Auszeichnung für die Krisen-Kanzlerin
CDU-Politiker wollen Friedensnobelpreis für Merkel

Ob Ukraine oder Flüchtlinge: In Europas großen Krisen spricht Merkel Machtworte. In der CDU ist mancher der Ansicht, die Kanzlerin habe daher den Friedennobelpreis verdient. Doch es gibt auch viele, die das anders sehen.
  • 57

BerlinIm Ukraine-Konflikt handelt die Bundeskanzlerin einen Waffenstillstand aus. Als die Flüchtlingssituation zu eskalieren droht, heißt Angela Merkel die Schutzsuchenden in Deutschland willkommen - und findet zugleich klare Worte. Möglicherweise erhält Merkel nun für ihren Umgang mit den großen Krisen in Europa den Friedensnobelpreis. In Oslo, wo am Freitag das Geheimnis um den Preisträger 2015 gelüftet wird, wird die CDU-Bundesvorsitzende sogar schon als Kandidatin gehandelt.

Manche Parteifreunde in Berlin würden es mehr als begrüßen, wenn Merkel in diesem Jahr zum Zug käme. Die Kanzlerin habe die Auszeichnung „wie sonst niemand in Europa“ verdient, sagte der Vizechef der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem Handelsblatt. Merkel habe „maßgeblichen Anteil“ am Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt und habe durch die zeitweilige Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge eine humanitäre Katastrophe in Ungarn verhindert. „Der Friedensnobelpreis wäre ein richtiges Signal für eine Neuausrichtung der globalen Flüchtlingspolitik“, sagte Bäumler.

Für den Großstadtbeauftragten der Unions-Bundestagsfraktion, Kai Wegner, würde die Preisverleihung an Merkel „ein großartiges Zeichen der Anerkennung für ihren Beitrag zu Frieden und Freiheit in Europa“ bedeuten. Gerade in der Ukraine-Krise habe die Kanzlerin „entscheidend dazu beigetragen“, gangbare Lösungen für eine gute Zukunft aufzuzeigen.

„Die Preisverleihung wäre aber auch ein deutliches Signal an diejenigen in Europa, die unter Hinweis auf die aktuellen Flüchtlingsströme Abschottung, Stacheldraht und nationalen Egoismen das Wort reden“, sagte Wegner dem Handelsblatt. Merkel habe klar gemacht, dass die „Krise nur mit Herz und Verstand gleichermaßen zu meistern“ sei.

Kritisch sieht der Obmann der Unions-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, eine mögliche Preisverleihung an Merkel. Fiele die Wahl auf die Kanzlerin, würde das Merkel und Deutschland „sicher sehr ehren und verdient wäre der Preis auch“, sagte Kiesewetter dem Handelsblatt.

„Allerdings sollte solch ein Preis eher das Lebenswerk eines Menschen oder ausnahmsweise eine ganz besondere herausragende Einzelleistung würdigen. Wenn politisch-operativ motivierte Entscheidungen bei der Nobelpreisverleihung getroffen werden, wie seinerzeit beim US-Präsidenten Barak Obama, wird jegliche weitere Entscheidung und jeder weitere Lebensschritt eines Preisträgers an so einem Preis gemessen.“

Er denke daher auch, „dass unsere Bundeskanzlerin für solche politisch motivierten Preisverleihungen nicht zur Verfügung steht, sondern erst dann, wenn in vielen Jahren ihre politische Arbeit vollendet ist“. Die Zurückhaltung Kiesewetters kommt nicht von ungefähr. Denn mit der Auszeichnung von Politikern hat die norwegische Nobel-Jury in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen gehabt.

Kommentare zu " Auszeichnung für die Krisen-Kanzlerin: CDU-Politiker wollen Friedensnobelpreis für Merkel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Meine volle Zustimmung!

  • @Herr Dannenberg

    de Maiziere hat mehrere Optionen. Entweder er macht weiter und spielt den Innenminister obwohl er quasi gerade politisch kastriert wurde, dann wäre er eine völlig "ehrlose Figur", um einmal den nostalgischen Begriff "Ehre" zu gebrauchen oder er tritt zurück.

    Oder er organisiert innerhalb der Union den Widerstand gegen Merkel mit Hilfe der CSU und anderer Merkel-Kritiker.

    Natürlich soll ein Nobelpreis für Merkel diese Frau unantastbar machen und damit unangreifbar.

    Es wird eben alles versucht, die Kanzlerin auf ihrem wackelnden Podest zu stabilisieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%