Automobilindustrie
Elektroautos sollen Schub bekommen

Deutschland und Frankreich treiben die gemeinsame Entwicklung von Elektroautos voran. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Branchen wollen beide Länder gemeinsame Standards setzen, um in Serie produzierten Elektrofahrzeugen den Markteintritt zu erleichtern.

BERLIN/PARIS. Beim ersten Treffen einer deutsch-französischen Arbeitsgruppe verständigten sich beide Seiten darauf, beim deutsch-französischen Ministerrat im November Ergebnisse zu präsentieren.

Die Branche hat ein hohes Interesse daran, mit politischem Rückenwind grenzüberschreitende technische Lösung für batteriebetriebene Fahrzeuge zu finden. Aus Sicht der Unternehmen wäre es eine Katastrophe, wenn sich in einzelnen europäischen Staaten separate Systeme, etwa für das Aufladen von Batterien oder für den Betrieb von "Stromtankstellen", durchsetzten.

Teilnehmer des Treffens waren neben Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann und seinem französischen Amtskollegen Luc Chatel auch Manager der Unternehmen Volkswagen, Daimler, BMW, Renault, PSA Peugeot Citroen, Bosch, EdF, Evonik, Valeo, Schneider Electric, Eon und RWE.

RWE hatte kürzlich auf der Hannover-Messe einen standardisierten Stecker vorgestellt, der das Laden von Elektrofahrzeugen grenzüberschreitend ohne lästige Adapter möglich machen soll. Der Energiekonzern hat sich nach eigenen Angaben bereits mit den 20 größten europäischen Energieversorgern und Automobilherstellern auf diesen Stecker geeinigt. Genormter Industriestandard ist der Stecker damit allerdings noch nicht. Genau das soll er aber möglichst bald werden.

Das Beispiel belegt, worum es beim Thema Elektromobilität in den kommenden Jahren geht: Gemeinsame Entwicklungen in Industriebereichen, die bislang wenig Berührungspunkte hatten, also etwa zwischen Automobilindustrie und Elektrizitätswirtschaft, müssen vorangebracht werden. Die Arbeitsgruppe soll eine Plattform für den Kommunikationsaustausch bieten. "Wir haben uns auf die Themenbereiche Normung und Standardisierung konzentriert", hieß es aus Teilnehmerkreisen. Außerdem habe man über Geschäftsmodelle gesprochen, um batteriebetriebene Fahrzeuge in den Markt zu bringen. So seien Vorschläge diskutiert worden, Autos ohne Batterie zu verkaufen und für die Batterie Leasing-Modelle zu entwickeln. Die Batterien stellen den größten Kostenblock bei Elektrofahrzeugen dar. Ihre Lebensdauer ist zudem begrenzt.

Elektrofahrzeuge können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Kohlendioxidbilanz eines Herstellers oder auch eines Staates zu verbessern. Gerade in Frankreich, wo über 90 Prozent des Stroms kohlendioxidfrei in Kernkraftwerken produziert wird, wird der Elektromobilität eine große Zukunft eingeräumt. Die deutsche Automobilbranche betrachtet die Zusammenarbeit mit den Franzosen aber mit gemischten Gefühlen: Im Vorfeld des Treffens war die Befürchtung geäußert worden, die Franzosen wollten durch die Arbeitsgruppe Zugriff auf deutsches Know-how erlangen.

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