Autokrise
Regierung will Opel auf eigene Füße stellen

Die Pläne der Bundesregierung, den Autobauer Opel vom US-Mutterkonzern General Motors (GM) abzutrennen, sind bereits weiter gediehen als bisher bekannt. Unmittelbar nach Abschluss des US-Besuchs von Ressortchef Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wurde damit begonnen, Varianten einer Loslösung zu konkretisieren.

FRANKFURT/BERLIN. Nach Informationen des Handelsblatts aus dem Bundeswirtschaftsministerium sollen die verschiedenen Lösungsansätze möglichst kurzfristig den Verhandlungspartnern in den USA übermittelt werden. Die Dinge entwickelten sich weitaus dynamischer, als es für die Öffentlichkeit wahrnehmbar sei, hieß es.

Zu Guttenberg hatte Anfang der Woche in den USA mit GM-Chef Rick Wagoner sowie mit US-Finanzminister Timothy Geithner über die Loslösung Opels vom angeschlagenen GM-Konzern verhandelt. Nach zu Guttenbergs Darstellung haben beide Seiten ihre Bereitschaft signalisiert, gemeinsam mit den Europäern zu einer Lösung zu kommen.

Opel strebt derzeit staatliche Hilfen von rund 3,3 Mrd. Euro an. Die europäischen Regierungen wollen dem angeschlagenen Autobauer aber nur unter die Arme greifen, wenn sichergestellt ist, dass öffentliche Gelder aus Europa nicht am Ende beim Mutterkonzern in Detroit versickern. Daher muss Opel von GM abgetrennt werden.

Zugleich sucht Opel derzeit nach Investoren. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster favorisiert dabei eine Lösung, die der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kürzlich ins Gespräch gebracht hatte: Der Staat soll vorübergehend das Risiko eines Investors absichern. Nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums soll der Unternehmensberater Roland Berger bei der Suche nach Investoren behilflich sein.

In einem Papier, das Opel gestern im Bundestag vorlegte, erklärt der Hersteller, es würden bereits Gespräche mit Investmentbanken als Investoren geführt. Forster und Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz warben gestern persönlich im Parlament um die erhofften Milliardenhilfen vom Staat.

Aus dem Papier für die Abgeordneten geht weiter hervor, dass Opel seine Probleme als Folge der Finanzkrise und mangelnder Kreditversorgung sieht. Auch hält sich das Unternehmen für die europäische Wirtschaft und die Autoindustrie insgesamt für sehr wichtig („systemrelevant“).

Die Frage der Systemrelevanz ist entscheidend für die Frage, ob öffentliche Gelder fließen. Minister zu Guttenberg hatte zuletzt aber bezweifelt, dass ein Autohersteller wie Opel als systemrelevant anzusehen ist.

Franz rechnet damit, dass Opel bereits in maximal sechs Wochen als selbstständiges neues Unternehmen starten könne: „Wir haben ein zukunftsfähiges Konzept, unser Zukunftsplan ist solide“, unterstrich Forster nach Auftritten im Wirtschafts- und im Sozialausschuss des Bundestages. Die zuletzt als umstritten geltende Frage der Patente könne GM klären. Opel hatte seine Patente 2005 für gut eine Mrd. Euro an eine GM-Tochter veräußert. Mittlerweile wurden die Patente als Sicherheit an die US-Regierung verpfändet.

Nach Forsters Worten wird es „noch Wochen, aber nicht Monate“ dauern, bis Klarheit besteht. Forster und Franz sagten nach ihren Auftritten vor den Bundestagsausschüssen übereinstimmend, die Bereitschaft des Parlaments, Opel zu helfen, sei deutlich zu spüren gewesen.

Unterdessen IG-Metall-Chef Berthold Huber, dass sich die Regierung rasch bereiterklären müsse, eine Beteiligung oder eine Bürgschaft zuzusichern. „Wir haben wahrscheinlich nicht mehr so viel Zeit, um die Arbeitsplätze bei Opel zu sichern“, mahnte er im Deutschlandfunk. Man müsse die Unsicherheiten für die Menschen und das Unternehmen beenden. Er halte Opel für überlebensfähig, erklärte der Gewerkschaftschef. Schuld an der Krise sei das Missmanagement von GM.

Die deutschen Opel-Händler werden am heutigen Donnerstag auf einem Jahrestreffen in Darmstadt die Weichen für eine Beteiligung am Rüsselsheimer Autobauer über einen Hilfsfonds stellen. Ein Teil der Gewinne von jedem verkauften Neuwagen soll in einem Zeitraum von zwei oder drei Jahren in einen geschlossenen Fonds eingezahlt werden, der dann eine Beteiligung an Opel erwirbt. Die Opel-Krise hat das Verhältnis zwischen dem Autobauer und seinen Händlern nach einer Erhebung bislang kaum belastet. Opel-Autohäuser gehörten vielmehr zu den zufriedensten Vertriebspartnern unter den Autoverkäufern, geht aus einer gestern veröffentlichten Studie der Bamberger Forschungsstelle für Automobilwirtschaft (FAW) hervor.

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