Ausbrüche "kollektiver Unvernunft"
SPD-Führung hadert mit der Basis

Gerüchte und Spekualtionen machten sich am Montagabend in der Bochumer Jahrhunderthalle breit, in der sich das SPD-Delegiertenvolk zum traditionellen Parteiabend eingefunden hatte. Das demütigende Abschneiden des Generalsekretärs der Sozialdemokraten bei der Wahl zur SPD-Spitze bewegte die Gemüter. Olaf Scholz könne mit einem solchen Ergebnis unmöglich weitermachen, waren einige sicher.

HB BOCHUM. Vielleicht werde am Dienstag ja doch noch irgendwie Sigmar Gabriel als Nachfolger installiert, brachten andere ihre Hoffnung zum Ausdruck.

Doch eine Neuauflage von 1995, als Oskar Lafontaine gegen Rudolf Scharping erfolgreich um den SPD-Vorsitz putschte, blieb aus. Bis weit nach Mitternacht ließ sich Scholz trösten. Am Ende wirkte er sogar erleichtert, dass er es haarscharf überhaupt noch geschafft hatte. Wolfgang Clement, der vom Parteitag ebenfalls mächtig ins Abseits gestellt worden war, blieb konsequent und verschwand schnell. „Ich freue mich auf die weiteren Auseinandersetzungen mit Euch“, hatte der Minister den Delegierten nach der Wahl trotzig zugerufen.

SPD-Chef Gerhard Schröder fiel es sichtlich schwerer, den Wahlausgang richtig zu verdauen. Nicht so sehr sein eigener Dämpfer machte ihm zu schaffen - obwohl er insgeheim nach seiner teils emotionalen Parteitagsrede auf mehr Disziplin und Vernunft der Delegierten gehofft hatte. Doch die Art und Weise, wie der Parteitag Clement und Scholz ins Messer laufen ließ, war dem Kanzler tief in die Knochen gefahren.

Bei der eigentlich als abendliche Verbrüderung mit dem Vorsitzenden - inklusive Ehrung für 40-jährige Parteimitgliedschaft - geplanten Fest ging es ziemlich elegisch zu. Schröder sei schon länger als Willy Brandt Kanzler, darauf wies Hans-Jochen Vogel als Laudator hin. „Dein Platz in der Geschichte ist Dir sicher“, schon wegen der Haltung im Irak-Krieg, pries der frühere SPD-Chef seinen Nachfolger.

Der Kanzler wollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Irgendwann, als er nicht mehr von der Revolution geträumt habe, da hätten ihn die Zweifel verlassen, ob die Parteioberen nicht doch einmal Recht haben könnten. Aber offenbar gehöre bei manchen grundsätzliche Kritik zum „Lebenselixier“.

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