Aussetzung des Riesterfaktors und gute Beschäftigungsentwicklung wirken sich aus
Renten steigen stärker als die Löhne

Warmer Geldregen für die rund 20 Millionen Rentner: Die Altersbezüge werden stärker steigen als die Bruttolöhne. Eine solch paradoxe Auseinanderentwicklung von Renten und Löhnen hat es in der 50-jährigen Geschichte der dynamischen Rente noch nicht gegeben.

BERLIN. Die rund 20 Millionen Rentner dürften sich im bevorstehenden Wirtschaftsabschwung als kraftvollere Stütze für der Binnenkonjunktur erweisen als die Arbeitnehmer. Zwar wiesen gestern die Deutsche Rentenversicherung und das Bundesarbeitsministerium Berichte als voreilig zurück, die Renten würden im nächsten Jahr mit 2,75 Prozent so stark steigen wie seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr. Doch weiß man dort schon jetzt, dass die Altersbezüge auf jeden Fall stärker steigen dürften als die Bruttolöhne im vergangenen Jahr. Letztere dürften laut Herbstgutachten der Wirtschaftsinstitute in diesem Jahr um 2,4 Prozent zulegen. Eine solche paradoxe Auseinanderentwicklung von Renten und Löhnen aber hat es in der über 50-jährigen Geschichte der dynamischen Rente noch gar nicht gegeben.

Über die genaue Erhöhungziffer wird die Bundesregierung nach Abschluss der Lohnbewegung in diesem Jahr, für das ja noch wichtige Tarifabschlüsse etwa in der Metallindustrie und beim privaten Bankgewerbe ausstehen, im Frühjahr 2009 entscheiden. Am Ende könnte die zum 1. Juli 2009 in Kraft tretende Erhöhung dann sogar noch die jetzt vorläufig vom Schätzerkreis errechneten 2,75 Prozent übertreffen, hieß es.

Grund für den warmen Geldregen nach Jahren mit Nullrunden und Minianpassungen sind einige Besonderheiten in der Rentenformel und Eingriffe, die die Bundesregierung im Frühjahr in diese Formel vorgenommen hat, um die Rentner am Konjunkturaufschwung zu beteiligen.

Nach der Formel sollen die Renten in einem Jahr grundsätzlich so stark steigen wie die Löhne des Vorjahres. Doch wird dieser Anstieg seit 2001 durch den Riesterfaktor jährlich um rund 0,5 Prozentpunkte vermindert. Dadurch soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Arbeitnehmer einen jährlich bis 2008 anwachsenden Teil ihres Einkommens für den Aufbau einer Riesterrente aufwenden sollen.

Doch in diesem Frühjahr wurde angesichts des wachsenden öffentlichen Drucks, auch die Rentner am Wachstum teilhaben zu lassen, der Riesterfaktor für zwei Jahre ausgesetzt. Statt um 0,46 nach der Rentenformel konnten die Renten daher um 1,1 Prozent angehoben werden. Für 2009 wiederholt sich nun dieses Spiel.

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