Ausgezeichnete Deutschland-Kennerin
Kanzlerberaterin Sauzay tot

Die Kanzlerberaterin für die deutsch-französischen Beziehungen, Brigitte Sauzay, ist gestorben.

HB BERLIN. Das bestätigte am Dienstag das Berlin-Brandenburgische Institut für deutsch-französische Beziehungen (BBI) in Schloss Genshagen bei Berlin, dessen Leiterin sie zusammen mit dem Göttinger Historiker Rudolf von Thadden war. Die französische Publizistin und langjährige Chefdolmetscherin des früheren Präsidenten François Mittérrand sei in der Nacht zum Dienstag im Alter von 55 Jahren in Paris einer längeren Krankheit erlegen.

Schröder sprach der Familie Sauzays in einem Schreiben sein Beileid aus. Sauzay habe sich große Verdienste um die deutsch- französischen Beziehungen und das gegenseitige Verständnis beider Völker erworben. „Mit Brigitte Sauzay verlieren wir eine überaus geschätzte Kollegin und einen großartigen Menschen“, schrieb er.

Sauzay wurde 1947 in Toulouse geboren, studierte in Freiburg und war als Dolmetscherin für mehrere französische Präsidenten von George Pompidou bis Mittérrand tätig. Allein 14 Jahre arbeitete sie für Mittérrand und moderierte dabei zahlreiche Treffen mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl.

Die ausgezeichnete Deutschland-Kennerin wusste stets aus erster Hand, wie es um das deutsch-französische Verhältnis bestellt war. 1986 veröffentlichte sie das Buch „Die rätselhaften Deutschen“ und 1999 „Retour à Berlin. Ein deutsches Tagebuch“.

Im Januar hatte Sauzay zum 40. Jahrestag des Élysée- Freundschaftsvertrags in einem dpa-Interview Deutschland und Frankreich als die „stärksten Pole der europäischen Zivilisation“ bezeichnet. Dies sei auch der Grund, weshalb es in Europa „immer so gut funktioniert hat, wenn Deutschland und Frankreich gut miteinander konnten“.

Zwischen Frankreich und Deutschland machte Sauzay aber auch zahlreiche Gegensätze aus. Die Franzosen seien Katholiken, während Deutschland von Luther geprägt sei. Deutsche hätten von Kant bis Hegel immer eine große Linie von System-Denkern gehabt, die die Welt prägten. Die Franzosen indes hätten sich mehr Gedanken um den Menschen, nicht um das System gemacht.

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