Autobauer müssen liefern Was vom Dieselgipfel bleibt

Am Ende des Dieselgipfels steht fest: Die Autobauer kommen um eine kostspielige Hardware-Umrüstung herum. Stattdessen wollen sie mit „Umweltprämien“ für alte Diesel den eigenen Absatz ankurbeln.
Update: 03.08.2017 - 08:02 Uhr 20 Kommentare

„Ich weiß, dass Vertrauen verloren gegangen ist“

„Ich weiß, dass Vertrauen verloren gegangen ist“

BerlinDer Dieselgipfel wurde heiß erwartet, am Ende können die Autobosse zufrieden nach Hause fahren. Auch der Automobilverband VDA ist begeistert vom Kompromiss, die Politik lobt die Lösung. Nur vor dem Bundesverkehrsministerium ist die Enttäuschung groß. Es wird bei einer günstigen Softwareoptimierung bleiben. Von der teuren Umrüstung der Hardware bleiben die Hersteller verschont.

Verkehrsminister Dobrindt machte auf der Pressekonferenz deutlich, welches Ziel auf dem Gipfel verfolgt wurde: „Wir haben auf dem heutigen Gipfel versucht, Fahrverbote zu verhindern und das ist uns gelungen.“ Auch Umweltministerin Hendricks ist von der Lösung überzeugt. „Wir haben der Autoindustrie unsere Forderungen klar dargelegt und mit den Gesprächen eine Absenkung des NOX-Ausstoßes erreicht.“ Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann war es wichtig, dass eine schnelle Lösung gefunden werden konnte und die Autohersteller einen Großteil der Kosten tragen.

Gegen diese Softwarelösung haben die Deutsche Umwelthilfe, der ADFC und Greenpeace am Morgen demonstriert. Die Umweltaktivisten haben mit einem riesigen Banner das Gebäude des Ministeriums bedeckt. Die Softwareoptimierung reicht dem Chef der Deutschen Umwelthilfe nicht. „Diese Mickey-Mouse-Lösung ist ein Witz“, sagt Jürgen Resch.

Vom Protest vor dem Ministeriumsgebäude dürften die Autochefs allerdings wenig mitbekommen haben. Denn kurz vor Beginn des Gipfels wurde der Tagungsort zum Innenministerium verlegt. Die Begründung: Die Räumlichkeiten im Verkehrsministerium seien zu klein. Während die Demonstranten anschließend vom Verkehrsministerium zum Innenministerium gingen, fuhren Zetsche, Müller & Co. in den größten verfügbaren Modellen von BMW, Mercedes, Audi & Co. über den Hintereingang zum Ministeriumsgebäude.

Vor dem Innenministerium machten die Demonstranten ihrem Ärger Luft. „Wir wollen von der Regierung Umwelthilfe sehen und keine Mauscheleien“, riefen die Demonstranten, als sie vor dem Gebäude ankamen und ihren Hustenmarsch begannen. Eng nebeneinander gehend röchelten Mitglieder der Deutschen Umwelthilfe, Greenpeace und dem Verkehrsclub Deutschland theatralisch nach Luft, aus großen Lautsprechern ertönte ein angestrengter Keuchhusten. Die schlechte Luft raubte ihnen symbolisch den Atem. Am Ende starben sie den symbolischen Dieseltod und lagen regungslos vor der Gebäudeabsperrung am Boden.

Der Protest zeigte letztlich aber doch seine Wirkung. Denn auf der Pressekonferenz im Anschluss des Dieselgipfels ließen sich zum Erstaunen der anwesenden Journalisten auch die Chefs der größten deutschen Autobauer blicken. Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Chef Matthias Müller und BMW-Boss Harald Krüger hatten sich zuvor der Öffentlichkeit entzogen.

Auf der Pressekonferenz nach dem Gipfel erklärte BMW-Chef Krüger: „Wir sind uns des Ernsts der Lage sehr bewusst. Es waren herausfordernde Gespräche.“

„Umweltprämie“ soll Autobesitzer alter Dieselmodelle locken
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20 Kommentare zu "Autobauer müssen liefern: Was vom Dieselgipfel bleibt"

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  • Was vom Dieselgipfel bleibt.........
    Einen besseren B E W E I S der Korruptheit zwischen Kapital(Industrie) und Politik gibt es nicht.
    Und was tun unsere beamteten Volljuristen........NICHTS.!!!!
    Da sitzen Firmenvertreter der ersten Reihe die nachweislich b e t r o g e n haben, und zwar millionenfach und es passiert wieder mal ......NICHTS.!!!
    Letztendlich sind die Autokäufer noch schuldig.
    Verkommener kann eine GROKO und deren Klientel gar nicht sein.
    Wichtig ist: Die Parteienspenden laufen rund.
    Wie sagte schon Kaiser Vespasian:
    Pecunia non olet.

    the stupid germans

  • Es bleibt also dabei. Kleine Kinder und alte Leute müssen leiden und ggf. sterben, damit die Deutschen weiter ihre stinkenden Protzschlitten fahren dürfen.

    Oder frei nach Darwin: Survival of the fittest heisst bei uns: Den Diesel überleben. So bildet sich nach einer überschaubaren Zeit eine Diesel-resistente humane Population heraus.

  • @ Herr Peter Spiegel 03.08.2017, 09:55 Uhr

    Richtig, Herr Spiegel, volkswirtschaftlich nennt man so etwas "Ausnutzung komparativer Kostenvorteile".

    Ist ja bei den US-Autokonzernen in den späten 1970ern und 1980ern bereits "eindrucksvoll" unter Beweis gestellt worden.

    Erst Flint, dann ...

    ... der große gesellschaftliche Niedergang. Und das alles nur aufgrund der Gier des Top-Managements sich die Taschen vollzustopfen. Garniert wird das Alles mit "guten Geschäftsnachrichten".

    Für die kann sich der dann arbeitslose VW-/BMW-/AUDI-Mitarbeiter auch nichts mehr kaufen, weil Deutschland dann eine Industrie-Wüste, vergleichbar mit den Werksschließungen an der großen Seen in den USA, ist.

    Eine traurige Perspektive, wenn dann vitales wirtschaftliches Leben in Wolfsburg und anderswo zum Erliegen kommt ...

    Ebenfalls bedenklich, wenn der Begriff "Made in Germany" bedingt durch die "glorreichen" Leistungen des "Topmanagements" sukzessive durch "Fraud in Germany" ersetzt wird. Welch´ eine katastrophale Außenwirkung ist das denn?

  • Herr Thomas Behrends: Das können sie gerne machen. Was sieh sehen ist Rus.
    Ist zwar keine Luftkur aber NOx und Feinstaub kann man weder riechen und sehen.

    ..und hinter einem Benzin Mazda riecht es wie an der Tankstelle wenn man tankt.
    Auch sollten sie moderne Benziner meiden denn dort kommt der meiste Feinstaub her.

    Fakten können den Blick klären wenn man dazu bereit ist aber nicht Vorteile ausräumen.

  • Eine sachliche Diskussion scheint generell in den Medien nicht mehr möglich zu sein. Wenn man sich um Kartelle so große Sorgen macht, könnte man doch einmal untersuchen, wie sich das das mir der verbalen Umweltverschmutzung verhält. Es ist nie ein Nachweis geführt worden, dass es sich um kartellrelevante Gespräche gehandelt. Die Medien fällen bei uns neuerdings die Urteile und der deutsche Michel fährt darauf ab. Es würde sich doch bestimmt lohnen, einmal zu recherchieren, was für Medien- , Meinungs- und Fakenews-Kartelle es mittlerweile hier gibt.

  • @Herr Sven Hemp. Das kann man so sehen aber in dem Hype werden die eigentlichen Probleme gar nicht behandelt und die meisten Leser und Journalisten die hier schreiben können sie nicht mal benennen.
    Beispiel: BMW rüstet Euro 5 nach. Rechtlich ist BMW nichts vorzuwerfen.

    1) Nicht NOx ist gefährlich sondern Feinstaub. Die DUH klagt aber gegen NOx weil dort die Klagemöglichkeiten am besten sind. NOx im Büro darf deutlich höher sein.
    2) Jetzt im Nachhinein das Thermofenster mit Nachrüstungen zu schliesen kann man fordern aber gesetztlich gibt es keine Handhabe. BMW ist in USA sauber.
    3) Wichtig ist dass ab Euro6c &d die Regelungslücken weg sind.
    4) Ginge es um saubere Luft würde man eine Blaue Blakette für alle KFZ einführen und Feinstaubgrenzwerte festlegen und die ÖL Heizungen verbieten.
    5) Ich habe einen Euro 3 Diesel muss ich damit in die Innenstadt fahren. Nein.


  • @ Herr Josef Hirsepp 03.08.2017, 08:35 Uhr

    Dann stehen Sie doch einmal an einer roten Ampel mit Ihrem Kfz. bei betriebener Klimaanlage hinter einem modernen Mercedes-Dieselfahrzeug.

    Seien Sie gewiß, Sie werden den heutzutage feinen Dieselgestank nicht lange aushalten und die Klimaanlage vorübergehend ausstellen ...

  • Die deutsche Industrie ist das Rückgrat der gesamten Gesellschaft.
    Klar darf jeder schimpfen wie er will, das ist jedem sein Ventil.
    Nur, so glaube ich, ist es notwendig, daß es auch in Zukunft couragierte Politiker gibt, die Mut haben und den Unternehmen den Rücken decken.
    Ansonsten würde ich empfehlen, leise davonzuschleichen.
    Damit wären einige Probleme gelöst wie zum Beispiel Fachkräftemangel, Hochlohnbelastung, Leistungsbilanzüberschüsse, Pendlerstau, Sozialwucherung,
    Umweltbelastungen, hohe Managerbezüge, "Kartelle" ect.

  • @Herr Karl-Heinz Weiss: Was ist los mit Ihnen ist schon wieder Flüchtligskrise?

    Sie kennen sich ja aus? Wer hat in Europa ein Gesetz gebrochen außer dem VW Konzern? Genau.
    In USA sind es vermutlich einige mehr.
    Und zu BMW das gleich mitverhaftet wird gibt es nichts bisher selbst von der DUH.
    Also ganz langsam ein- und ausatmen :-).

  • Schade ist, dass die Chancen des Gipfels nicht genutzt wurden:
    1. die vertane Chance für die Automobilhersteller zur Aufklärung.
    2. die vertane Chance zur Senkung der Schadstoffausstoßes: Software nicht ausreichend / ca. EUR 1.500 pro Diesel x 5 Mio. Autos in der Nachbesserung = 7,5 Milliarden Kosten. -> Kosten sind mit Blick auf die Bilanzen durch die Konzerne zu ertragen.
    3. die vertane Chance, das miese Gefühl in der Bevölkerung ins positive zu drehen.
    4. die vertane Chance, das die Politik sich nicht verbiegt nur, weil bald wieder Wahlen anstehen (Lobbying).
    5. die vertane Chance den Fokus bei den Automobilherstellern auch in der externen Kommunikation auf neue Technologien auszurichten.

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