Autobauer müssen liefern
Was vom Dieselgipfel bleibt

Am Ende des Dieselgipfels steht fest: Die Autobauer kommen um eine kostspielige Hardware-Umrüstung herum. Stattdessen wollen sie mit „Umweltprämien“ für alte Diesel den eigenen Absatz ankurbeln.
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BerlinDer Dieselgipfel wurde heiß erwartet, am Ende können die Autobosse zufrieden nach Hause fahren. Auch der Automobilverband VDA ist begeistert vom Kompromiss, die Politik lobt die Lösung. Nur vor dem Bundesverkehrsministerium ist die Enttäuschung groß. Es wird bei einer günstigen Softwareoptimierung bleiben. Von der teuren Umrüstung der Hardware bleiben die Hersteller verschont.

Verkehrsminister Dobrindt machte auf der Pressekonferenz deutlich, welches Ziel auf dem Gipfel verfolgt wurde: „Wir haben auf dem heutigen Gipfel versucht, Fahrverbote zu verhindern und das ist uns gelungen.“ Auch Umweltministerin Hendricks ist von der Lösung überzeugt. „Wir haben der Autoindustrie unsere Forderungen klar dargelegt und mit den Gesprächen eine Absenkung des NOX-Ausstoßes erreicht.“ Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann war es wichtig, dass eine schnelle Lösung gefunden werden konnte und die Autohersteller einen Großteil der Kosten tragen.

Gegen diese Softwarelösung haben die Deutsche Umwelthilfe, der ADFC und Greenpeace am Morgen demonstriert. Die Umweltaktivisten haben mit einem riesigen Banner das Gebäude des Ministeriums bedeckt. Die Softwareoptimierung reicht dem Chef der Deutschen Umwelthilfe nicht. „Diese Mickey-Mouse-Lösung ist ein Witz“, sagt Jürgen Resch.

Vom Protest vor dem Ministeriumsgebäude dürften die Autochefs allerdings wenig mitbekommen haben. Denn kurz vor Beginn des Gipfels wurde der Tagungsort zum Innenministerium verlegt. Die Begründung: Die Räumlichkeiten im Verkehrsministerium seien zu klein. Während die Demonstranten anschließend vom Verkehrsministerium zum Innenministerium gingen, fuhren Zetsche, Müller & Co. in den größten verfügbaren Modellen von BMW, Mercedes, Audi & Co. über den Hintereingang zum Ministeriumsgebäude.

Vor dem Innenministerium machten die Demonstranten ihrem Ärger Luft. „Wir wollen von der Regierung Umwelthilfe sehen und keine Mauscheleien“, riefen die Demonstranten, als sie vor dem Gebäude ankamen und ihren Hustenmarsch begannen. Eng nebeneinander gehend röchelten Mitglieder der Deutschen Umwelthilfe, Greenpeace und dem Verkehrsclub Deutschland theatralisch nach Luft, aus großen Lautsprechern ertönte ein angestrengter Keuchhusten. Die schlechte Luft raubte ihnen symbolisch den Atem. Am Ende starben sie den symbolischen Dieseltod und lagen regungslos vor der Gebäudeabsperrung am Boden.

Der Protest zeigte letztlich aber doch seine Wirkung. Denn auf der Pressekonferenz im Anschluss des Dieselgipfels ließen sich zum Erstaunen der anwesenden Journalisten auch die Chefs der größten deutschen Autobauer blicken. Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Chef Matthias Müller und BMW-Boss Harald Krüger hatten sich zuvor der Öffentlichkeit entzogen.

Auf der Pressekonferenz nach dem Gipfel erklärte BMW-Chef Krüger: „Wir sind uns des Ernsts der Lage sehr bewusst. Es waren herausfordernde Gespräche.“

Kommentare zu " Autobauer müssen liefern: Was vom Dieselgipfel bleibt"

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  • Was vom Dieselgipfel bleibt.........
    Einen besseren B E W E I S der Korruptheit zwischen Kapital(Industrie) und Politik gibt es nicht.
    Und was tun unsere beamteten Volljuristen........NICHTS.!!!!
    Da sitzen Firmenvertreter der ersten Reihe die nachweislich b e t r o g e n haben, und zwar millionenfach und es passiert wieder mal ......NICHTS.!!!
    Letztendlich sind die Autokäufer noch schuldig.
    Verkommener kann eine GROKO und deren Klientel gar nicht sein.
    Wichtig ist: Die Parteienspenden laufen rund.
    Wie sagte schon Kaiser Vespasian:
    Pecunia non olet.

    the stupid germans

  • Es bleibt also dabei. Kleine Kinder und alte Leute müssen leiden und ggf. sterben, damit die Deutschen weiter ihre stinkenden Protzschlitten fahren dürfen.

    Oder frei nach Darwin: Survival of the fittest heisst bei uns: Den Diesel überleben. So bildet sich nach einer überschaubaren Zeit eine Diesel-resistente humane Population heraus.

  • @ Herr Peter Spiegel 03.08.2017, 09:55 Uhr

    Richtig, Herr Spiegel, volkswirtschaftlich nennt man so etwas "Ausnutzung komparativer Kostenvorteile".

    Ist ja bei den US-Autokonzernen in den späten 1970ern und 1980ern bereits "eindrucksvoll" unter Beweis gestellt worden.

    Erst Flint, dann ...

    ... der große gesellschaftliche Niedergang. Und das alles nur aufgrund der Gier des Top-Managements sich die Taschen vollzustopfen. Garniert wird das Alles mit "guten Geschäftsnachrichten".

    Für die kann sich der dann arbeitslose VW-/BMW-/AUDI-Mitarbeiter auch nichts mehr kaufen, weil Deutschland dann eine Industrie-Wüste, vergleichbar mit den Werksschließungen an der großen Seen in den USA, ist.

    Eine traurige Perspektive, wenn dann vitales wirtschaftliches Leben in Wolfsburg und anderswo zum Erliegen kommt ...

    Ebenfalls bedenklich, wenn der Begriff "Made in Germany" bedingt durch die "glorreichen" Leistungen des "Topmanagements" sukzessive durch "Fraud in Germany" ersetzt wird. Welch´ eine katastrophale Außenwirkung ist das denn?

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