Auslandseinsätze der Bundeswehr
Deutschland kommt aus der Deckung

Afghanistan ist bald Geschichte. Doch die Koalition bereitet die Bundeswehr auf neue Einsätze vor. Das hat seinen Preis: Mehr als 1,4 Milliarden Euro kosten die Missionen im Jahr – und es dürfte noch teurer werden.
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DüsseldorfIn zehn Monaten ist Schluss. Dann endet der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan. Die rund 2900 deutschen Soldaten, die derzeit am Hindukusch dienen, packen ihr Marschgepäck. Zurück im Land bleiben von den einst mehr als 5000 Soldaten nur noch 800 Kräfte der Bundeswehr, die sich an der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte beteiligen. So hat es der Bundestag nun entschieden. Noch ein letztes Mal mussten die Abgeordneten über die Afghanistan-Mission abstimmen.

Der Rückzug aus Afghanistan bedeutet aber nicht, dass sich die Bundeswehr aus Auslandseinsätzen zurückzieht: „In der Außenpolitik werden wir eine aktivere Rolle einnehmen müssen“, sagt der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir können uns als größtes Land in Europa nicht herausnehmen, wenn Holland und Frankreich bereit sind, ihre militärischen Einheiten zu entsenden. Es reicht nicht, nur an der Peripherie zu agieren.“ Und Henning Otte, verteidigungspolitischer Sprecher der CDU, sagt: „Gerade Deutschland profitiert von der globalisierten Welt und es ist nur folgerichtig, dass wir auch vermehrt Verantwortung für diese freie Weltordnung übernehmen.“

Was den Bereich der Diplomatie betrifft, stützen die Bundesbürger die neue Marschrichtung der Großen Koalition. Drei Viertel der Bundesbürger finden es richtig, wenn Deutschland eine stärkere diplomatische Verantwortung bei der Bewältigung internationaler Konflikte übernimmt. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“, der an diesem Freitag veröffentlicht wurde, sprachen sich 74 Prozent für eine aktivere Rolle Deutschlands aus, knapp ein Viertel (23 Prozent) lehnt dies ab. Wenn es um militärische Kampfeinsätze geht, ist das Volk dagegen zurückhaltender.

Dabei kommt Deutschland unter Führung der Großen Koalition aus der Deckung. Den Weg hatte Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Januar geebnet. Seine Vorlage („Ich meine: Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substanzieller einbringen“) nahmen zunächst Außenminister Frank-Walter Steinmeier („Deutschland ist eigentlich zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren“) und dann Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen („Wenn wir über die Mittel und Fähigkeiten verfügen, dann haben wir auch eine Verantwortung, uns zu engagieren“) auf.

Für Lars Brozus, Sicherheitsexperte bei der Stiftung Politik und Wissenschaft in Berlin, verläuft die aktuelle außenpolitische Debatte auffallend spiegelverkehrt zu den Diskussionen in den USA. „Dort stimmen Politik und Wissenschaft zunehmend überein, dass militärische Interventionen ein ineffektives und extrem kostspieliges Instrument sind“, schreibt Brozus in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Militäreinsätze hätten in praktisch allen Fällen die gesteckten Ziele nicht erreicht, sondern unverhältnismäßiges Leid und immense Kosten erzeugt. „Trotzdem wird hier mehr militärisches Engagement gefordert.“

Kommentare zu " Auslandseinsätze der Bundeswehr: Deutschland kommt aus der Deckung"

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  • Die Sesselfurzer die solch einen Schwachsinn beschließen
    müssten selbst für diese Bestimmung zwangsmäßig rekrutiert werden
    und Ihren Einsatz durch fleißige Spendensammlungen selbst finanzieren.

  • Ich würde sagen, jeder Soldat der freiwillig da hin geht, soll bitte auch nicht jammern wenn er ein Bein oder Arm verliert...!
    Selber Schuld, wir haben uns zu einer reinen Verteidigungsamee entschieden. In Deutschland brauchen wir das, aber mit Sicherheit nicht am Hindukusch oder in Afrika.

  • Wir haben Mitel? Und warum bricht unsere Infrastruktur zusammen? Wieso immer mehr Brückensperungen, immer mehr Schulen ohne nutzbare Toiletten, immer mehr Holperpisten statt Straßen?

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