Auszahlung aus Hilfspaket
Deutschland will Sperrkonto für Griechen-Hilfe

Es ist ein Trick, um die Hilfsmittel für Griechenland schärfer zu kontrollieren: Die nächste Tranche soll auf ein Konto fließen, das von den Geldgebern kontrolliert wird. Der Schuldendienst soll so gewährleistet werden.
  • 9

BerlinDie Bundesregierung will der Auszahlung der nächsten Tranche aus dem zweiten Hilfspaket an Griechenland im November zustimmen. Sie beharrt aber darauf, dass die 31,5 Milliarden Euro auf ein Sperrkonto fließen, das die Europäer kontrollieren, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Dieses Konstrukt soll garantieren, dass Griechenland vorrangig seinen Schuldendienst leistet und erst danach Mittel für seinen Haushalt nutzen kann. „Wenn das Geld nicht reicht, muss Griechenland sehen, wie es zu Geld kommt, oder eben mehr sparen“, hieß es weiter.

Nach Auffassung der Troika-Experten von EU, EZB und IWF fehlen Griechenland wegen der vertieften Rezession 2013 und 2014 etwa 20 Milliarden Euro. Der IWF fordert, dass die Europäer diese Lücke füllen oder einem Schuldenschnitt zustimmen. Beides lehnt die Bundesregierung ab.

Nach Auffassung der Bundesregierung könnte Griechenland zu weiteren Einnahmen mit einem Anleihe-Rückkaufprogramm kommen: Es könnte seine Schulden, die am Sekundärmarkt weniger wert sind als der ursprüngliche Kredit, aufkaufen und so Geld gegenüber der Rückzahlung bei Fälligkeit sparen. Zweitens könnte das Land bei der Europäischen Zentralbank um „T-Bills“ nachsuchen: Dabei gibt die EZB Geld an die griechische Notenbank, die griechischen Geschäftsbanken hilft, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Ein solches Programm hatte die EZB im Sommer zum Stopfen kurzfristiger Lücken gestartet und dafür sieben Milliarden Euro bereitgestellt.

Nach Auffassung der Troika reichen beide Maßnahmen allerdings bei Weitem nicht aus, die Lücke zu schließen. In der Euro-Zone und beim IWF stößt dieser Plan daher bisher auf Widerstand.

Falls es wegen kurzzeitiger Finanzengpässen in Griechenland erneut zu Unsicherheiten an den Finanzmärkten und zu steigenden Zinsen für Spanien käme, soll Spanien mit einer Beistands-Kreditlinie geholfen werden. Für diese müsste Spanien nur milde zusätzliche Spar- und Reformauflagen erfüllen. „Der Rettungsfonds ESM hat dieses Instrument genau für solche Fälle“, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Es diene dem „Ringfencing“, also dem Eindämmen von Brandherden an den Märkten. Der Vorteil für Spanien: Sobald es diese ESM-Hilfe bekommt, könnte die Europäische Zentralbank am Sekundärmarkt ein Anleihekaufprogramm starten, um die Zinsen für Spanien zu drücken. In Spanien wird deshalb derzeit ernsthaft geprüft, einen Antrag auf die ESM-Beistands-Kreditlinie zu stellen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Auszahlung aus Hilfspaket: Deutschland will Sperrkonto für Griechen-Hilfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn Schäuble die Sache so durchficht, ist das unter den gegebenen Umständen eine gute Position im Sinne des Gläubiger- und damit Steuerzahlerschutzes.

    Grottenschlecht dagegen sind die wieder unterirdischen Kommentare des einschlägigen defätistischen Forenmobs im Handelsblatt.

    Leute, bald seid Ihr unter Euch und könnt Euch Eure Stammtischrentnerplatitüden nur noch gegenseitg um die Ohren hauen.....

  • Damit fließt deutsches Steuergeld direkt an französische Banken und wird dort als Boni für hohe Zinsgewinne an Privatkonten der Zocker-Bankster ausgezahlt! Illegaler geht es nicht mehr, wie deutsches Steuergeld veruntreut wird.

  • Zitat:
    "Wenn das Geld nicht reicht, muss Griechenland sehen, wie es zu Geld kommt, oder eben mehr sparen“

    Ha ha ha!!! Soll das ein Witz sein? Wenn das Geld nicht reicht, dann werden wir alternativlos deutsches Geld zuschießen, und zwar bis zum bitteren Ende. Das ist Merkel-Politik.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%