Autobranche
Kühle Reaktionen auf Fiat-Interesse an Opel

Fiat-Chef Sergio Marchionne streckt die Hand aus, doch kaum jemand mag zugreifen. Der Widerstand gegen eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel durch die Italiener wächst. Gewerkschafter sind dagegen, Landespolitiker reagierten eher kühl auf die Offerte aus Turin.

HB FRANKFURT. Gleichzeitig begrüßte die IG Metall das Interesse des Autozulieferers Magna am angeschlagenen Autobauer. „Ich glaube, dass Magna ein vielversprechender Interessent ist, aber ich weiß auch, dass es weitere vielversprechende Interessenten gibt“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt, im ZDF. Weitere Namen könne er aus Rücksicht auf die potenziellen Investoren nicht nennen.

Mit Fiat und dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna haben sich erstmals ernsthafte Interessenten für die Tochter des angeschlagenen US-Autoriesen General Motors (GM) herauskristallisiert. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte allerdings, es gebe bislang keine direkten Gespräche. Sein Konzern sei offen für Dialoge mit einer ganzen Reihe von Autofirmen. Ein italienischer Gewerkschaftsvertreter sagte, Marchionne habe Bereitschaft signalisiert, Gespräche mit Opel in Erwägung zu ziehen - und zwar ungeachtet der Tatsache, dass Fiat auch mit dem angeschlagenen US-Autobauer Chrysler Gespräche über eine Partnerschaft führe.

Nach Auffassung der Bundesregierung hängt ein Einstieg davon ab, ob Fiat ein zukunftsfähiges Konzept für den deutschen Konkurrenten vorlegen kann. Es komme darauf an, wie sich ein Investor die Zukunft von Opel vorstelle, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Dabei gehe es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen und der Standorte. Davon hänge ab, ob die Bundesregierung einen Investor unterstützen werde.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte zuvor klargestellt, dass es bezüglich potenzieller Investoren noch keine „Vorfestlegung der Bundesregierung“ gebe. „Wir haben noch nicht mal ein industrielles Konzept seitens Fiat oder eines anderen Investors, und das sollten wir abwarten“, sagte zu Guttenberg im ZDF.

Der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sagte der „Berliner Zeitung“, jeder Partner sei willkommen, der den Opel- Standort im thüringischen Eisenach und damit Arbeitsplätze sichert. Die nordrhein-westfälische SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft sagte dem Blatt, für Opel Deutschland und Tausende Arbeitsplätze sei nichts gewonnen, wenn ein Investor das Unternehmen ausschlachte und den Konkurrenten ausschalte.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) sagte lediglich, es gebe gute Chancen, einen Investor zu finden. „In den letzten vier Wochen sind wir erheblich weitergekommen“, so Rüttgers. In Nordrhein-Westfalen liegt mit Bochum der zweitgrößte deutsche Opel-Standort. Der Landeschef zeigte sich zugleich generell offen für alle Interessenten. „Ich halte es für völlig falsch, dass wir jetzt öffentlich die ein oder andere Idee schon mal prophylaktisch kaputt reden“, sagte er. „Hauptsache es gibt mehrere Interessenten.“ Zur Anzahl wollte er sich nicht äußern. „Ich halte es für richtig, dass wir alle Möglichkeiten jetzt prüfen, daraus ergibt sich dann erst die Antwort auf die Frage, wo der Staat helfen muss und wo er helfen kann.“

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