Ausfälle in Milliardenhöhe
Firmen fürchten um russische Aufträge

Die Wirtschaftskrise schlägt voll auf das deutsche Russlandgeschäft durch. Weil russischen Geschäftspartnern zunehmend das Geld ausgeht, fürchten deutsche Firmen um den Ausfall schon bestellter Leistungen in Milliardenhöhe.

BERLIN/MOSKAU. „Allein der Mittelstand hat Aufträge in Höhe von 2,5 Mrd. Euro, die auf Eis liegen“, sagte Klaus Mangold, Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, dem Handelsblatt. „Bei der Projektfinanzierung ist das Problem noch größer als bei den Exporten – und es wird von Monat zu Monat gravierender.“

Die deutsche Wirtschaft hatte am Dienstag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew Alarm geschlagen. Probleme im Russlandgeschäft gibt es, weil Firmen Leistungen in Deutschland bestellt und auch Anzahlungen geleistet haben, nun aber kein Geld mehr überweisen können. Der Grund ist, dass sich russische Banken auch aus bestehenden Finanzierungen zurückziehen. „Wir machen uns Sorgen um den Zustand der russischen Geschäftsbanken, die bisher Importgeschäfte vor allem im mittelständischen Bereich finanziert haben“, sagte auch Hans Janus, Vorstandsmitglied bei der Euler Hermes Kreditversicherung: „Viele dieser Banken haben sich ganz aus der Importfinanzierung zurückgezogen.“

Mangold schlägt der russischen Regierung deshalb vor, einen Garantiefonds einzurichten, der bei Bestellungen notleidender russischer Unternehmen einspringen könnte. Welche Bedeutung das Russlandgeschäft für Deutschland hat, zeigt der Blick auf die Exportzahlen 2008: Danach haben deutsche Firmen Waren im Wert von 28,8 Mrd. Euro in das Land geliefert.

Medwedjew sagte nach seinem Gespräch mit Merkel „unkonventionelle Verfahren“ zu, um russischen Firmen zu helfen, die mit deutschen Unternehmen kooperieren. Dahinter steckt auch die Idee, eine Art Import- und Exportversicherung einzurichten, die es bisher in Russland nicht gibt. „Auf der russischen Seite gibt es mit der staatlichen Entwicklungsbank VEB ein gutes Instrument, um Importgeschäften künftig abzusichern“, sagte Janus.

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