Ausbildungspakt
Für jeden Jugendlichen eine Lehrstelle

Die deutsche Wirtschaft und Politik haben sich doch noch auf eine Fortsetzung des Ausdbildungspaktes einigen können. So soll trotz der Wirtschaftskrise auch in diesem Jahr jedem ausbildungsbereiten Jugendlichen eine Lehrstelle angeboten werden.

HB BERLIN.Nicht einigen konnten sie sich hingegen auf die von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz geforderte Zahl von 600 000 Ausbildungsverträgen. Nur so könne man auch Altbewerber unterbringen, mahnte Scholz. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lehnten eine quantitative Zielmarke ab.

Driftmann sagte: "Der Ausbildungspakt lässt sich nicht in einer Zahl zusammenfassen." Er sei "keine politische Schauveranstaltung". Driftmann kennzeichnete die Lage am Lehrstellenmarkt mit zwei Trends: Zum einen raube die Wirtschaftskrise vielen Betrieben die Möglichkeit auszubilden. Zum anderen gebe es einen Rückgang der Schülerzahlen. Die Kammerorganisationen rechnen mit einem Rückgang der Zahl der Bewerber um fünf Prozent bundesweit. Der Ausbildungspakt bewähre sich aber in der Krise, sagte der Präsident des Industrie- und Handelskammertages.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerkes, Otto Kentzler, sagte, die Mehrzahl der Handwerksbetriebe wolle im gleichen oder gar größeren Umfang als im Vorjahr ausbilden. "Wir können jedoch jetzt nicht so tun, als wäre das Jahr 2009 ein ganz normales Paktjahr." Viele Betriebe warteten angesichts der unsicheren Wirtschaftslage mit ihrer Ausbildungsentscheidung noch ab - zum Beispiel darauf, dass das Konjunkturpaket II Wirkung zeige. Bis zum Ende des Jahres sei noch Spielraum für Vertragsabschlüsse.

Scholz kritisierte den Rückgang der Ausbildungsverträge von 615 000 im vergangenen Jahr auf voraussichtlich 580 000 in diesem Jahr. Es müsse "wenigstens wieder 600 000 Ausbildungsverträge am Ende des Jahres geben", forderte er und zeigte sich sicher, dies sei "möglich zu erreichen". Man habe sich aber in der Runde der Arbeitgeber, des Handwerks, der DIHK, dem Bundesverband der Freien Berufe, der Arbeitsagentur, der Kultusministerkonferenz, des Wirtschafts- und des Bildungsministeriums nicht darauf verständigen können.

Scholz prophezeite, dass es im kommenden Jahrzehnt einen Mangel an Fachkräften bei gleichzeitiger Massenarbeitslosigkeit geben werde, wenn nicht genügend ausgebildet werde. Denn "die Zahl der Arbeitsplätze für Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation nimmt permanent ab". Schon jetzt zeige das Einstiegsalter von durchschnittlich 19,3 Jahren bei Beginn einer Ausbildung, dass die Bewerber mehr als zwei Jahre auf eine Lehrstelle warteten. "Die Wartezeiten bis zu Beginn einer dualen Berufsausbildung sind zu lang", kritisierte Scholz.

Wirtschaftsminister Guttenberg unterstrich, dass die Wirtschaft "jedem" Jugendlichen eine Ausbildung anbieten wolle, der dazu fähig und willens sei.

Die Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze ist laut Bundesagentur für Arbeit im Mai 2009 gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent zurückgegangen, die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen um 5,4 Prozent. Die Zahl der bis Mai neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei Industrie, Dienstleistungen und Handel sank um 5,7 Prozent gegenüber 2008, im Handwerk um 9,8 Prozent.

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