Aussage eines Kronzeugen
Terroristen planten Anschläge in Deutschland

Militante Islamisten haben nach Angaben eines in Düsseldorf angeklagten mutmaßlichen Terroristen im vergangenen Jahr Anschläge in Berlin und Düsseldorf geplant. „Ich selbst habe Informationen über zwei Anschlagsorte gesammelt“, gestand der angeklagte 26-jährige Palästinenser am Freitag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

HB/dpa DÜSSELDORF. Er war nach eigenen Angaben zeitweise Leibwächter Osama bin Ladens und wurde in El Kaida-Lagern in Afghanistan für Anschläge geschult. Er habe sich auch zu einem Selbstmordanschlag bereit erklärt. Der Mann soll einer Terrorzelle der Gruppe Al Tawhid angehört haben.

In Düsseldorf sei eine von Juden besuchte Discothek in der Altstadt und eine von einer Jüdin geführte Gaststätte im Visier gewesen, in Berlin das Jüdische Museum. Es sei diskutiert worden, ob die Taten mit Handgranaten oder einer Autobombe begangen werden sollten. Die Festlegung des Anschlagziels habe bei der Führung der Al Tawhid in Afghanistan gelegen. Die Polizei hatte verdächtige Telefonate mitgeschnitten und den Angeklagten daraufhin im April 2002 festgenommen.

Der 26-Jährige, der als Kronzeuge gegen islamistische Terrorstrukturen in Deutschland gilt, erklärte, er habe sich um die Waffen und die sonstige Ausrüstung gekümmert. Die Terrorzelle habe aus vier Leuten bestanden. Das Codewort für die Anschlagziele sei „Mädchen“ gewesen, so der Angeklagte weiter. Als Tarnwort für Sprengstoff sei „Schwarze Pille“ verwendet, Handgranaten seien als „Äpfel“ bezeichnet worden. Der Angeklagte bestätigte damit die Ermittlungsergebnisse der Bundesanwaltschaft.

Die Anschläge hätten sich verzögert, weil noch Gruppenmitglieder illegal aus dem Iran geschafft werden sollten, sagte der Palästinenser. Der 26-Jährige muss sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor dem Gericht verantworten.

Der Angeklagte berichtete auch von seiner Terror-Schulung in Afghanistan. Dort habe er in einem „sehr gut besuchten Kurs“ die Logistik für Anschläge gelernt. Ein Chemiker aus Ägypten habe zudem die Herstellung von Giften aus leicht verfügbaren Stoffen gelehrt. Das Gift sollte in Getränken und Lebensmitteln eingesetzt werden. Die Wirkung sei an Hasen getestet worden.

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