Auswandererflut
Deutsche kehren Deutschland den Rücken

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik haben im vergangenen Jahr mehr Deutsche das Land verlassen als hierher zurückgekehrt sind. Hauptgrund für den Auswanderungsstrom: die Arbeitslosigkeit. Immer mehr Menschen packen ihre Koffer, um einen Neuanfang im Ausland zu wagen. Einige Länder stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste.

HB BERLIN. Trotz der Zahlen - als Auswanderungsland wollen Migrationsexperten die Bundesrepublik noch nicht bezeichnen. Aus ihrer Sicht ziehen Menschen vor allem fort, weil sie in Deutschland keine Arbeit fanden. Der EU-Binnenmarkt erleichtert zudem auch den zeitlich begrenzten Wechsel.

„Gingen 2004 über 151 000 Deutsche offiziell ins Ausland, wanderten 2005 insgesamt 145 000 Deutsche aus“, sagt die wissenschaftliche Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven, Simone Eick. Das seien die höchsten Auswanderungszahlen seit über 100 Jahren. Dazu kommt: „Es sind erstmals mehr Deutsche fortgezogen als zugezogen sind“, sagt Constanze Quiatkowski, die beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden Bevölkerungsbewegungen verfolgt. 2005 meldeten sich nur 128 000 Deutsche in der Heimat zurück. Daraus ergibt sich ein „negativen Wanderungssaldo“ von 17 000 Personen.

„Was das Statistische Bundesamt erfasst, ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Gabriele Mertens, Geschäftsführerin des katholischen Raphaels-Werkes in Hamburg, das Auswanderer berät. „Die tatsächliche Zahl der Abwanderer liegt ja weit höher, weil viele Abwanderer aus diversen Gründen in Deutschland noch eine Postadresse haben.“

Die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit verweist vor allem auf die Arbeitsmigration innerhalb Europas. „Von 12 702 in 2005 von Deutschland ins Ausland vermittelten Deutschen sind mehr als 10 000 in europäische Länder gegangen“, sagt ZAV-Sprecherin Sabine Seidler. Von den 8228 langfristig in EU-Länder Vermittelten Deutschen seien drei Viertel zuvor ohne Arbeit gewesen.

Mertens bestätigt: „Es sind immer mehr Menschen mit mittlerer Qualifikation, die in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt Probleme haben, die aber im Ausland sehr wohl eine Chance haben.“ Die Göttinger Soziologin Claudia Diehl sagt: „Solche Gruppen, die in Deutschland Schwierigkeiten haben mögen, gehen viel eher ins Ausland, wenn sie einen Binnenmarkt haben.“

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