Autokrise
NRW lehnt Magna-Konzept für Opel ab

Das Land Nordrhein-Westfalen kann nach Aussage seines Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) dem Konzept des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna zur Übernahme des angeschlagenen Auto-Bauer Opel nicht zustimmen. Grund sind die Pläne des Zuliefers, vor allem im Bochumer Werk Stellen zu streichen.

HB BERLIN. "Das Magna-Konzept ist zwar das Konkreteste. Aber wir können dem Konzept unter den bisherigen Bedingungen nicht zustimmen", sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am Freitag nach einem Spitzentreffen im Kanzleramt. "Wenn von 2600 Stellen in Deutschland allein 2200 in Bochum gestrichen werden sollen, ist das nicht in Ordnung", sagte der CDU-Politiker. Alle vier Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten seien sich einig, dass es bei der Rettung des Autobauers keine einseitige Lastenverteilung geben dürfe. Dies sehe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel so, sagte Rüttgers. Deshalb erwarte er in den weiteren Gesprächen, dass Magna die Vorstellungen zum Stellenabbau noch verändere.

Zunächst hatte es geheißen, die Regierungschefs der vier Opel - Länder hätten sich für Verhandlungen primär mit dem österreichisch- kanadischen Magna-Konzern ausgesprochen. Das Unternehmen habe das interessanteste Übernahmeangebot für den angeschlagenen Autobauer Opel vorgelegt, sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) am Freitag nach einem Spitzentreffen in Berlin. In dieser Einschätzung gebe es Konsens zwischen den Regierungschefs der betroffenen Bundesländer und der Bundesregierung.

Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, es gebe einen "gemeinsamen Willen", die Verhandlungen mit Schwerpunkt Magna fortzuführen. Dabei sollen jedoch die anderen beiden Angebote nicht als aussichtslos eingeordnet werden, sagte Beck. Es sei heute keine Tür zugeschlagen worden. Entscheidend sei, dass die vier Opel - Standorte und eine maximale Zahl von Arbeitsplätzen erhalten blieben.

Beck sagte allerdings auch, dass Magna bei einem Zuschlag für Opel rund 2200 Stellen im Bochumer Werk des Autoherstellers abbauen wolle. Wie Beck weiter sagte, sollen im Motoren- und Komponentenwerk Kaiserslautern 280 Arbeitsplätze wegfallen. Insgesamt sehe das Magna-Konzept in Deutschland einen Stellenabbau von 2500 Jobs vor, von dem das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim und das Werk im thüringischen Eisenach kaum betroffen seien. In Europa wolle Magna insgesamt 10.000 Arbeitsplätze bei einer Opel-Übernahme abbauen.

Neben Magna haben auch der italienische Autobauer Fiat und der in Belgien börsennotierte Finanzinvestor RHJ für Opel geboten. Beck sagte, das Fiat-Konzept sehe europaweit einen Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vor, davon in Deutschland deutlich mehr als im Magna-Angebot. Für den Magna-Plan spreche neben dem geringeren Stellenabbau in Deutschland auch die bessere Zukunftsperspektive, sagte Beck, in dessen Bundesland der Standort Kaiserslautern liegt.

Bei der Suche nach einem Investor für Opel sollen nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bis Ende nächster Woche die Grundsatzentscheidungen fallen. "Wir müssen bis nächste Woche Grundentscheidungen getroffen haben", sagte Guttenberg. Er bezeichnete das Angebot des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna als "interessantes Konzept", das aber auch "Fragen aufwirft". Es müsse vor allem bewertet werden, wie groß die Risiken für den Steuerzahler seien, wenn der Staat Bürgschaften für eventuelle Kredite zur Finanzierung der Investitionen gebe.

Auch Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "sehr tragfähigen" Konzept. Zwar sei in der Sache noch keine abschließende Entscheidung gefallen, sagte Steinmeier. Es solle nun aber "insbesondere das Magna-Konzept auf die noch offenen Fragen hin" geprüft werden. Eine endgültige Entscheidung müsse in der nächsten Woche fallen.

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