"Ausstieg an veränderte globale Entwicklungen anpassen"
EnBW-Chef fordert Verlängerung der AKW-Laufzeiten

In der aktuellen Debatte um den Atomausstieg hat sich der Vorstandschef der EnBW AG, Utz Claassen, als erster Topmanager der Branche offen für längere Kernkraftwerkslaufzeiten ausgesprochen.

"Mir geht es darum, die Modalitäten des Ausstiegs an veränderte globale Entwicklungen anzupassen und den Konsens dadurch zukunftsfähig zu machen", sagte Claassen dem Handelsblatt. "Gerade diejenigen, die den Atomkonsens wollen und die dahinter stehen, müssten ein Interesse haben, an seiner Zukunftsfähigkeit mitzuwirken", betonte der Chef der Energie Baden-Württemberg AG, die neben Eon, RWE und Vattenfall Europe zu den vier großen Energiekonzernen in Deutschland zählt.

In den laufenden Koalitionsverhandlungen hat die CDU/CSU eine Verlängerung der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke von insgesamt 32 Jahren auf 40 Jahre auf die Tagesordnung gesetzt. Die SPD lehnt Änderungen an dem im Jahr 2000 vereinbarten Atomkonsens bisher jedoch strikt ab. Danach müsste voraussichtlich im Jahr 2021 das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen.

"Wir stehen nach wie vor zu dem, was wir vereinbart und unterschrieben haben", betonte Claassen. Dennoch müsse man "über die Folgen des Vereinbarten reden dürfen". Eine Verlängerung der Restlaufzeiten biete die Chance, den Anstieg der Energiepreise und absehbare Mehrbelastungen des Klimas durch CO2-Emissionen zu dämpfen. Beide Themen würden heute in der Öffentlichkeit "viel engagierter diskutiert als man vor fünf Jahren erwartet hätte", sagte er.

Claassen trat dem Eindruck entgegen, die Energiewirtschaft bemühe sich um ein Tauschgeschäft mit der Politik. "Es geht überhaupt nicht darum, dass die Branche der Politik einen Betrag X dafür bietet, dass die Kernkraftwerke länger laufen", sagte er. Das Hauptinteresse an einem "modernisierten Kernenergiekonsens" liege bei den Energiekunden und bei der Umwelt.

Allerdings könnten die Unternehmen einen Teil des wirtschaftlichen Vorteils einer Laufzeitverlängerung für die Energieforschung einsetzen. Besondere Priorität gab Claassen dabei der Erforschung regenerativer Energien sowie neuer Speichertechnologien. "Der größte Durchbruch der globalen Energiewirtschaft wäre, wenn es gelingt, Sonnenenergie flächendeckend zu nutzen, vereinfacht gesagt: sie in der Sahara zu gewinnen und hier zu Lande einzusetzen." Diese Chance könne ein veränderte Kernenergiekonsens eröffnen.

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