Ausgaben pro Schüler und Studenten zu gering
OECD gibt Bildungspolitik schlechte Noten

Deutschland fällt bei der Bildung im internationalen Vergleich deutlich zurück. Nach einer neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist die Bundesrepublik bei den Bildungsausgaben pro Schüler und Studenten von Platz zehn auf Platz 15 abgerutscht. Deutschland fördert jeden Schüler und Studenten nur noch mit zusammen 6 700 US-Dollar im Jahr – und wurde mittlerweile von Frankreich, Japan, Finnland, Belgien und den Niederlanden überholt.

BERLIN. Basis für die jüngste Studie, die dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt, sind Daten aus 26 Industriestaaten aus dem Jahr 2001. Die aktuellen Kürzungen der Bildungsetats in vielen Bundesländern signalisieren, dass sich die Situation noch verschlimmern dürfte.

Deutschland drohe beim Um- und Ausbau des Bildungssystems „den Anschluss zu verlieren“, warnt der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher. Schleicher wird heute mit Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die Studie „Bildung auf einen Blick“ vorstellen, die jedes Jahr die Leistungsfähigkeit verschiedener Bildungssysteme vergleicht. Bekannt wurde Schleicher hier zu Lande 2001 als Koordinator der Pisa-Studie, die dem deutschen Bildungssystem ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellte. Danach belegten deutsche Schüler mit ihren Fähigkeiten unter 31 Nationen nur Rang 21. Aus Schleichers Sicht sind die durch den „Pisa-Schock“ ausgelösten Reformen in der Bundesrepublik „weitgehend visionslos“.

Bildungspolitiker wie Schleicher werben seit Jahren für mehr individuelle Förderung der Kinder und sprechen sich dagegen aus, Vorentscheidungen über die weitere schulische Laufbahn von Schülern schon nach vier Schuljahren zu treffen. Außerdem heben die Experten positiv hervor, dass es in Ländern wie Pisa-Sieger Finnland kein Sitzenbleiben gibt. Die Finnen gingen grundsätzlich davon aus, dass es Aufgabe der Lehrer sei, jedem Schüler so viel wie möglich beizubringen. In Deutschland lobt Schleicher lediglich den vom Bund initiierten Ausbau der Ganztagsschulen und das Bemühen um Bildung schon im Kindergarten.

In das negative Gesamtbild passt, dass die Bildungsausgaben in Deutschland, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, unterdurchschnittlich sind (siehe „Andere Länder investieren mehr“). Neben den zu geringen Gesamtausgaben kritisiert die OECD erneut, Deutschland setze falsche finanzielle Prioritäten. In Grundschüler investiert Deutschland der Studie zufolge so wenig, dass die Bundesrepublik hier nur im unteren Mittelfeld liegt. Gleichzeitig argumentieren Pädagogen, dass sich gerade die Förderung der jüngsten Schüler später besonders auszahlt.

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