ostdeutschland hat sie sich sogar halbiert.

Deshalb wollen sich die Paktpartner künftig darum kümmern, vorhandene Potenziale besser auszuschöpfen - "sowohl bei leistungsschwachen wie auch leistungsstärkeren Jugendlichen", wie es in ihrer gemeinsamen Erklärung heißt. Vor allem Migranten könnten die Lücke füllen. Neu dabei als Paktpartner sind deshalb nicht nur die Kultusminister, sondern auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Maria Böhmer (CDU).

Neue Paktpartner: Kultusminister und die Integrationsbeauftragte des Bundes

Während von den Kindern aus alteingesessenen deutschen Familien gut zwei Drittel eine Ausbildung machen, ist es bei den Migranten nur knapp ein Drittel. Das ist umso dramatischer, als schon heute 30 Prozent der in Deutschland lebenden 10- bis 15-Jährigen einen Migrationshintergrund haben, sagte Böhmer. Sie plant daher Ausbildungskonferenzen mit den Migrantenverbänden.

Eigentlich sollten nun erstmals auch die Gewerkschaften mitmachen beim Ausbildungspakt. Das hatte sich jedenfalls die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen. Doch nach wochenlangen zähen Verhandlungen teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund am Montag kurz vor Mitternacht seinen Rückzug mit, berichtet DIHK-Präsident Driftmann. Angesichts der "enormen Herausforderung" am Ausbildungsmarkt bedauerten die Vertreter der Wirtschaft das ebenso wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Sie taten sich jedoch erkennbar schwer, zu erklären, warum die Gewerkschaften so wichtig gewesen wären.

Der DGB warf dem Bund vor, sich den Interessen der Wirtschaft zu beugen. Diese sagt zwar auch weiterhin 60 000 neue Ausbildungsplätze und 30 000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr zu. Anderswo wegfallende Plätze werden hier wie bisher nicht gegengerechnet. Zudem steht diese Zusage nun unter einem "Demografievorbehalt", gilt also nur, wenn es auch genügend Bewerber gibt. Zudem wendet sich der DGB gegen die Einführung verkürzter, zweijähriger Ausbildungen. Auch ist er strikt gegen die von der Wirtschaft gewünschte Lockerung des Jugendschutzes, um etwa in der Gastronomie einfacher ausbilden zu können. Das aber steht derzeit ohnehin "nicht auf der Agenda", sagte Brüderle.

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