Autoindustrie
Opelaner fordern GM heraus

Im Machtkampf um Opel schwenkt die Belegschaft vor dem geplanten Spitzengespräch in Berlin auf offenen Konfrontationskurs zum Mutterkonzern General Motors ein. Sollte ein Spitzengespräch keine Lösung bringen, plant die Gewerkschaft eine Großdemonstration

BERLIN/FRANKFURT. Die Beschäftigten des angeschlagenen Autoherstellers Opel gehen auf Konfrontationskurs: Sollte es bis Ende der Woche keine Einigung geben, planen die Arbeitnehmer eine Großdemonstration in Berlin. Der Termin für die Kundgebung stehe wie der genaue Ort noch nicht fest, sagte eine Sprecherin der IG Metall. Eine Demonstration vor der US-Botschaft oder dem Brandenburger Tor werde geprüft. Angemeldet ist eine Kundgebung laut Polizei noch nicht.

Der Konflikt zwischen Deutschland und dem US-Autohersteller erreicht damit eine neue Eskalationsstufe. Aus Protest haben die Arbeitnehmer laut Gewerkschaftskreisen auch ihr Urlaubsgeld eingefordert, das bisher als Entgegenkommen für die Sanierung von GM einbehalten worden ist.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zog am Montag noch einmal die Linie der Regierung klar: „Der Bund hat unverändert eine klare Präferenz für den Autozulieferer Magna“, sagte der Minister dem Handelsblatt. „Magna hat aus unserer Sicht ein klares industriepolitisches Konzept und nicht nur eine kurzfristige Rendite im Blick.“ Deshalb werde die Bundesregierung auch kein Finanzierungskonzept für RHJ liefern. „Eine staatliche Überbrückungshilfe bekommt ausschließlich Magna“, sagte Steinbrück.

Im Rennen um Opel sind nur noch der Finanzinvestor RHJ International und der austro-kanadische Zulieferer Magna, der von Bund, Ländern und Betriebsrat präferiert wird. Der GM-Verwaltungsrat hatte Ende vergangener Woche eine Verkaufsentscheidung über Opel vertagt und das Management beauftragt, die Offerte von RHJ ernsthafter zu prüfen. GM hat nun von Berlin auch das Finanzierungspaket bei einem eventuellen Zuschlag für RHJ angefordert. Die Regierung hatte aber bereits betont, Staatshilfen gebe es nur für Magna.

GM und Regierung wollen diese Woche einen neuen Anlauf zur Lösung unternehmen. GM bestätigte, dass es in den nächsten Tagen mit der deutschen Seite zu einem Vier-Augen-Gespräch kommen werde und ein ranghoher GM-Manager nach Berlin reise. Wer das sein werde, wurde nicht mitgeteilt. Gedacht ist an GM-Boss Fritz Henderson oder Verhandlungsführer John Smith, hieß es. Die Regierung pocht auf eine Entscheidung über Opel noch in dieser Woche. Der Vorsitzende der Opel-Treuhand, Fred Irwin, warnte davor, den Druck auf die amerikanische Seite noch zu erhöhen, wie ein Sprecher der Treuhand sagte. Die Führung von GM werde unabhängig entscheiden.

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