Außenminister stützt Katar
Gabriel kritisiert „Trumpisierung“ des Mittleren Ostens

Saudi-Arabien will im Nahen Osten die dominante Macht sein – und sieht Donald Trump an seiner Seite. In Berlin stößt das harte Vorgehen gegen Katar jedoch auf Missfallen. Außenminister Sigmar Gabriel findet klare Worte.
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BerlinKatar erhält im Konflikt mit seinen arabischen Nachbarn Unterstützung aus Deutschland. „Katar soll offenbar mehr oder weniger vollständig isoliert und existentiell getroffen werden“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel dem Handelsblatt. „Eine solche Trumpisierung des Umgangs miteinander ist in einer ohnehin krisengeschüttelten Region ganz besonders gefährlich“, so der Vizekanzler.

Gabriel warnte vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts. „Mit einer weiteren Eskalation ist niemandem gedient. Der Mittlere Osten ist ein politisches und militärisches Pulverfass. Religiöse, ethnische, politische und weltanschauliche Konflikte spalten nun auch die Golfmonarchien“, sagte der SPD-Politiker. Gabriel zeigte sich überrascht über die Vehemenz, mit der der Konflikt zwischen Nachbarstaaten auf der arabischen Halbinsel aufgebrochen sei. „Ich bin sehr besorgt über die dramatische Eskalation der Lage und die Folgen für die ganze Region.“

Der Bundesaußenminister kritisierte die Politik von US-Präsident Donald Trump im Mittleren Osten: „Die jüngsten gigantischen Rüstungsdeals des amerikanischen Präsidenten Trump mit den Golfmonarchien verschärfen das Risiko einer neuen Aufrüstungsspirale. Das ist eine völlig falsche Politik, und sicher nicht die Politik Deutschlands“, sagte Gabriel dem Handelsblatt. Deutschland und seine Verbündeten hätten durch das Atomabkommen mit dem Iran bis auf weiteres die Gefahr einer nuklearen Aufrüstungsdynamik in der Region gebannt. Berlin setze darauf, dass es bald wieder möglich sei, miteinander zu reden und Konflikte durch Gespräche zu entschärfen.

Der Nahe und Mittlere Osten stehe vor riesigen Herausforderungen – der Kampf gegen IS, der furchtbare Krieg in Syrien, die absehbaren Folgen des Klimawandels, die demographische Entwicklung seien nur einige davon. „Ein tiefgehender Streit unter Nachbarn ist da eigentlich das Letzte, das man gebrauchen kann“, sagte er.

Gabriel trifft sich in Kürze in Berlin mit dem saudischen Außenminister Adel Al-Jubeir „Dann werden wir sicher mehr erfahren über die Beweggründe der Saudis für ihr äußerst hartes Vorgehen“, sagte er.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Außenminister stützt Katar: Gabriel kritisiert „Trumpisierung“ des Mittleren Ostens"

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  • HB :“ „Katar soll offenbar mehr oder weniger vollständig isoliert und existentiell getroffen werden, sagte, Außenminister Gabriel“

    Dazu :
    „Der größte Reichtum Katars liegt im Erdgassektor. Unter dem Meeresgrund liegt das North Gas Field, das mit 381.000 Milliarden Kubikfußreserven das größte Erdgasfeld der Erde ist.  . Durch die Inbetriebnahme einer Erdgasverflüssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des Flüssigerdgases (LNG) ermöglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten---(und Europa) Wegen steigender Nachfrage exportiert Katar zunehmend Flüssiggas. Bereits 2006 war das kleine Emirat weltgrößter Flüssiggasexporteur.
    . Des Weiteren betreiben die USA in Katar ein gemeinsames HBCT-Ausrüstungslager (APS) der Army, der Air Force, der Navy und der Marines mit 430 Angehörigen.“ (Wikipedia.de)

    Das Katar Terroristen finanzieren soll wurde schon immer behauptet, desgleichen bei Saudi-Arabien. Schon möglich, dass die Behauptungen zutreffen --- aber
    es geht wohl tatsächlich um den Flüssiggas-Markt in Europa, den die USA beliefern wollen und da erscheint das kleine Katar als bedeutender Konkurrent auf dem LNG-Markt einfach unerwünscht und muss gezügelt werden.

  • Pfiffiger Kommentar Herr Wong. Genau das ist das Problem. In Zeiten von Trump und Co klingen Worte wie Arbeitnehmerrechte und sozialer Ausgleich, Umverteilung und ökologische Verantwortung wie reiner Hohn. Lieber nicht sozialdemorkatische Ideen debattieren. Big-Bullshit von Washington bis Moskau muss für die nächsten 4 Jahre reichen.

  • Einen sozialdemokratisierten Mittleren Osten will ich mir erst gar nicht vorstellen.

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